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Zapfenernte : Prunkstück: 256 Jahre alte Kiefer

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Im Forstrevier Kirch Rosin läuft gegenwärtig die Zapfenernte auf Hochtouren. Die „Güstrower Kiefer“ hat einen guten Ruf in der Branche.

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erstellt am 04.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Während die Landwirte bis zum Winter alle Ernte eingebracht haben müssen, sind die Monate November bis Ende März die richtige Zeit für die Gewinnung von Kiefern-Saatgut. Berufsschüler, Auszubildende und Mitarbeiter des Forstamtes sind in diesen Tagen dabei, die kleinen Zapfen zu pflücken. Geerntet wird in diesem Jahr im Revier Kirch Rosin I.

Zur Vorbereitung des Einsatzes besah sich Revierförster Sven Schmiedeberg mit dem Fernglas die Kiefernkronen im zwischen Klueß und der Baumschule Güstrow gelegenen Waldteil Neuer Devinkel. In dem zirka sechs Hektar großen Gebiet markierte er 35 Kiefern, die gefällt wurden. Schmiedeberg wählte die Bäume aus, bei denen ein guter Ertrag zu erwarten war, aber er nutzte die Aktion auch, um dem Boden optimale Lichtverhältnisse zu verschaffen. „Spiel mit dem Licht“, sagt er dazu und muss darauf achten, dass der Waldboden nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Helligkeit abbekommt.

Die Ernte der Kiefernzapfen erfolgt am liegenden Stamm. „Theoretisch wäre auch denkbar, die Bäume stehen zu lassen und zu ernten. Das ist aber nicht ungefährlich, viel zu teuer und uneffektiv“, weiß Thomas Langer vom Forstamt. Üblich ist diese Ernteart bei Douglasien, Tannen oder Fichten. Eine dritte Möglichkeit schließlich besteht in der natürlichen Verjüngung des Bestandes, wenn der von den Bäumen fallende Samen an Ort und Stelle Sämlinge bildet.

Aber auch am liegenden Stamm ist die Ernte mühsam. Lange dauert es, bis die Eimer der Helfer gefüllt sind. „In der vergangenen Woche hatten wir Verstärkung durch Berufsschüler. In der Beruflichen Schule in Güstrow-Bockhorst gibt es eine Landesklasse, in der künftige Forstwirte unterrichtet werden. Bestandteil der Ausbildung ist jedes Jahr eine Saatgut-Exkursion mit einem praktischen Tag, an dem Kiefernzapfen gesammelt werden“, weiß Langer.

Knapp 300 Kilo Saatgut erwartet das Forstamt Güstrow für dieses Jahr. „Die Zapfen gehen an die Samendarre Jatznick, werden dort weiter aufbereitet und können bis zu 20 Jahren gelagert werden“, erzählt Langer. In der Regel übernehmen Baumschulen die Aufzucht der Sämlinge und stellen sie den Forstämtern für die Aufforstung zur Verfügung. Auch zwischen der Landesforst MV und der Baumschule Güstrow besteht eine solche Vereinbarung, die die Bereitstellung von einer Million Kiefernsämlingen beinhaltet. Als Saatgut eingesetzt wird dabei auch die „Güstrower Kiefer“, eine anerkannte und zertifizierte Sorte mit einem guten Ruf. „Die Bäume zeichnen sich durch einen kräftigen und geradschaftigen Wuchs aus“, versichert Thomas Langer. Allerdings gedeiht die „Güstrower Kiefer“ besonders gut im Nordostdeutschen Tiefland. Im Süden werden andere regionale Sorten bevorzugt.

„Wenn wir Bäume schlagen und Bestände wieder aufforsten, müssen wir immer die nächsten Generationen im Blick haben“, sagt Revierförster Schmiedeberg. Zirka 80 bis 90 Jahre dauert es, bis eine Kiefer für die Verarbeitung geschlagen werden kann. In Schmiedebergs Revier stehen deutlich ältere Exemplare. Den Rekord hält eine Solitärkiefer, die nachweislich 256 Jahre alt ist. „So eine Kiefer ist schon etwas Besonderes, auch wenn sie für die Saatgutgewinnung nicht infrage kommt“, erklärt der Revierförster.

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