Flüchtlinge : Prognose für Landkreis: 2700 Flüchtlinge

Sebastian Constien (SPD)
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Sebastian Constien (SPD)

Landkreis sucht fieberhaft nach Unterkünften / Erstbezug in Weitendorf / Leere Wohnungen in Diekhof/Pölitz

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04. September 2015, 05:25 Uhr

Ein Schreiben des Bürgermeisters fanden die Diekhofer gestern in ihren Briefkästen. Darin schreibt er über die steigende Zahl von Flüchtlingen, die nach Westeuropa streben, und informiert, dass auch die Gemeinde Diekhof künftig ihren Anteil dafür leisten wird, diese Menschen unterzubringen. 25 leer stehende Wohnungen in den gemeindeeigenen Blöcken in Diekhof und Pölitz stelle man zur Verfügung, informiert Rolf Matschinsky. Diekhofs Bürgermeister kündigt eine Einwohnerversammlung zu gegebenem Zeitpunkt an und ist bis dahin für alle Fragen, die man an ihn persönlich richten möchte, offen.


Aktuell 1578 Flüchtlinge und Asylbewerber

Händeringend sucht der Landkreis nach Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber und Flüchtlinge. Erst zuletzt musste im Bereich der Berufsschule in Bad Doberan eine Notunterkunft eingerichtet werden (SVZ berichtete). „Eine Dauerlösung ist das nicht“, sagt Landrat Sebastian Constien und verweist auf laufende Gespräche. In Gülzow und Wilhelminenhof habe der Landkreis weitere Wohnungen angemietet. Anmietungen im dezentralen Bereich seien im Amtsbereich Laage (Weitendorf) und in Teterow in unmittelbarer Vorbereitung, informiert der Landrat. Auch an der Schaffung weiterer zentraler Unterbringungsmöglichkeiten arbeite der Landkreis.

Gegenwärtig sind im Landkreis Rostock 1578 Asylbewerber und Flüchtlinge untergebracht, 415 davon in Gemeinschaftsunterkünften in Güstrow, Bad Doberan und Jördenstorf. 1104 Männer, Frauen und Kinder sind dezentral untergebracht. Dazu hat der Landkreis gegenwärtig 270 Wohnungen gemietet, davon 91 allein in Güstrow, aber auch in Charlottenthal, Striesdorf und Krakow am See. Allein im August, so berichtet Constien, seien dem Landkreis rund 300 Personen zugewiesen worden. Eine gesonderte Rolle komme dabei aktuell den Flüchtlingen aus Syrien zu. Diese erhalten relativ schnell einen Aufenthaltstitel und würden damit grundsätzlich aus der Betreuung durch das Sozialamt des Landkreises herausfallen. Deshalb bräuchten diese Menschen nicht weniger Hilfe, insbesondere bei der Suche nach geeignetem Wohnraum. Das könnten weder die Flüchtlinge selbst noch das dann für sie zuständige Jobcenter bewerkstelligen. „Deshalb kümmern wir uns auch weiterhin um diese Manschen, obgleich sie in der Statistik nicht mehr auftauchen“, betont Constien. Um die Nachbetreuung würden sich die vom Land finanzierten Integrationslotsen kümmern.

War dem Landkreis zu Beginn des Jahres die Zuweisung von rund 800 Asylbewerbern und Flüchtlingen prognostiziert worden. So erhöhte sich die Zahl ständig, wurde zu Beginn des Sommers auf 1200 erhöht. Nach den Mitte August vom Innenministerium mitgeteilten Zahlen – 800 000 Asylbewerber und Flüchtlinge in ganz Deutschland – wurde die Prognose für den Landkreis Rostock zunächst auf deutlich über 2000 und aktuell auf rund 2700 nochmals angehoben.


Fieberhafte Suche nach weiteren Unterkünften


Aus einem inzwischen knappen Angebot muss der Landkreis geeignete Unterbringungsmöglichkeiten herausfiltern. Meist seien Renovierungsarbeiten notwendig. Eine Grundausstattung sei zu bestellen. Inzwischen müsse man mit langen Lieferzeiten rechnen. Deshalb sei es schwierig einen klaren Termin für einen Erstbezug festzulegen. Constien räumt ein, dass in diesem Prozess die Kommunikation auch mal stockt. Der Landkreis sei aber bemüht „zeitnah in Bürgerinformationsveranstaltungen Klarheit zu schaffen“. Constien verspricht an einer „Verbesserung von Information und Kommunikation zu arbeiten“. „Es geht darum ein möglichst breites Willkommensangebot zu organisieren“, betont Constien und bedankt sich ausdrücklich bei einer Vielzahl von örtlichen Initiativen und Bündnissen, die Asylbewerber und Flüchtlinge herzlich willkommen heißen. In der Diskussion, so räumt Constien ein, dürften berechtigte Fragen, Vorbehalte und Ängste nicht beiseite geschoben werden. „Fragen müssen erlaubt sein, ohne dass der Fragende zugleich stigmatisiert würde“, betont der Landrat und wirbt für ein „hohes Maß an gegenseitigem Verständnis und Toleranz“.

In Diekhof macht man sich auf den Weg eine Willkommenskultur zu entwickeln. „Wir haben in dieser Woche im Sozialausschuss beraten, was zu tun ist, um die Menschen hier möglichst schnell zu integrieren, sie nicht allein zu lassen“, berichtet Bürgermeister Matschinsky und kündigt Gespräche mit der Schule, der Kindertagesstätte und der Kirchengemeinde an.

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