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Güstrower Anzeiger

23. November 2017 | 21:45 Uhr

Renaturierung : Recknitz wieder Spielraum geben

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Renaturierung zwischen Liessow und Laage beginnt gleich im nächsten Jahr / Laager Stadtvertretung vergibt Auftrag

von
erstellt am 20.Dez.2014 | 16:00 Uhr

Ein idyllisches Flüsschen ist die Recknitz zwischen Liessow und Laage nicht. Das soll sich ändern. Gleich im nächsten Jahr wird auf diesem Abschnitt mit der Renaturierung begonnen. Die Laager Stadtvertreter vergaben jetzt den Auftrag. Eile ist geboten. 2,2 Millionen Euro Fördermittel von EU, Bund und Land liegen bereits seit Ende 2011 bereit. Im August 2015 muss abgerechnet werden.

Der Knackpunkt: Die Interessen des Naturschutzes stehen denen der Landwirte gegenüber. Um dem Fluss nach Begradigungen vor Jahrzehnten wieder einen schlängelnden, natürlichen Verlauf geben zu können und links und rechts für die Natur einen Korridor von landwirtschaftlicher Nutzung freizuhalten, werden 35 Hektar benötigt. Ein Bodenordnungsverfahren (BOV) wurde eingeleitet, um die Grundstücksfragen zu klären. Flächentausch oder Entschädigung – bei derzeitigen Bodenpreisen keine leichten Verhandlungen. Die, so hörten die Laager Stadtvertreter von Bürgermeisterin Ilka Lochner-Borst (CDU), seien auch noch nicht abgeschlossen, 35 Hektar nun aber zusammen. Außerdem habe manches in der Planung geändert werden müssen, um Kompromisse zu erzielen.


Was haben Stadt und Bürger davon?


Der nächste Knackpunkt: „Was hier läuft, ist nicht das, was wir uns unter einem BOV vorstellen“, betont Ronald Schäfer (Die Linke). Er frage sich, was die Stadt und ihre Bürger davon hätten. Wünschenswert sei ein neues Erleben der Recknitz auf diesem Abschnitt. Wasserwanderer-Rastplatz und Kanufahrten seien zwei Stichworte. Nichts davon fände sich im Projekt. Alles werde allein der EU-Wasserrahmenrichtlinie untergeordnet. Auch Bürgermeisterin Lochner-Borst gesteht, verkannt zu haben, dass es bei diesem BOV allein um die Renaturierung gehe. In der Tat: Es ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die ökologische Durchgängigkeit der Recknitz zu verbessern. 2007 wurde der Recknitz eine Güteklasse 4 zuerkannt. Eine Zwei muss es wenigstens werden.

Die Renaturierung kostet die Stadt übrigens nichts. Ihren Eigenanteil bringt sie über einen schon vor Jahren angelegten Ökofonds (200 000 Euro) beim Landkreis ein. (Nach Bauprojekten wurden Maßnahmen, die den Eingriff in die Natur ausgleichen sollen, nicht realisiert, sondern finanziell abgegolten.)


Der Ökofonds und der Liessower Damm


Knackpunkt Nr. 3: Auch das erweist sich nun als Problem. Denn tatsächlich gehört auch in dieses BOV ein Maßnahmeplan. Gern möchte man den Liessower Damm – er führt vom Dorf zur B 103 zwischen Weitendorf und Kronskamp – ausbauen. Die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis habe dem zugestimmt, informierte Lochner-Borst. Die Sache habe einen Haken. Beim Ausbau des Weges in wassergebundener Decke könne die Stadt ihre Eigenmittel aus dem Ökofonds nehmen. Der Liessower Damm würde dann allein Landwirten und Radfahrern zur Verfügung stehen. Das aber sei nicht jedermanns Ziel. Bei einem Ausbau als Betonspurbahn sei der Eingriff in die Natur zu groß, als dass ein Ökofonds dafür herhalten könne.


Fehler, Fragen und Zweifel


Und überhaupt: Den Fonds beim Landkreis anzulegen, war vielleicht ein Fehler gewesen, sinnierte Lochner-Borst. Sie vermisste Unterstützung von übergeordneten Behörden und beklagte, dass die Stadt mit der Renaturierung der Recknitz eine Aufgabe übernehme, die sie beim Land sehe.

Zuletzt gab es auch noch Zweifel, ob das Angebot wirklich seriös sei. Bei geschätzten Projektkosten von 1,2 Millionen Euro bekam letztendlich ein Angebot über gut 530 000 Euro den Zuschlag. Marion Hünecke, Bauverwaltung, und Planerin Kathrin Weidmann hatten alle Mühe die Zweifel zu zerstreuen. Es gelang ihnen.

 

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