zur Navigation springen

Größte Investition des Jahres: : Prüzen soll Gemeinschaftshaus kriegen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gemeinde will früheres Kita-Gebäude im Kapellenweg sanieren und zu Multifunktionsgebäude umbauen / Anwohner klagen über Feier-Lärm und wildes Parken

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2015 | 05:00 Uhr

Seit dem Auszug des Kindergartens dümpelt das Gemeindehaus im Kapellenweg in Prüzen meist still und unscheinbar vor sich hin. Nur wenn die Gemeindevertreter dort tagen wie Donnerstagabend oder bei Feiern kommt Leben ins Haus. Und dies manchmal mehr, als den Anwohnern lieb ist, ist wie auf der Sitzung zu vernehmen war.

Doch soll die Zeit der nur sporadischen Nutzung des leerstehenden Gebäudes bald vorbei sein. Denn was im letzten Jahr wegen fehlender Eigenmittel nicht klappte, soll nun 2015 über die Bühne gehen: „Wir wollen das Ge- bäude zu einem Multifunktionshaus umbauen, das für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt wird“, kündigte Bürgermeister Karl-Heinz Kissmann an. Es soll dort weiterhin Platz für Gemeinderatssitzungen, für das Gemeindebüro, für Veranstaltungen von Vereinen oder private Feiern von Einwohnern sein, aber es sollen auch ein Raum für Arztsprechstunden und ein „Glaubensraum“ für die Kirchgemeinde entstehen. „Dafür aber muss das Gebäude vom Keller bis zum Dach saniert werden“, so der Bürgermeister.

Als Gesamtkosten für den Umbau sei mit 345 000 Euro zu rechnen, so Kissmann. Damit wäre das Projekt in diesem Jahr das größte Investitionsvorhaben in der Gemeinde Prüzen-Gülzow.

Die Gemeindevertreter warten nun auf die Fördermittel aus dem Leader-Programm, denn ohne diese geht es nicht, betont der Bürgermeister. An Eigenmitteln muss die Gemeinde 160 000 Euro für das Projekt aufbringen. Doch das wäre ihr das Ganze wert, so Kissmann. „Denn Prüzen braucht auch so ein schönes Gemeinschaftshaus wie wir es in Gülzow mit der Mehrzweckhalle haben“, sagt er.

Die Projektunterlagen und die Förderanträge seien in Schwerin. „Wir hoffen auf positive Resonanz aus den Ministerien“, sagt der Bürgermeister. Natürlich werde dann auch die Heizung im Hause mit saniert und es soll ein Parkplatz hinter dem Haus geschaffen werden, kündigt er an. Und spricht damit Probleme an, die die Anwohner des Kapellenweges besonders bewegen.

So waren vier Bewohnerinnen der kleinen Straße zur Sitzung gekommen, um ihrem Unmut Luft zu machen. „Immer, wenn Veranstaltungen sind, ist in der Straße alles zugeparkt. Sogar vor unserer Einfahrt parken die Leute, so dass wir nicht von unserem Hof runter kommen“, ärgert sich eine Anwohnerin. „Wenn die Autos hier in dem schmalen Weg in Schlange parken, kommt zu uns hinten keine Feuerwehr und kein Rettungswagen durch“, fürchtet eine weitere Anwohnerin. „So geht das einfach nicht“, meint sie. Hinzu komme im Sommer bei Feiern in dem Gebäude „eine große Lärmbelästigung durch laute Musik und nächtliches Hupen“, klagt ihre Nachbarin. „Das geht manchmal bis zwei, drei Uhr morgens.“ Sie komme nicht zur Ruhe, müsse aber schon um vier Uhr aufstehen, sagt die Anwohnerin. „Wenn das Gebäude dann erst saniert und schön ist, wird es noch mehr zum Feiern genutzt. Und dann wird das mit dem Lärm noch schlimmer“, fürchtet sie. Und überhaupt hätte die Gemeinde die Bürger rechtzeitig über den geplanten Umbau des Hauses informieren und den Bürgern die Möglichkeit zur Mitsprache geben können, finden die Anwohner. „Wenn die Planungen da sind, wird es dazu natürlich eine Einwohnerversammlung geben“, so Karl-Heinz Kissmann. Das sei dann aber doch zu spät, um Einfluss nehmen zu können, fanden die Anwohner.

„Der Bürgermeister hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um auch in Prüzen so ein schönes Gemeinschaftshaus zu kriegen wie in Gülzow. Ich habe Verständnis für so manches Argument der Anwohner. Aber ich bin sehr verwundert darüber, dass es so auf Widerspruch trifft“, meinte Jens Blümel.

„Wir haben erkannt, um was es geht“, beteuerte Bürgermeister Kissmann. Auf jeden Fall komme bei der Sanierung ein Parkplatz hinters Haus, versprach er. Dann müssen die Fahrzeuge nicht mehr in der Straße parken.

Doch wie sollen denn die Autofahrer überhaupt auf diesen Parkplatz kommen? fragen sich die Anwohner. Hat doch die Gemeinde seinerzeit zusammen mit der Kapelle die einzige Zufahrt zu dieser Fläche an privat verkauft. „Das Haus wird etwas gekürzt. Es werden an der rechten Seite zwei ungenutzte Räume abgerissen, so dass die Zufahrt dann dort erfolgen kann“, so Karl-Heinz Kissmann gestern auf SVZ-Nachfrage.

Gelöst werde auch das Heizungsproblem, verspricht er. Bisher gibt es in dem Gebäude eine reine Holzheizung. Durch den Rauch daraus fühlen sich die Anwohner stark belästigt.

Das Problem mit der Lärmbelästigung werde man versuchen, durch die Einführung einer Hausordnung einzudämmen, griff der Bürgermeister eine Idee seines Stellvertreters Jens Blümel auf. Wann mit dem Umbau losgelegt werden kann, hängt nun davon ab, wann die Fördermittel eintrudeln. Daran, dass sie kommen, zweifelt Karl-Heinz Kissmann nicht. Schließlich war die Förderung im letzten Jahr schon einmal zugesagt worden. Doch konnte die Gemeinde dies damals nicht nutzen, weil sie nicht genug Eigenmittel hatten. Dafür ist nun gesorgt.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen