Protest bei DRK : Retter fordern Lohn nach Tarif

Mitarbeiter des DRK machten ihrem Unmut Luft.
Mitarbeiter des DRK machten ihrem Unmut Luft.

Tarifkonflikt beim DRK-Kreisverband schwelt weiter / Streik-Rädelsführer gemaßregelt?

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19. November 2014, 23:00 Uhr

„Druck Maßregelung Kündigung“ steht auf den T-Shirts, die Mitarbeiter des DRK-Rettungsdienstes gestern zur Betriebsversammlung anzogen. Die meisten hielten sich ein Schild mit rotem Kreuz und der Aufschrift „Redeverbot“ vor den Mund. Ihr Unmut spricht dennoch Bände. Stinksauer sind viele Mitarbeiter des Kreisverbandes. Seit der Verein 1998 aus der Tarifbindung ausgeschert ist, gibt es keine einheitliche Vergütungsregelung. Von einer Dreiklassengesellschaft wird gesprochen: außertariflich Bezahlte, Entlohnte nach altem Tarifvertrag, Neueinstellungen zu meist schlechteren Bedingungen.

Als die damals 96 Frauen und Männer des Rettungsdienstes im Juni mit Warnstreiks und Unterstützung aus Gewerkschaft und (linker) Politik den Vorstand an den Verhandlungstisch für einen neuen Tarifvertrag zwingen wollten, verhärteten sich die Fronten offenbar weiter. Einen Tarif gibt es nach wie vor nicht, offenbar nicht einmal Verhandlungen. Stattdessen sei inzwischen zwei Mitarbeitern gekündigt worden, die sich mit an die Spitze des Unmuts gestellt hatten, mindestens zwei weitere seien mit Abmahnungen überzogen worden. Betroffen sind Betriebsräte und Mitglieder der Tarifkommission, bestätigen DRK-Angehörige. Auf einer Betriebsversammlung gestern machten die Mitarbeiter ihrem Unmut Luft. Frank Bauriedl von der gewerkschaftlichen Tarifkommission brachte die Situation auf den Punkt: „Es geht jetzt nicht mal mehr nur um die Tarifverständigung, sondern um das Vorgehen des Vorstandes.“

Da die Tarifsituation auch in anderen DRK-Kreisverbänden akut sei, wollte die Gewerkschaft Verdi alle DRK-Vereine mit Rettungsdienst am 15. Oktober an einen Tisch holen. „Die haben nicht mal reagiert, haben das einfach ignoriert! Das finde ich doch sehr befremdlich“, schimpft Wolfgang Hooke vom Verdi-Landesbezirk Nord. „Die Verwerfungen im Lohn- und Gehaltsgefüge sind groß“, sagt Hooke und formuliert eine neue Zielstellung der Gewerkschaft für den Rettungsdienst überhaupt: ein Branchentarif für das ganze Land, dem das Sozialministerium Allgemeinverbindlichkeit verleiht. „Dann gäbe es auch keine Wettbewerbsnachteile, die das DRK immer befürchtet.“


Vorstand: Verhandlung mit Betriebsrat


Den Standpunkt des Kreisvorstandes Güstrow des Deutschen Roten Kreuzes erläuterte gestern Manuela Hamann, Mitarbeiterin für die Öffentlichkeitsarbeit im Kreisverband. Seit mehr als zwei Jahren sei man dabei, „allgemeine Vertragsbedingungen“ für die Mitarbeiter des Kreisverbandes zu entwickeln. Hamann spricht von einer „schwierigen Prozedur“, alle Mitarbeiter und alle Tätigkeiten richtig einzustufen. „Wir wollen, dass alle Mitarbeiter gerecht bezahlt werden, ähnlicher Lohn für ähnliche Arbeit, und das auch für jene Bereiche – wie z.B. die Pflege – die schwieriger zu finanzieren sind.“ Die Vereinssprecherin – vom Vorstand war gestern keiner zu sprechen – verweist auf Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Die hätten vor einer Woche begonnen. Dass es Kündigungen im Zusammenhang mit den Streiks gab, streitet sie ab. Nur so viel: „Bei Verstößen gegen den Arbeitsvertrag kann es natürlich arbeitsrechtliche Konsequenzen geben.“

Für Verdi-Mann Hooke ist mit den Erklärungen des Vorstandes das Thema längst nicht auf der Reihe: „Es geht darum, dass diese Berufsgruppe die ihr gebührende Anerkennung erfährt. Da geht es nicht um Reichtum für die Kollegen, sondern um ihre Wertschätzung und Motivation.“ Deshalb werde man in den Anstrengungen für eine an Gehälter im öffentlichen Dienst angelehnte Entlohnung, mindestens aber nach einem Haustarif, nicht nachlassen. Hooke: „Wir müssen uns überlegen, wie wir mit der Verweigerung umgehen. Wir bleiben am Ball!“ Auch über Streiks werde man nachdenken.
 

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