Freizeitbad Güstrow : Rettungsplan für die „Oase“

Hat die Güstrower „Oase“ noch eine Zukunft? Wenn es nach den Verfassern des aktuellen Gutachtens geht schon, aber nur mit wesentlichen Veränderungen und Verbesserungen.
Hat die Güstrower „Oase“ noch eine Zukunft? Wenn es nach den Verfassern des aktuellen Gutachtens geht schon, aber nur mit wesentlichen Veränderungen und Verbesserungen.

Gutachten stellt Güstrower Freizeitbad schlechtes Zeugnis aus und schlägt kostenintensive Neuausrichtung vor

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23. September 2015, 06:00 Uhr

Die schonungslose Wahrheit über das krisengeschüttelte Güstrower Freizeitbad „Oase“. Die präsentierte Prof. Martin Weigel von der GLC Glücksburg Consulting AG jetzt erstmals der Güstrower Öffentlichkeit und den Stadtvertretern. Und die mussten die niederschmetternden Ausführungen zu einem ihrer Lieblingsprojekte mit hängender Miene zur Kenntnis nehmen. Gutachter Weigel schilderte den Ist-Zustand der „Oase“ drastisch. „Wenn hier nicht ständig Geld reingesteckt wird, ist das Freizeitbad schnell weg vom Markt“, sagte er. So wie jetzt könne es nicht weitergehen. Aber Weigel bot in seinem 140-seitigen „Zukunftskonzept zur Neuausrichtung der Oase Güstrow“ auch eine klare Perspektive – allerdings verbunden mit erheblichen Investitionen zur baulichen und technischen Sanierung sowie einer gleichzeitigen Aufwertung und attraktiveren Gestaltung des Bades.

„Oase“ immer ein Zuschussbetrieb

Doch den Zahn, dass die „Oase“ trotz aller zu ergreifenden Maßnahmen irgendwann Mal schwarze Zahlen schreiben werde, zog Weigel den Stadtvertretern gleich von Anfang an. „Es handelt sich hier nicht um ein gewinnbringendes Unternehmen. Darüber muss man sich klar sein. Aber man kann das Bad so effizient wie möglich betreiben“, so der Fachmann. Wenn die von ihm vorgeschlagene „Attraktivierung“ der „Oase“ umgesetzt und greifen würde, verringere sich der jährliche Verlustausgleich von Stadt und Stadtwerken zwar, liege aber immer noch bei rund einer Million Euro.

Besucherzahlen und Umsätze der „Oase“ würden stagnieren. Das sei besorgniserregend, weil die Kosten gestiegen seien, so Weigel. An zwei Tagen in der Woche ist die „Oase“ mittlerweile seit einem Jahr geschlossen, wegen Personalmangels, wie es heißt. Die „Oase“ stehe zudem ohne echtes Alleinstellungsmerkmal da und vor allem dem Wellness- und Saunabereich fehle es an Attraktivität. Von GLC befragte Güstrower würden sich einen deutlich schöneren und länger geöffneten Saunabereich sowie ein vernünftiges Gastronomiekonzept wünschen. „Es fehlen Highlights, die einen Besuch auch für Gäste aus dem weiteren Einzugsgebiet und für Touristen interessant machen“, resümierte Weigel.

Hinzu komme die unaufschiebbare technische Sanierung des Bades. Dazu soll die „Oase“ im kommenden Jahr für mindestens sechs Monate komplett geschlossen werden. Und hier setzt das GLC-Konzept an: „Die Sanierung macht nur Sinn in Kombination mit Maßnahmen, die der Kunde auch sieht.“ Im Gutachten heißt es: „Mit einer Verbindung von Sanierung und Attraktivierung der Oase Güstrow lassen sich aus Sicht der Gutachter bessere Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunftssicherung des Bades schaffen als bei einer alleinigen Sanierung. Eine getrennte Vornahme von Sanierungs- und Attraktivierungsmaßnahmen führt in jedem Fall zur Mittelverschwendung.“ Also: Technische Sanierung und Verschönerung des Bades sind in einem Rutsch zu machen. Dafür hat GLC Kosten in Höhe von rund fünf Millionen Euro ausgerechnet, inklusive der geplanten halbjährigen Schließung.

Hauptforderung des Gutachters ist ein verbessertes Sauna-, Wellnes- und Gastronomieangebot. Überhaupt solle der Fokus auf den Wellness-Bereich gelegt werden. Gruppensauna, Salzgrotte, Gestaltung des Außenbereichs, Erneuerung der Ausstattung, Massagen, verlängerte Öffnungszeiten und mehr Fachpersonal sind die Forderungen. Hier seien Umsatzsteigerungen und höhere Besucherzahlen möglich. Gleichzeitig spricht sich das Gutachten gegen eine Erweiterung der Badewelt aus. „Auch keine Wiederbelebung der Rutsche. Das ist ein Kostenfresser!“, sagte Martin Weigel.

Von Schließung rät Gutachter ab

Auch eine Schließung oder gar einen Abriss der „Oase“ hat der Gutachter untersucht und die Kosten dafür geschätzt. Doch da Fördermittel für das Bad bis 2019 zweckgebunden seien, bestehe bei einer Stilllegung das Risiko einer teil- oder vollständigen Rückzahlung der gewährten Fördermittel. „Wir würden das Bad nicht schließen“, rät Weigel folgerichtig, ebenso wie er von einer alleinigen Sanierung ohne die von ihm vorgeschlagene „Attraktivierung“ abrät.

„Noch schlimmer kann es nicht kommen“, so der erste Kommentar von Bürgermeister Arne Schuldt nach der Vorstellung des Konzepts. Die Gesellschafterversammlung der Oase hat das Gutachten bereits abgesegnet. Der Stadtvertretung wird das Zukunftskonzept auf ihrer Sitzung am 29. Oktober zum Beschluss vorgelegt. Zunächst beschäftigen sich noch alle Ausschüsse damit.

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