Einwohnerversammlung : Quo vadis, Bärstämmweg?

 

 

Einwohnerversammlung zu Straßenzustand, Wohnungsabriss, Asylbewerber, Umgehungsstraße…

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07. August 2015, 06:00 Uhr

Zehn Jahre ist es her, dass Bürgermeister Arne Schuldt die Einwohner des Wohngebietes Bärstämmweg zu einer Versammlung einlud. Zehn Jahre, die das Quartier am östlichsten Rand der Barlachstadt sichtbar veränderten. Lebte hier damals mit 731 Einwohnern der Spitzenwert seit der Jahrtausendwende, so sind es aktuell nur noch 548. Die Demografie lässt sich auch hier nicht überlisten.

Sorge um Totalabriss Perspektive gewichen

Und doch möchte der Bürgermeister eine positive Entwicklung gesehen haben. „Vor zehn Jahren stand die Frage, wie es weitergeht mit diesem Wohngebiet. Es herrschten Sorge und Angst, dass es einen Totalrückbau geben könnte“, erinnert Schuldt. Heute könne man sagen, dass es weitergegangen sei, auch wenn zwei Blöcke mit zusammen 108 Wohnungen tatsächlich abgerissen wurden. Die Wohnungsgesellschaft (WGG) und die AWG hätten damals für eine Perspektive des Bärstämmweges eingestanden und dies mit Teil- und Vollmodernisierungen des Großteils ihrer Wohnungen dokumentiert. Freundliche Namensgebungen wie mit dem „Glockenberg“ trügen zu einem verbesserten Image bei. Heute stünden nur noch 7 Prozent der Wohnungen leer, vor zehn Jahren waren es noch 17 Prozent.

Und doch, vollends zufrieden sind die Bewohner keineswegs. Ein ewiges Thema ist zum Beispiel der Straßenzustand um das Gebiet Großer Kraul herum. Das nahm auch auf der Einwohnerversammlung im DRK-Ehrenamtszentrum im Heideweg viel Raum ein. Rainer Andreas etwa legte dar, es reiche nicht wenn zweimal im Jahr der Pflug kommt und schiebt. „Regelmäßig sind dort große Löcher“, berichtet der Anwohner – und demonstriert das anschaulich mit den Armen. Jane Weber vom Stadtentwicklungsamt erinnerte, dass die meisten Anlieger sich seinerzeit gegen einen grundhaften Ausbau der nur teilbefestigten Wege ausgesprochen hätten. „Das aber wäre die endgültige Lösung“, meint Weber. Der Knackpunkt dabei : eine 75-prozentige Beteiligung der Grundstückseigentümer an den Kosten. So bleibe die Stadt in Verantwortung für jährlich eine turnusmäßige Wartung. Sie gibt zu, dass die Stadt zuletzt mit der Arbeit der beauftragten Firma auch nicht zufrieden gewesen sei.

Wie in wohl jedem Stadtviertel auch immer wieder thematisiert: rasende Autofahrer. So erfreulich die Ansiedlung für die Perspektive des Viertels auch sei: Seit die Stadtwerke ihren Sitz am Hohen Rad ausgebaut haben, wären immer wieder Autos und Transporter auszumachen, deren Fahrer sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hielten, lautet ein wiederholter Vorwurf.

Ein anderes Thema: Wohnungen für Asylbewerber. Aktuell seien keine Zuweisungen für den Bärstämmweg angezeigt, erklären Jürgen Schmidt (WGG) und Marco Mischinger (AWG). Auf keinen Fall würde man Blöcke für diesen Zweck freiziehen, bekräftigt Schuldt. „Wir favorisieren dezentrale Unterbringung als bessere Form der Eingliederung“, sagen alle drei nahezu identsich. Ausschließen, dass auch im Bärstämmweg Kriegsflüchtlinge oder Asylbewerber ein vorübergehendes Zuhause bekommen können, mochten Schmidt und Mischinger jedoch nicht.

Schwerpunkt künftig auf Erscheinungsbild

Und auch einen endgültigen Stopp für den Abriss von Wohnhäusern konnten AWG und WGG nicht versprechen. Für zumindest die nächsten drei Jahre gibt Jürgen Schmidt jedoch Entwarnung. Schmidt: „Wir möchten, dass sich die gute Entwicklung fortsetzt und ich glaube auch daran.“ Die WGG wolle jetzt mehr Wert auf ein verbessertes äußeres Bild legen. Auch hier Gleichklang mit der AWG. „Wir sehen den Schwerpunkt jetzt in der Pflege. Deshalb auch haben wir im ehemaligen Getränkehandel einen Hauswartstützpunkt eingerichtet“, sagt Marco Mischinger. Rückbau sei derzeit nicht im Plan, weitere Modernisierungen allerdings ebenso nicht. Beide Unternehmen stimmen mit dem Bürgermeister überein, dass es vorteilhaft sei, wenn in einem Wohngebiet unterschiedliche Qualitäten angeboten werden können. Dies scheint im Bärstämmweg gegeben zu sein.

Dass diese Wohnqualität unter einer Umgehungsstraße leiden könnte, sorgt wiederum Rainer Andreas. Anlass zu der Frage geben ihm die Gedanken des Bürgermeisters von einer schrankenlosen Bahnquerung in Richtung Strenz. Das aber, so Schuldt, sei sehr kompliziert zu verhandeln. „Zurzeit ist das nicht zu beantworten.“

Hans-Peter Sugge gab dem Bürgermeister noch einen Wunsch auf den Weg: „Vielleicht sollten wir uns nicht erst wieder in zehn, sondern nach fünf Jahren treffen.“

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