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Schlüsseldienst-Wucher in Güstrow : Retter in der Not war Gauner

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

545 Euro für Türöffnung durch Schlüsseldienst? Verbraucherzentrale: Das ist Wucher!

von
erstellt am 05.Okt.2015 | 20:45 Uhr

Viel Geld musste Familie Stebler bezahlen, nur weil ihr ein Malheur passierte: Die Haustür fiel zu, der Schlüssel war drin! Was tun in der Not? Einen Schlüsselnotdienst rufen. Im Internet fand man einen, der vielversprechend klang, zwar im Ruhrpott beheimatet sei, jedoch auch in Güstrow seine Dienste anbietet. Der kam auch prompt, öffnete die Tür mit einigem Aufwand, war aber nach 75 Minuten fertig. So steht es im Protokoll. Da steht auch etwas von „technischem Versagen“, weshalb der Arbeitsaufwand höher gewesen sei als üblich. „Das Ergebnis ist jetzt ein Loch in der Tür – aber kein Schloss“, berichtet die in Güstrow ansässige Familie, die ihren wirklichen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Denn sie fühle sich über den Tisch gezogen, empörte sich die Frau in der Redaktion. 545 Euro wurden für die Leistung verlangt, wie die Rechnung ausweist. Dabei sei nicht einmal ein neues Schloss, weil der „Helfer in der Not“ angeblich kein passendes für diese Tür hätte, wie er gesagt habe.

Als die auf so teure Weise gerettete Familie nach dem ersten Schock – der Retter war da längst über alle Berge – sich die Rechnung genauer anschaute, fielen einige Ungereimtheiten auf. So steht überhaupt keine Adresse jener Firma auf dem A4-Schein, auch keine Telefonnummer und bei noch näherem Hinschauen steht unter der Rubrik Steuer-Nummer: „beantragt“. Spätestens hier schwante Frau Stebler Ungutes, das Gefühl, vielleicht einem Gauner aufgesessen zu sein. Dumm nur, dass dieser den Betrag sofort kassierte! „Auch so ein Trick“, vermutet Frau Stebler nun, denn der Mann habe sich auf eine Rechnungszustellung nicht einlassen wollen. Eine, wohl zu späte, Nachfrage bei der Bank ergab: Das Geld ist weg.

„Das ist kein Einzelfall“, sagt Joachim Geburtig von der Verbraucherzentrale in Rostock. In Deutschland wirke eine regelrechte „Mafia“ von Notdiensten, die gesetzeswidrig Wucherpreise verlangen. Zwei generelle Tipps gibt der Verbraucherschützer: erstens immer gut schauen, wen man in der Not um Hilfe bittet. Und zweitens genau hinschauen, was man unterschreibt. 159 Euro pauschal für eine Viertelstunde, so wie Familie Stebler berappt wurde – das sei Wucher, so Geburtig. Bei solchen Beträgen sollte man zunächst niemals zahlen – dann nämlich wäre die Gegenseite am Zuge. Und die sollte mit einer Strafanzeige rechnen, die Bürger, die sich so betrogen fühlen, stellen sollten. Eine einfache Türöffnung, weiß Verbraucherberater Geburtig, gehe üblicherweise mit 60 bis 90 Euro weg, Zuschläge für die Nacht oder Wochenenden nicht berücksichtigt. Die Verbraucherzentrale halte zu dem Thema auch eine Broschüre bereit.

Jetzt bliebe der betroffenen Familie wohl nur noch die Chance, auf rechtlichem Weg gegen die „Firma“ vorzugehen. Das erfordere allerdings oft auch zusätzliche finanzielle Aufwendungen.

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