Güstrow : Rentnerpraxis schließt für immer

Praxisschild abgeschraubt: Dr. Manfred Erdmann, Krankenschwester Waleria Wolter, Arzthelferin Nadine Höppner und MR Wulf Nacke (von links)
Praxisschild abgeschraubt: Dr. Manfred Erdmann, Krankenschwester Waleria Wolter, Arzthelferin Nadine Höppner und MR Wulf Nacke (von links)

Die Güstrower Landärzte Wulf Nacke und Manfred Erdmann genießen jetzt den Ruhestand.

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02. März 2018, 05:00 Uhr

„Liebe Patienten, die Praxis ist ab 1. März für immer geschlossen. Wir danken für Ihr Vertrauen.“ So tönt es seit gestern aus dem Telefon beim Anruf in der „Gemeinschaftspraxis MR Wulf Nacke & Dr. Manfred Erdmann“. Das traditionsreiche Haus in der Güstrower Hafenstraße ist nur noch privat.

1935 hatte hier in seinem neu erworbenen Haus Dr. Prösch eine Arztpraxis eröffnet. Vom Krieg verschont, konnte der bekannte Güstrower Arzt ununterbrochen bis 1972 das Haus führen. Es traf sich gut, dass Schwiegersohn Wulf Nacke wie schon seine Eltern ebenfalls die Arztlaufbahn einschlug. So konnte der nahtlos einsteigen. Ab 1974 staatlich, machte der Allgemeinmediziner Ende 1990 die Praxis wieder privat.

Vor fünf Jahren, stand Nacke, längst im Rentenalter, vor der Frage, wie es weitergehen soll mit seinem Sprechzimmer und seinen Patienten. Aufhören wollte er noch nicht, aber die Belastungen wurden freilich nicht geringer. Da traf es sich, dass der langjährige Lüssower Landarzt Dr. Manfred Erdmann ebenfalls ins Rentenalter kam und nur etwas kürzer treten wollte: Nacke und Erdmann betrieben die Praxis in der Hafenstraße gemeinschaftlich weiter. Die Sprechzeiten teilten sie sich auf. „Das war für uns beide eine schöne Lösung“, sagt Nacke rückblickend. Erdmann bestätigt seinen Kollegen: „Nach 37 Jahren in Lüssow waren diese fünf Jahre noch mal richtig gute, obwohl wir ja längst im Rentenalter sind.“ Mit 74 Jahren beendet Medizinalrat Wulf Nacke sein berufliches Leben, Manfred Erdmann scheidet mit fast 71 aus dem aktiven Dienst aus. Nacke: „Es war eine wunderschöne Zeit. Aber jetzt wird es auch Zeit.“

Am letzten Tag fanden sich die Patienten noch einmal zahlreich ein, viele nur, um Abschied zu sagen. „Da gab es reichlich Umarmungen, sogar einige Tränen. Das hätte ich nie gedacht“, zeigt sich Wulf Nacke gerührt. Auch Krankenschwester Bärbel Wienhold, die vor zwei Jahren in Rente ging und ebenso wie Kollegin Waleria Wolter 30 Jahre lang am Tresen in der Hafenstraße die Patienten empfing, ließ sich den Abschiedstag nicht nehmen. Während Schwester Waleria nun ebenfalls in Rente geht, wechselt die jüngere Arzthelferin Nadine Höppner in die Praxis Dr. Cornelia Höpcke. Den Großteil der Patienten, wer denn möchte, nimmt sie mit. Nacke: „Wir sind ganz froh, dass sich jemand weiter um unsere Patienten kümmert.“

Die familiären Arzttraditionen indes haben schon lange Fortsetzung gefunden. In Hamburg praktiziert Dr. Erdmann Junior, der in den vergangenen Jahren Wochenend-Bereitschaften der elterlichen Rentner-Praxis in Güstrow übernommen hatte. Und Dr. Constantin Nacke, inzwischen in Flensburg zu Hause, erbt die großelterlichen medizinisch-technischen Antiquitäten aus der Güstrower Praxis. „Vielleicht macht er ja mal ein Museum auf“, denkt sich Rentner Wulf Nacke. Er freue sich jetzt darauf, auch „mal wochentags im Garten schreddern“ zu können. Oder mit Auto oder Fahrrad, auf jeden Fall aber mit Ehefrau Thora „ganz frei wohinfahren, wo es schön ist“.

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