Vandalismus in Krakow am See : Reifenstecher-Opfer seit 17 Jahren

Michael Naumann weiß sich keinen Rat: Immer wieder werden an seinem Auto die Reifen zerstochen.
Michael Naumann weiß sich keinen Rat: Immer wieder werden an seinem Auto die Reifen zerstochen.

Krakower wird regelmäßig Opfer von Vandalismus und weiß sich nicht zu wehren. Auch die Polizei ist ratlos.

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06. Januar 2016, 06:00 Uhr

Die Liste der Schadensfälle allein eines Jahres lässt einen gruseln: 30. Dezember 2014 – Reifen zerstochen, Anfang 2015 – Außenspiegel abgetreten, Mai ’15 – Reifen am Traktor zerstochen, September – Autoreifen zerstochen, Mitte Dezember – Auto gestohlen. Opfer ist stets Michael Naumann in Krakow am See. Und das geht seit 17 Jahren so: unregelmäßig drei- bis viermal im Jahr findet Naumann sein Auto mit Plattfuß vor, immer die Reifen gewaltsam zerstört, erzählt er. Ein Jahr zwischendurch sei auch mal Pause gewesen, doch die sei ihm nur kurz gegönnt gewesen.

Der Fall ist kurios. Immer wieder treffe es nur sein Auto, das er in den Jahren schon mehrfach wechselte. Als er mal mit dem Dienstwagen zu Hause im Ziegelbruch vorfuhr – auch das traf es. Ein Auto vom Kumpel geliehen – noch in der gleichen Nacht waren die Reifen durch. Nie hätten die mutmaßlichen Täter das Auto der Frau oder eines von Nachbarn angegriffen. Einmal habe sein Kleintraktor dran glauben müssen, der stand auf dem Grundstück. Das Auto steht meistens auf der Straße gegenüber vom Wohnhaus. Der Krakower muss also annehmen, dass die Taten gegen ihn persönlich gerichtet seien. Doch ein Motiv könne er partout nicht ausmachen. Nachbarschaftskonflikte? Verwicklung in Prügeleien? Entlassung von Mitarbeitern (zwischenzeitlich hatte Naumann mal eine kleine Firma)? Frühere Liebschaften? Uneheliche Kinder? Fremd gegangen?… „So was kann ich alles mit ruhigem Gewissen verneinen“, beteuert der 47-Jährige. Besonders schlimm für den Krakower: Die Versicherungen zahlten nicht für zerstochene Pneus.

Habe er die ersten paar Male noch nichts unternommen, so hole er seit langem die Polizei. Doch niemals hätten der bzw. die Täter irgend etwas hinterlassen. „Wir haben keinen Ermittlungsansatz“, scheint auch die Polizei in diesem speziellen Fall ratlos zu sein. Entsprechend fielen auch stets die Schreiben des Staatsanwaltes aus: „… wurden die Ermittlungen eingestellt.“ Auch ein Versuch der Selbsthilfe mit Aufstellen einer Wildkamera habe zu nichts geführt, sagt Michael Naumann. Im Gegenteil: Im Dezember war jetzt sogar das ganze Auto weg. Immerhin: Das haben Beamte Tage später in Güstrow aufgefunden und konnten es – mit üblichen Einbruchsschäden an Tür- und Zündschloss – dem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben. Ein Zusammenhang zu den reinen Vandalismusschäden erscheint vage.

Gert Frahm, Sprecher der Polizeiinspektion Güstrow, kennt das Phänomen: „Unsere Ermittler beobachten ab und an, dass Einzelpersonen gehäuft von Straftaten betroffen sind. Die Erfahrung zeigt, dass es dann fast immer einen persönlichen Hintergrund gibt.“ Die Ermittler gingen auch hier davon aus, dass dies so sein müsste. An so viele Zufälle mag man jedenfalls nicht glauben. Frahm betont, er könne nachvollziehen, dass die Situation für Herrn Naumann völlig unbefriedigend sein muss. „Allerdings ist die Ausgangslage für die Ermittlungen, gerade bei Sachbeschädigungen, von denen Herr Naumann hauptsächlich betroffen ist, allgemein schwierig, da nur in den seltensten Fällen verwertbare Spuren hinterlassen werden.“

Die Polizei setzt nun auf Mithilfe aufmerksamer Bürger und bittet, Hinweise an die Kriminalpolizei in Teterow (Telefon 03996/1560) zu richten. Vielleicht, so die Hoffnung, erhalten die Ermittler so doch noch einen Ansatzpunkt. Denn auch in den noch nicht abgeschlossenen, noch zu bearbeitenden Fällen gebe es keine Spuren, die auf einen Täter schließen ließen.

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