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Pferdemarkt-Diskussion : Renaissance fürs „Goldene Tor“?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Der Antrag zur Umgestaltung des Eingangs zum Pferdemarkt etwas weitergedacht / Kunstwerk vor 17 Jahren abgelehnt

von
erstellt am 20.Mai.2015 | 06:00 Uhr

Gerhard Jacob bittet um mehr „Straßenästhetik“ in Güstrow. Der Stadtvertreter der Freien Wähler lässt nicht locker. Unbeeindruckt vom Gegenwind in allen Ausschüssen beharrt Jacob auf Änderung der Eingangssituation des Pferdemarktes: Vom Bahnhof aus Eintreffenden sei nicht ersichtlich, dass hier ein Zugang zum Stadtzentrum sei soll. Beweglicher Poller, feste Poller, Blumenkübel, Verkehrsschilder, Verkaufsaufsteller, Warenauslage… „Verbarrikadiert!“, lautet Jacobs frustrierendes Fazit.

Gerhard Jacobs Antrag indes ist unvollkommen. Es gibt keinen Alternativvorschlag, ob und welche finanziellen Auswirkungen es gibt – eine Pflichtangabe bei Anträgen –, ist nicht klar, er läuft nur darauf hinaus, alles was im Wege steht wegzuräumen. Auch eine angekündigte entschärfte Änderung zur morgigen Sitzung der Stadtvertreter liegt bisher nicht vor. Kurzum, es ist nicht ersichtlich, wie sich der Antragsteller die Situation überhaupt vorstellen möchte. Immer wieder werden warnende Stimmen laut, die ein munteres Einfahren von Autos – ob mit Absicht so gelenkt oder auch nur versehentlich – auf den Pferdemarkt befürchten. Die Ablehnung durch die Stadtvertreter scheint abgemacht zu sein.

Und doch muss die Diskussion damit morgen Abend nicht tot sein. Bürgermeister Arne Schuldt warf einen Gedanken in die Debatte, erinnernd an einen Architektenwettbewerb, der vor 17 Jahren die Gemüter in Güstrow erregte. Was im Stadtgespräch damals für Furore gesorgt hatte, war so anspruchsvoll, dass sich niemand an das Projekt herangetraut habe, erinnert sich Schuldt…

Da haben wir sie also wieder, die Diskussion um das „Goldene Tor“! Ein solches war das markanteste Element einer Neugestaltung von Markt und Pferdemarkt zu einer ansprechenden Fußgängerpassage. Noch bevor die Diskussion darüber erst richtig in Gang kam, hatte Alexander Hässner sein eigenständiges Kunstwerk der Stadt angeboten. Den Standort definierte der inzwischen gestorbene Güstrower Künstler eindeutig: Dort, wo früher das Schnoientor gestanden haben soll, solle ein goldener Bogen stehen. Die Eingangssituation zum Pferdemarkt hätte sich damit um rund 100 Meter eingerückt verändert – in Verlängerung der Stadtmauer.

Die Debatte verlief von Anfang an in jeder Hinsicht kontrovers.

Da waren die Kosten von 116  000 D-Mark: Doch die „Oase“ wurde nicht fertig, die Schulen der Stadt waren heruntergekommen, die Fassaden in der Altstadt, Rathaus inklusive, boten ein trauriges Bild.

Da war der Standort: Zu modern mitten in der Altstadt, hieß es, besser wäre solch „Goldenes Tor“ in der Südstadt aufgehoben oder gar „vor einem Kindergarten“.

Da war – das Beispiel zeigt es – Unsachlichkeit und Häme im Spiel, auch bei bekannten Kunst- und Kulturfreunden gab es Pro und Kontra.

Da kam eine politische Dimension ins Spiel: Bürgermeister Hans-Erich Höpner hatte, begeistert von der Idee, übereilt und eigenmächtig das Kunstwerk für die Stadt gekauft, wurde aber von der Stadtvertretung mehrheitlich zurückgepfiffen.

Und da gab es auch sie bereits: die Sorge um ein „Zusperren“ des Pferdemarktes mit „versenkbarem Poller und Vorhängeschloss“, geäußert auf einem von der SVZ-Lokalredaktion einberufenen Stammtisch zu dem Thema.

Der Anlass war 1998 ein anderer. Doch schon damals ging es um mehr „Straßenästhetik“ in Güstrow, wie Gerhard Jacob heute fordert. Bürgermeister Schuldt: „Vielleicht sollte man mal die alten Unterlagen herausholen und nachsehen, was da so alles an Ideen geäußert wurde.“

 

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