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Auf Filmreise durch Ostdeutschland : Roland Blum beleuchtet die Zeit nach der Wende

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Wie sich Ostdeutschland nach der Wende entwickelt hat, das beleuchtet Roland Blum in seiner neuen Langzeit-Doku "Mitgift". Von Mai bis Oktober 1990 begab sich Blum erstmals auf Entdeckungsreise - auch durch Güstrow.

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erstellt am 10.Jun.2013 | 07:20 Uhr

Güstrow | Auf Schienen gleitet der Kamerakran in der Winterkirche des Güstrower Doms von der Orgel auf Barlachs "Schwebenden" zu, hebt die Kamera auf die Höhe der Plastik und lässt sie etwa einen Meter davor verharren. "Das Bild zehn Sekunden halten", sagt Roland Blum. Doch der Filmemacher ist noch nicht zufrieden. "Am Anfang müsst ihr schneller fahren und langsamer werden, je näher ihr an den Engel kommt", weist er sein Team an. Nach dem dritten Versuch ist die Einstellung im Kasten.

Roland Blum dreht einen Film über die Entwicklung in Ostdeutschland nach der Wende. Es wird, versichert er, ein abendfüllender Langzeit-Dokumentarfilm, der die rasanten Veränderungen in den vergangenen 20 Jahren belegt. Nach der Wende schloss der Kameramann und Filmemacher erstmals Bekanntschaft mit diesem Teil Deutschlands. Er lernte ein Land kennen, dessen Flüsse und Wälder durch vielerlei Umweltfrevel vergiftet waren, aber er entdeckte in der Landschaft auch unberührte Kleinode und erhalten gebliebene Bausubstanz. So formte sich bald der zweischneidig zu verstehende Filmtitel "Mitgift".

Von Mai bis Oktober 1990 begab sich Blum erstmals auf Entdeckungsreise. In Güstrow - als Beispiel für ein Mittelzentrum im ländlichen Raum - fand er in dem SVZ-Redakteur Hans-Jürgen Kowalzik einen Ansprechpartner, der ihm die Gegend zeigte und Kontakte vermittelte. Beispielsweise zu dem Krakower Naturschützer Wolfgang Neubauer. Kowalzik wird ebenso wie ein Landwirt aus Hohen Wangelin oder der Träger des alternativen Nobelpreises, Prof. Michael Succow, zu den Protagonisten des Films gehören. In Güstrow will Blum darüber hinaus anhand des Barlachschen Engels die gelebte Geschichte eines deutschen Kunstwerks schildern. Insgesamt aber geht die Reise des Filmemachers durch alle ostdeutschen Bundesländer, kommt vom Harz über Leipzig, Bitterfeld und Wolfen nach Rügen, streift die Schorfheide und den Spreewald, macht Station in Dresden, folgt der Elbe und erzählt wie nebenbei 800 Jahre Bergbaugeschichte im Erzgebirge.

Nach 1990 hat Blum seine große Rundreise zehn Jahre später und jetzt noch einmal wiederholt, um die Veränderungen einzufangen. "Viele Probleme von damals haben die Menschen meiner Generation inzwischen verdrängt und die jungen Leute können den Geschmack, den Geruch und die Bilder der damaligen Zeit nicht kennen. Deshalb mache ich diesen Film", sagt der 63-Jährige.

Demnächst wird Roland Blum den Streifen für die diesjährige Dokumentarfilmwoche in Leipzig anmelden. Die Kinopremiere ist für den 7. November in Berlin vorgesehen und die ARD plant, den Film am 9. November 2014 auszustrahlen. Für die nächste Leipziger Buchmesse kündigt Blum ein Buch zum Film an, an dem seine Prota gonisten mitschreiben werden.

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