Güstrow : „Römische Tage“ am Inselsee

Gelungener Abend: Nach der Lesung signierte Simon Strauss sein Buch „Römische Tage“ und kam bei herrlichstem Sonnenuntergang mit Besuchern am Inselsee ins Gespräch.
Gelungener Abend: Nach der Lesung signierte Simon Strauss sein Buch „Römische Tage“ und kam bei herrlichstem Sonnenuntergang mit Besuchern am Inselsee ins Gespräch.

Rund 170 Besucher lernten zur „Lesung am Strand“ Autor Simon Strauss und sein neues Buch kennen.

svz.de von
24. Juli 2019, 05:00 Uhr

Als die Sonne am Sonntagabend gegen 21.15 Uhr als rötlicher Ball über dem Inselsee unterging, wurde das Ereignis von „Ahhh“- und „Ohhh“-Ausrufen begleitet. Der Schriftsteller Simon Strauss unterbrach seine Lesung minutenlang und genoss das Schauspiel. „Das ist mit Abstand die schönste Location, in der ich lesen durfte“, meinte er beeindruckt.

Zur vierten Auflage der „Lesung am Strand“ kam alles zusammen, was sich die Organisatoren – Tilmann Wesolowski von der Uwe-Johnson-Bibliothek und Erich-Alexander Hinz von den Hotels am Inselsee – im Vorfeld gewünscht hatten: ein interessanter, junger Autor, ein sommerlich warmer Abend mit einem Bilderbuch-Sonnenuntergang und viele Besucher. Die strömten so zahlreich an den Inselsee, dass sich der Beginn der Veranstaltung leicht verzögerte, weil neue Sitzgelegenheiten herangeschafft werden mussten. Am Ende waren es um die 170 Gäste, die Platz fanden. „Nun ist unsere Kapazität an Stühlen erreicht. Für das nächste Jahr hat die Stadtverwaltung versprochen, mit Klappstühlen auszuhelfen“, freute sich Hotelier Erich-Alexander Hinz, der an die Anfänge der Veranstaltungsreihe mit deutlich weniger Gästen erinnerte: „Zur ersten Lesung 2016 kamen 34 Besucher.“

Das Ambiente zur Lesung und das milde Wetter passten perfekt zu dem von Strauss und seinem Studienfreund Alexander Jakovljevic, der als Moderator fungierte, vorgestellten Buch „Römische Tage“. Dem vom Buchhandel als Roman angekündigten, vom Autor als eine Folge von „literarischen Schlaglichtern“ bezeichneten Werk, liegt ein autobiografischer Plot zugrunde: ein junger Autor verbringt zwei Monate in der Ewigen Stadt, begegnet Menschen, ihrer Geschichte und ihren Geschichten und nimmt die italienische Hauptstadt als Metapher für europäische Zusammenhänge. Die anfängliche Koketterie mit dem deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, der Rom über 231 Jahre zuvor besucht hatte, verlässt Strauss bald zugunsten aktueller Probleme. Er beschreibt die von Angst besetzten Zukunftserwartungen junger Römer und schildert das ambivalente Verhältnis der Italiener zu ihren ja oft wechselnden Regierungen. Strauss lässt seine Protagonisten sagen: wir hassen den Staat, aber lieben das Land. Daneben versteht es der Autor meisterhaft, die Stimmung unbeschwerten südlichen Lebens wiederzugeben. Dabei soll noch ein Grund genannt werden, warum die Lesung am Strand ein Volltreffer war: Simon Strauss widerlegte auf angenehme Weise die landläufige Erfahrung, wonach der Autor oft der schlechteste Interpret seiner Werke ist.

Für Tilmann Wesolowski begann noch am gleichen Abend das Grübeln. Schließlich muss er 2020 einen Autor finden, mit dem sich die von der Stadtverwaltung zugesagten 50 zusätzlichen Stühle auch füllen lassen…



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