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Abitur up Platt : Recknitz-Campus bietet „Plattinum“ an

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Eine Laager Schule startet im Schuljahr 2017/18 mit dem Abitur auf Plattdeutsch

Am Recknitz-Campus Laage soll künftig das Abitur up Platt abgelegt werden können. Die kooperative Gesamtschule gehört zu den sechs Schulen in MV, die dafür Mittel aus dem Landesprogramm „Meine Heimat – mein modernes Mecklenburg-Vorpommern“ bekommen. Im Schuljahr 2017/18 könnte es mit dem Plattdeutsch-Unterricht in Klasse 7 losgehen. Zuvor sind noch viele Hausaufgaben zu machen, betont die Projektverantwortliche am „RecknitzCampus“ Dörte Blank.

Dabei, so hat die Lehrerin für Deutsch und Kunst schnell bemerkt, birgt die Formulierung „Abitur auf Plattdeutsch“ Interpretationsspielraum. Es gehe nicht darum, seine Abiturprüfungen in plattdeutscher Sprache zu absolvieren, sondern darum, als 3. oder 2. Fremdsprache Platt zu lernen und dann das „Plattinum“ abzulegen. „Platt wird zum Abiturfach“, erklärt die Lehrerin, die es doch bemerkenswert findet, dass sich Menschen vorstellen können zum Beispiel bei der Matheprüfung Platt zu snacken. „Plattdeutsch wird heute nur noch von wenigen Menschen gesprochen. Wenn sie gehen, ist es weg, wenn es nicht weiterhin gepflegt und wie Latein wachgehalten wird“, denkt Dörte Blank. Sie sieht die Sprache auch als ein Mittel, um Identität zu stiften. „Wir möchten unsere Schüler mit einem reichen kulturellen Bewusstsein ausstatten“, versucht sie eine Erklärung. Niederdeutsch gehöre dazu.

Nach der Auswahl der sechs am Projekt teilnehmenden Schulen gehe es jetzt um die konkrete Planung. Dörte Blank sieht noch einen Berg von Arbeit vor sich. Zunächst müsse die Kultusministerkonferenz entscheiden, ob Platt als 3. oder gar als 2. Fremdsprache angeboten wird. Eine Prüfungsordnung müsse erarbeitet werden.

Und: Welches Platt soll gelehrt werden? Dörte Blank weiß um die feinen regionalen Unterschiede. Da gibt es das Rostocker Platt, das Wismarer Platt, das Hamburger Platt usw. Muss die Sprache vorher normiert werden? Vieles sei noch zu klären. „Es geht nicht um ein folkloristisches Niveau, sondern um Abi-Niveau“, betont Dörte Blank. Dabei seien die Fühler auch in andere Bundesländer, u.a. Hamburg und Schleswig-Holstein, auszustrecken. Dort sei man bei der Umsetzung einer EU-Richtlinie, die die Rettung bedrohter Sprachen zum Inhalt hat, schon ein Stück weiter. „Erst einmal wird ganz viel Kooperation stattfinden“, denkt Dörte Blank, für die das Niederdeutsche etwas Herzerwärmendes hat. Ihre Großeltern hatten wie selbstverständlich Platt gesprochen, auch die Eltern noch. „Sie sprachen das Wismarer Platt, das ich bis heute vom Rostocker und Doberaner Platt unterscheiden kann“, erzählt die Lehrerin. Sie könne Platt lesen und verstehen, aber bisher „nicht versiert genug reagieren“.

Das Land stellt für das Abitur auf Plattdeutsch an jeder der sechs ausgewählten Gymnasien und Gesamtschulen eine Lehrerstelle zusätzlich bereit. Geld gibt es auch für Unterrichtsmaterial usw.

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erstellt am 05.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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