Rudelkampf im Schnee

Allein die malerische Winterlandschaft im NUP ist einen Besuch wert. Im Januar kämpfen die Wölfe die Rangfolge aus. Fotos: Pubantz
1 von 3
Allein die malerische Winterlandschaft im NUP ist einen Besuch wert. Im Januar kämpfen die Wölfe die Rangfolge aus. Fotos: Pubantz

Leichtfüßig stolziert Figo über den frischen Schnee. Seine Rute steht waagerecht und signalisiert: Hier kommt der Chef. Vielleicht nicht mehr lange: Das Alpha-Männchen des Wolfsrudels im Natur- und Umweltpark (NUP) Güstrow muss sich jetzt im frischen Schnee Kämpfen für die künftige Rangfolge stellen. Pflegerin Petra Koppe rechnet mit Blessuren.

von
06. Januar 2009, 03:30 Uhr

Güstrow | Sechs Grad minus, Sonnenschein am Morgen: Das Wetter gefällt den neun Wölfen im NUP. Endlich Winter mit Frost und Flocken: Bei Neuschnee tollen die Graupelze schon mal wild durch den Park, sagt NUP-Meisterin Petra Koppe. Ein Kolkrabe balzt laut in den schneebedeckten Baumwipfeln. Auch für die Wölfe beginnt derzeit die Zeit der Hormonschübe: Im Januar startet die Ranz. "Die Tiere kämpfen die Rangfolge unter sich neu aus", so Koppe. Derzeit sind Männchen Figo und Weibchen Shari die Leittiere. Nur sie dürfen, so will es das Rudelsgesetz, im kommenden Sommer Junge bekommen.

Doch das könne sich ändern. "Es kann auch ein Jungtier rankommen", erklärt Petra Koppe. Sie beobachtet die Graupelze genau. Gestern, am Montag, ist Fastentag, die Tiere streifen unruhig umher. Koppe ruft Mischlings-Hündin Emma. "Du bist doch läufig, lock sie mal", sagt sie und lacht. Emma bellt. Die Wölfe wittern die Beobachter und ziehen ihre Kreise. Ein sehenswertes Schauspiel.

Von 2002 stammen die drei ältesten Tiere Figo, Shari und Zidane. Sechs Junge brachte ein Wurf 2005 hervor: Jonas, Balko, Toboe, Aron, Kira und Fiona. Damit habe der NUP das größte Rudel europäischer Wölfe in Gefangenschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Jetzt im Winter bewegen sich die Wölfe viel mehr als sonst. "Sie müssen ja warm bleiben", erklärt Koppe.

Zur Ranz von Januar bis März gebe es immer wieder Rangkämpfe im Schnee. Bisswunden sind die Folge, daher blickt die Pflegerin schon mal genauer hin. "Aber es ist nichts Ernsthaftes", fügt sie hinzu. Wenn sich ein Tier dem anderen unterwerfe, höre die Beißerei sofort auf.

Wer am Ende der Kämpfe die Rute, den Schwanz, oben behält, kann sich mit dem anderen Alpha-Tier paaren. Doch Wolfsbabys werde es auch 2009 nicht im Güstrower Natur- und Umweltpark geben. "Sie kriegen die Pille", erklärt Petra Koppe. Einmal pro Woche werde ein Präparat mit dem Futterfleisch verabreicht. Der Paarungstrieb bleibe den Tieren aber erhalten. Grund für die Verhütung: "Wir haben keine Abnehmer für die Jungtiere", so Hoppe.

Mehrere Kilogramm Fleisch kann so ein Wolf am Tage verspeisen; einen Teil verbuddelt er auf dem Areal, um es später zu fressen. Alpha-Tier Figo wiege derzeit etwa 55 Kilo.

Wer die Wölfe bei der Ranz beobachten will: Der NUP hat im Winter täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen