Güstrow: Gebührenordnung für Sportstättennutzung abgelehnt : Rote Karte für Verwaltungsentwurf

Foto: Torsten Gottschalk
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Mit der neuen Gebührenordnung für die sportliche Nutzung der Güstrower Sportstätten wird es wohl vorerst nichts. Mit Pauken und Trompeten fiel die Vorlage der Verwaltung im zuständigen Fachausschuss durch - einstimmig.

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08. Januar 2013, 06:51 Uhr

güstrow | Mit der neuen Gebührenordnung für die sportliche Nutzung der Güstrower Sportstätten wird es wohl vorerst nichts. Mit Pauken und Trompeten fiel die Vorlage der Verwaltung im zuständigen Fachausschuss für Jugend, Schule, Kultur und Sport durch - einstimmig.

Teilnehmende Vereinsvertreter - erstmals tagte der Ausschuss entsprechend der neuen Güstrower Hauptsatzung öffentlich - gingen Montagabend mit Erleichterung nach Hause. "Ich bedanke mich für diesen Beschluss", fällt Heiko Tolzien vorerst ein Stein vom Herzen. 20 Mädchen und Jungen, mithin rund 45 Prozent seiner Tischtennisabteilung im Güstrower SC, seien Kinder und Jugendliche. Die dürften laut neuer Ordnung bis 18 Uhr weiterhin kostenlos in die Hallen. Danach aber wäre der volle Satz zu zahlen: 32,50 Euro pro Stunde für die von den Tischtennisspielern genutzte Halle in der Werner-Seelenbinder-Straße. Die fällt in die neu geschaffene Kategorie I, ebenso die Sport- und Kongresshalle und die Halle in der Kessinerstraße. Für alle anderen Hallen in Güstrow, in der Kategorie II, wären 10 Euro zu berappen. Was Amtsleiterin Gisela Karmann für die Stadt rühmt, die Bis-18-Uhr-Regelung kostenlosen Vereinssports für den Nachwuchs, bezeichnet Heiko Tolzin als "Illusion". "Unser Übungsleiter arbeitet und kommt gar nicht früher ran." Jürgen Neumann vom ATSV Güstrow stimmt ein: "Bei allem Verständnis für gestiegene Unterhaltungskosten, aber unsere Hockeymädchen schaffen es nicht, früher anzufangen." Noch drastischer formuliert Torsten Renz, selbst Stadtvertreter (CDU), aber auch Vorsitzender des Güstrower SC: "Das ist ein Fußtritt fürs Ehrenamt."

Wohl anerkennt der Ausschuss gestiegene Unterhaltungskosten für die Sportstätten. Erstaunen riefen jedoch manche Zahlen hervor. So differieren 2011 die tatsächlichen Kosten von 8,82 Euro (Sporthalle der Kerstingschule bis 128,24 Euro (Sport- und Kongresshalle). Für Letztere seien laut Verwaltung die Betriebskosten seit 2004 von 90 000 Euro auf 264 000 Euro angestiegen. Ein Umstand, den Ausschussvorsitzender Hans-Georg Kleinschmidt (SPD) angesichts der zwischenzeitlichen Sanierung "nicht nachzuvollziehen" vermag. Diese Halle als nur eine zu behandeln wie die anderen auch, hält Axel Wulff (CDU) für fragwürdig. Schließlich würde allein eine, aus seiner Sicht angesagte, Halbierung dieser extremen Hallenkosten den errechneten Durchschnitt erheblich senken und ein anderes Gesamtbild bieten.

Tatsächlich nimmt die Verwaltung den realen Kostensatz der Sport- und Kongresshalle, teilt diesen durch zwei und offeriert den Betrag für die Hallenkategorie I als Nutzungsgebühr, wovon wiederum Güstrower Vereinen noch einmal die Hälfte erlassen wird. Im Fall der Südstadthalle wäre dann die Gebühr sogar höher als die Kosten, hat Mathias Puschik (CDU) ausgemacht. Peter Hoff (Freie Wähler) fordert, Schulsport und Veranstaltungen ohne Sport herauszurechnen, bevor den Vereinen die Rechnung aufgemacht wird.

Steffen Geufke (FDP) mahnt die Sozialamtsleiterin: "Wollen Sie die Vereine dicht machen? Die müssen die Gebühren auf ihre Mitglieder umlegen. Und wenn in jedem Verein nur 20 das nicht mehr zahlen können, dann rechnen Sie mal die Sozialkosten dagegen."

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