Güstrow : Putzaktion für Stolpersteine

In der Baustraße brachten Joshua, Lewin, Bjarne, Julius, Benjamin und Philipp die sechs Steine auf Hochglanz.
In der Baustraße brachten Joshua, Lewin, Bjarne, Julius, Benjamin und Philipp die sechs Steine auf Hochglanz.

Jugendliche der Freien Schule bereiten auf Jüdische Tage in Güstrow vor

23-11367760_23-66109652_1416395934.JPG von
01. November 2017, 21:00 Uhr

Gestern Nachmittag an vier Stellen im Güstrower Stadtgebiet: Jugendliche hocken und knien auf Wegen oder setzen sich auf eine nahe Stufe. Ausgerüstet mit Putzlappen und Bürsten, Wasser und Pflegemittel, schrubben und wienern sie „Stolpersteine“. Der immer wieder tröpfelnde Regen stört sie nicht, da wird die Kapuze halt noch ein bisschen tiefer gezogen. Die Mädchen und Jungen aus der 7. und 8. Klasse der Freien Schule putzen die Messingplatten, mit denen jeweils einem von den Nationalsozialisten deportierten Menschen aus der jüdischen Gemeinde in Güstrow gedacht wird.

Zweimal im Jahr, seit 2012, pflegen ihre Schüler die kleinen Gedenktafeln zu ebener Erde, berichtet Peggy Tetzlaff. Zuvor erzählt die Deutsch- und Geschichtslehrerin ihren Schützlingen über die jüdischen Mitmenschen in Güstrow und über ihr „Verschwinden“ bis 1942. Erst seit kurzer Zeit, weiß die Lehrerin den Schülern zu erzählen, lebe wieder eine kleine Gemeinschaft jüdischer Menschen unter uns in der Barlachstadt – Flüchtlinge aus Kriegsgebieten in der Ukraine.

Anschließend machten sich die 17 Schüler – jeder meldete für die Pflege eines Steines – in die Baustraße, in die Domstraße, Hansenstraße und Krönchenhagen auf zu den Orten, wo die Deportierten gelebt haben. Nur einer, so erfahren sie, habe das Vernichtungslager überlebt.

Der Künstler Günter Demnig hat in verschiedenen Städten in Deutschland seine „Stolpersteine“ im Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Weitere in Güstrow sollen nach Abschluss der umfangreichen Sanierung am Haus Domstraße 14 für die Güstrower Bürger Max und Margarete Marcus folgen, die durch die Repressalien im Jahr 1939 gezwungen wurden, nach Palästina auszuwandern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen