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Güstrower Anzeiger

20. September 2017 | 22:14 Uhr

Güstrow : Rettungsdienst warnt vor Notstand

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Der Rettungsdienst Güstrow schlägt Alarm. „Es droht der Notstand in der Ausbildung“, sagt Leiter Andreas Bojarra. Den Grund liefert das vom Bundestag verabschiedete Notfallsanitätergesetz. Das Problem: Es fehlt das Landesgesetz dazu.

svz.de von
erstellt am 14.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Der Rettungsdienst Güstrow, angesiedelt beim DRK-Kreisverband, schlägt Alarm. „Es droht der Notstand“, sagt Leiter Andreas Bojarra, „weil die kontinuierliche Ausbildung gefährdet ist.“ Den Grund liefert das vom Bundestag zum 1. Januar verabschiedete Notfallsanitätergesetz (NotSanG). Das hat den komplett neuen Beruf „Notfallsanitäter“ geschaffen und lässt innerhalb von sieben Jahren den Beruf Rettungsassistent verschwinden. „Für beides“, mahnt Bojarra, „gibt es im Land bisher aber keine Regelungen. Die müssen daher so schnell wie möglich im Landesrettungsdienstgesetz beschlossen werden.“


Landesgesetz muss Finanzierung klären


Zu klären sind laut Bojarra die Finanzierung der Ausbildung, die künftig alle Rettungsdienstanbieter realisieren müssen, und die Umschulungen der Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter. Im Güstrower Rettungsdienst gibt es 100 Mitarbeiter. Die Umschulungen dauern laut Bojarra für jeden ein halbes Jahr bzw. ein Jahr. Das sei aber in den sieben Jahren der Übergangsfrist nicht umzusetzen. Daher würden Unsicherheit und Zukunftsängste unter den Mitarbeitern geschürt.

Außerdem weist Bojarra auf den generellen Fachkräftemangel sowie fehlende Azubis hin. Von 2014 bis 2016 sieht er in Güstrow einen Personalbedarf von rund 15 Mitarbeitern. Derzeit hat er zehn Bewerbungen auf dem Tisch. Bojarra: „Das ist zwar gut, aber bisher kann ich die Bewerber nur vertrösten, weil es keine Landesregelungen gibt, und wir laufen Gefahr, dass sie sich woanders umsehen. Eventuell entscheiden sie sich wegen der unklaren Situation für einen völlig anderen Beruf. Das gilt es unbedingt zu verhindern.“


Rettungsdienst nicht in Gefahr


Das Sozialministerium beruhigt auf SVZ-Nachfrage und widerspricht, dass eine kontinuierliche Ausbildung in Frage gestellt bzw. der Rettungsdienst in Gefahr ist. Pressereferentin Silke-Maria Preßentin betont, dass das Ministerium mit Hochdruck an der Umsetzung des Bundesgesetzes arbeite. Das novellierte Rettungsdienstgesetz im Land soll voraussichtlich noch dieses Jahr verabschiedet werden. Einiges laufe aber trotzdem schon. So gebe es die Regelungen für die staatliche Prüfung und Ergänzungsprüfung. Preßentin: „Die Weiterqualifizierung vom jetzigen Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter sowie der Einsatz von Notfallsanitätern muss jedoch nicht vorzeitig gesetzlich geregelt werden, auch wenn die ersten ausgebildeten Notfallsanitäter bei Ausbildungsbeginn im September 2014 frühestens in drei Jahren bereit stehen.“ Sie weist darauf hin, dass es im Land die ersten elf Notfallsanitäter gibt, ca. 40 weitere werden bis Jahresende ihre Prüfung haben. Preßentin: „Insofern ist davon auszugehen, dass der Bedarf weiter gedeckt wird. Zurzeit ermitteln die Träger des Rettungsdienstes die Bedarfe an künftigem Personal sowie Ausbildungen und Ergänzungsausbildungen.“

Zu den Kosten erklärt die Sprecherin, dass das geltende Rettungsdienstgesetz eine Verpflichtung der Krankenkassen zur Kostenübernahme für die Ausbildung von Notfallsanitätern enthält. Preßentin: „In der Novellierung soll eine Klarstellung erfolgen.“


Rettungsassistent befristet bis zehn Jahre


Sie betont außerdem, dass der Begriff „Umschulungen“, der verwendet wird, missverständlich sei, da diese nur für Arbeitslose stattfinden. Gemeint kann hier nur die Ergänzungsausbildung sein, die in den Regelungen im Notfallsanitätergesetz vorhanden ist.

Auch die Bedenken des Güstrower Rettungsdienstes, die Ergänzungsausbildung für die 100 Mitarbeiter zeitlich nicht zu schaffen, sei unbegründet, so Preßentin. Die Novelle sieht vor, dass der Einsatz von Rettungsassistenten befristet bis zehn Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes zugelassen wird. Der Umfang der Ergänzungsausbildung hänge auch von der Dauer der Berufserfahrung ab. Unabhängig von der Tatsache, dass Rettungsassistenten an einer Ergänzungsausbildung teilnehmen können, bleibe ihnen auch die Wahl, nach einer fünfjährigen Berufstätigkeit an einer Ergänzungsprüfung teilzunehmen. Oder es besteht die Möglichkeit, erklärt die Ministeriumssprecherin, dass jeder Rettungsassistent jederzeit die komplette staatliche Prüfung ablegen kann. Preßentin: „Davon haben bereits die ersten Rettungsassistenten Gebrauch gemacht.“


 

 


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