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Prozess : Prügelnden Ehemann auf Bewährung verurteilt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gerichtsreport: Mit Holzscheit zugeschlagen / Gericht hat keinen Zweifel an Täterschaft eines Güstrowers

Acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen vorsätzlicher Körperverletzung lautete gestern das Urteil der Berufungskammer des Rostocker Landgerichts gegen den 56-jährigen Maschinenbaumeister und Experten für Antikhandel Thomas M. aus Güstrow. Die Staatsanwaltschaft Rostock hatte ihn beschuldigt, seine Ehefrau Cornelia S. (49) am 13. Februar 2013 mit einem Holzscheit geschlagen zu haben. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Seit 24 Jahren lebt das Paar zusammen, ab 2012 als Eheleute. Ihnen gehört ein schönes Haus in Güstrow. Im Frühjahr 2013 zog Cornelia S. wegen einer heftigen Attacke gegen sie aus dem gemeinsamen Haus aus. Auf Anraten ihrer Kollegin Katrin B. erstattete sie eine Anzeige wegen Körperverletzung gegen ihren Mann und legte Fotos der Verletzungen vor. Sie sei von ihrem Mann wie eine Sklavin behandelt worden, gab sie weinend zu Protokoll. Thomas M. schickte fleißig SMS an seine Ehefrau, bedrohte sie, und wurde sogar bei ihrem Arbeitgeber vorstellig. Seine Frau hätte seit Jahren ein Alkoholproblem, behauptete er, und bezichtigte sie und Katrin B. des Diebstahls von Patientengeldern und der Veruntreuung von Medikamenten.

Das Amtsgericht Güstrow verurteilte ihn am 6. Januar 2014 wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Gegen dieses Urteil legte er Berufung ein. Und so stand er jetzt ein zweites Mal vor Gericht. „‚Ich habe meine Frau nicht geschlagen“, sagte er auch vor der Berufungskammer. Seine Frau hätte an dem Tag wieder viel getrunken und wollte nicht ins Bett gehen, obwohl sie schon um 4 Uhr wieder aufstehen musste. Sie sei immer wieder auf der Treppe erschienen und hätte sich jedes Mal rückwärts auf die Stufen fallen lassen, wenn er sie wieder in die Schlafstube zurück bringen wollte.

Diese Version schilderte auch Cornelia S. Ihr Aussageverweigerungsrecht, das ihr als Ehefrau des Angeklagten zusteht, nahm sie nicht in Anspruch, obwohl der Vorsitzende Richter sie ausdrücklich ermahnte, dass sie als Zeugin die Wahrheit sagen müsste. „Nein, geschlagen hat er mich nicht“, sagte sie und nahm ihre Anzeige vom 16. Juli 2013 zurück.


Um Tisch gescheucht und geschlagen


„Meine Kollegin hat mir erzählt, dass sie von ihrem Mann verprügelt worden ist. Er hätte sie um den Tisch gescheucht und sie mit einem Holzscheit geschlagen“, berichtete hingegen Katrin B. als Zeugin. „Wir haben Fotos von den Verletzungen gemacht und ich bin mit ihr zur Polizei gegangen.“ Später hätte ihre Kollegin ihr in einem Brief mitgeteilt: „Ich kehre zu ihm zurück. Ich hoffe, dass wir Freundinnen bleiben.“ Der Kontakt zu ihr sei inzwischen abgebrochen. „Mir wurde gekündigt. Ich vermute immer noch, dass die falschen Anschuldigungen des Angeklagten gegen mich die Ursache dafür waren.“

Wie schon im Güstrower Prozess blieb der medizinische Sachverständige in Rostock dabei, dass die Verletzungen der Ehefrau nicht von einer Treppe stammen, sondern von einem Holzscheit oder einem Knüppel. „Wir haben keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten“, sagte der Vorsitzende Richter. Anders als im Güstrower Urteil wird der Angeklagte jetzt unter die Obhut eines Bewährungshelfers gestellt und muss 100 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten. Außerdem muss Cornelia S. wegen wahrheitswidriger Aussagen im Zeugenstand mit einer Anklage rechnen.





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