Qualitzer Stroh wärmt Hauswände

Bei den Sanierungsarbeitenauf dem Gelände der Alten Brauerei in Schwerin werden die Strohballen aus Qualitz bereits als Dämmung eingesetzt.
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Bei den Sanierungsarbeitenauf dem Gelände der Alten Brauerei in Schwerin werden die Strohballen aus Qualitz bereits als Dämmung eingesetzt.

Landwirt Hubertus Schulz produziert natürliches Dämmmaterial, das für Sanierung der Alten Brauerei in Schwerin verwendet wird

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03. Dezember 2013, 11:33 Uhr

Rund 385 Hektar Land bewirtschaftet Dr. Hubertus Schulz. Der Landwirt aus Qualitz, einem Dorf zwischen Warin und Bützow im Norden des Naturparks Sternberger Seenland, baut unter anderem Raps, Weizen, Roggen, Zuckerrüben und Dinkel an. Mit seinem Stroh vorsorgte Schulz bisher vor allem Milchviehbetriebe. Doch nach und nach erschließt sich der findige Unternehmer jetzt einen neuen Wirtschaftszweig: Er liefert Stroh für die Dämmung von Häusern. So sind Ballen aus Qualitz schon bei den umfangreichen Sanierungsarbeiten auf dem Gelände der Alten Brauerei in Schwerin eingesetzt worden.

„Ich bin vom Architekten angesprochen worden und fand die Idee sofort spannend“, sagt Hubertus Schulz. Als Dämmmaterial würden kleine Strohballen benötigt, die heute eigentlich nicht mehr üblich seien, er könne das gewünschte Format aber herstellen, so der Landwirt. 36 mal 49 mal 85 Zentimeter groß und etwa 16 Kilogramm schwer seien die Ballen, die auf dem Bau verwendet würden. Für die Dämmung eigne sich besonders gut das Roggenstroh, weil es die größte Stabilität habe, erklärt Schulz.

Mit einem neun Meter großen Schüttler-Mähdrescher holt der Qualitzer das Material für seine Ballen vom Acker. Später wird das Stroh in die richtige Form gepresst. „Ein Ballen muss wie der andere sein“, erklärt Hubertus Schulz. Die gleichmäßige Qualität sei für die Weiterverarbeitung auf dem Bau das A und O. Deshalb müsse auch sichergestellt werden, dass das Stroh mit den Jahren nicht verfalle und sich die Dämmung auflöse, so der Landwirt, der konventionell arbeitet. Hubertus Schulz könnte sich vorstellen, mit seinem Baustroh auch überregional tätig zu werden, steht schon in Kontakt mit einem entsprechenden Zertifizierungsbüro im niedersächsischen Verden. „Baustroh ist eine sehr interessante Nische. Die Nachfrage nach dem Dämmmaterial ist vorhanden“, erklärt er. Für das Bauprojekt Alte Brauerei in Schwerin hat der Qualitzer bereits 5000 Ballen gepresst.

Ulrich Bunnemann von der Schweriner Schelfbauhütte schwört auf das Stroh aus Qualitz. Der Architekt und Investor plant auf der 35 000 Quadratmeter großen Industriebrache an der Knaudtstraße in der Landeshauptstadt 140 Wohneinheiten, außerdem Gastronomie und Büroräume. Im ehemaligen Bürotrakt am Eingang der Knaudtstraße entstehen zunächst eine Hausarzt-Praxis und vier Wohnungen – die Wände gedämmt mit den Ballen von Hubertus Schulz.

„Stroh ist der ideale Dämmstoff für Mecklenburg-Vorpommern“, betont Bunnemann. Es falle als Abfallprodukt in der Landwirtschaft an, sei einfach zu verbauen und habe fast so gute Dämmeigenschaften wie das üblicherweise verwendete Kunststoffmaterial. Nach Angaben von Bunnemann könnte in Schwerin bald das höchste Stroh gedämmte Gebäude Deutschlands stehen. Die Sanierungsarbeiten auf dem Gelände der Alten Brauerei sollen nämlich am ehemaligen Siloturm weitergehen. Auch für die Dämmung dieses sechsgeschossigen, etwa 20 Meter hohen Gebäudes sollen Strohballen aus Qualitz verwendet werden, kündigt der Architekt und Investor an.

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