Ausstellung : Rostocks Publikum gewonnen

Christiane Hirthe und ihr Sohn Kiran erfreuen sich an dem gelungenen, preisgewürdigten Gemälde.
Christiane Hirthe und ihr Sohn Kiran erfreuen sich an dem gelungenen, preisgewürdigten Gemälde.

Christiane Hirthe aus Mühl Rosin gewinnt Preis bei Ausstellung in der Kunsthalle der Hansestadt

von
29. April 2015, 06:00 Uhr

Der Preis waren ein Blumenstrauß und eine Jahreskarte für die Rostocker Kunsthalle. „Darüber habe ich mich gefreut“, sagt Christiane Hirthe. Seit ein paar Tagen erst hat die Mühl Rosinerin jenes Bild zurück, das in der Hansestadt Furore machte. Mit ihrem „Lesenden Jungen“ beteiligte sich die Ergotherapeutin bei der sechsten Auflage von „Rostock kreativ“ – und gewann!

Dieser Wettbewerb in der Kunsthalle dient inzwischen Hobbykünstlern aus dem ganzen Land als willkommene Bühne. Hirthes Mentor Peter Hoff hatte seinen Schützling zur erstmaligen Teilnahme an dieser besonderen Schau ermutigt. Immerhin gut 700 Aussteller der verschiedensten Genres stellten aus. Und über 12  500 Besucher zählte das Haus am Schwanenteich in den zehn Tagen dieser ganz speziellen Exposition. Rund 4000 von ihnen beteiligten sich an der Bewertung der Exponate. Im Genre Malerei, der am stärksten vertretenen Kunstrichtung, machten 152 Besucher ihr Kreuz am Bild von Christiane Hirthe. Was sich auf den ersten Blick nicht gleich preisverdächtig anhört, ist es aber! Schließlich verteilten sich die Stimmen auf hunderte Bilder. Und so hatte der „Lesende Junge“ genau 20 Stimmen Vorsprung auf den Zweitplatzierten.

Hinter dem „Lesenden Jungen“ verbirgt sich auch bei flüchtiger Betrachtung Christiane Hirthes Sohn Kiran. Die 38-Jährige berichtet: „Die Idee entstand vor gut einem Jahr im Winter. Es war Abend, im Kamin brannte Feuer, Kiran saß am Tisch und las, in totaler Ruhe vertieft. Erst ein paar Tage später kam mir der Gedanke: Das kannst Du doch auch malen.“ Also setzte die Hobbymalerin ihren da noch achtjährigen Sohn nochmals in die gleiche Position, machte Fotos und Skizzen, um die besondere Stimmung einzufangen. Nach diesen Vorlagen entwarf sie auf einer MDF-Platte das Ölgemälde.

Fachmännischer Kritiker war natürlich auch Peter Hoff, bei dem Christiane Hirthe seit einigen Jahren einen Malkursus an der Volkshochschule belegt. „Er meinte, es sei nicht gerade perfekt und bemängelte die eine und andere anatomische Ungenauigkeit. Aber er sagte auch, dass die Stimmung sehr gut rüberkomme“, berichtet die Künstlerin über das erste Echo auf ihr Gemälde. Hoff ist einer, der mit fundierter Kritik nicht spart. „Das hilft mir sehr, es bringt einen weiter“, ist dessen Schützling aber überzeugt. Die Künstlerin gibt zu, sogar etwas geschummelt zu haben. In den Bildhintergrund habe sie Motive aus „Die Söhne der Großen Bärin“ eingebaut, doch in Wirklichkeit war Sohn Kiran in dieser Situation in Comics vertieft. „Er hat aber das Buch von Liselotte Welskopf-Henrich (1901-1979) schon gelesen!“, beteuert die Mutter. Sie habe dieses Buch ausgewählt, weil sich mit den Motiven die sonst freie Fläche sehr schön gestalten ließ.

Als die Ausstellung in der Rostocker Kunsthalle zu Ende ging und Christiane Hirthe am Abschlusstag ihr Bild abholen wollte, war die Überraschung groß: Es fehlte! Die Erklärung war, dass die drei besten Motive schon für die bevorstehende Prämierung abgehängt waren! Christiane Hirthe: „Für mich ist das ein Zeichen, dass viele Leute das Bild – es strahlt so eine Ruhe aus – genau so sehen, wie ich es gewollt hatte.“ Schöneren Lohn kann es für einen Künstler wohl kaum geben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen