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Suchtberatung : Problem: stille Trinker am Abend

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Peter Englert berät einen Tag in der Woche in Laage bei Sucht- und Drogenproblemen und berichtet über seine Erfahrungen.

von
erstellt am 31.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Am Vormittag hat Peter Englert (56) jemanden ins Krankenhaus gebracht – zur Entgiftung. Noch auf dem Weg seien dem Mann Zweifel gekommen. Gemeinsam habe man sie ausgeräumt. Peter Englert ist immer am Dienstag in Laage und steht in der Breesener Straße 1 bereit, um Sucht- und Drogenabhängige und ihre Angehörigen zu beraten. Seit sieben Jahren betreut der Suchttherapeut die Beratungsstelle des Sozialwerkes der EFG Malchin-Teterow in der Recknitzstadt.

Oft bekommt er zu hören, dass es die Entscheidung jedes einzelnen sei, ob er trinkt oder Drogen nimmt, ob er davon wegkommen will oder nicht. „Aber ich kann doch nicht mit ansehen, wie jemand kaputtgeht“, sagt Englert und denkt an den Mann, den er zur Entgiftung brachte. Wer tief in der Sucht stecke, sei zu Entscheidungen nicht mehr fähig. Sicher kann er sich auch nicht sein, dass dieser Mann den Absprung schafft. „Ich habe in Teterow jemanden, der seit 38 Jahren trocken ist“, berichtet der Therapeut. Viele aber würden rückfällig werden. „Aber, wenn sie es eine Zeit lang schaffen, sind das gewonnene Jahre“, denkt Englert.

Insgesamt sieht Englert die Beratungsstelle in Laage gut angenommen. Aber er wisse, dass es da draußen noch viele gibt, die sich nicht trauen, sich schämen oder nicht die Kraft aufbringen, sich helfen zu lassen. Dabei sieht Englert nicht die am Kiosk als größtes Problem. „Es sind die Leute, die zu Hause vor dem Fernseher sitzen, die zur Arbeit gehen und keiner denkt, dass sie Probleme haben“, meint der Suchttherapeut. Meist sei es nur der Partner, der Bescheid weiß. Es fange mit einem Bier an und steigere sich kontinuierlich. Englert: „Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen mit Restalkohol im Blut morgens zur Arbeit fahren.“ Er kann die Angehörigen nur ermuntern, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Zum Teil geschehe das auch bereits. Wer sich nicht traut, in die Breesner Straße zu kommen, kann auch einen Hausbesuch vereinbaren.

Nach wie vor, so Englert, sei der Alkohol das größte Problem. Er sei überall und zu jeder Zeit verfügbar. Und konsumiert werde er von immer jüngeren Menschen mit fatalen Folgen – körperlich und psychisch. Betroffen seien aber alle Altersgruppen, vermehrt auch Frauen. Dabei wisse er nicht, ob die Sucht bei den Frauen zunehme oder ob sie nur schneller bereit sind sich helfen zu lassen. Drogenabhängige kämen nur wenige in die Beratungsstelle. Bei jungen Leuten sei das Problem oft gleich so massiv, dass sie in psychiatrischen Einrichtungen untergebracht werden müssten.

Wer seinen Führerschein wegen Alkohol am Steuer abgeben musste, kann sich in Vorbereitung auf die MPU ebenfalls in der Beratungsstelle melden. Man sollte vorbereitet zu einer solchen Untersuchung gehen, meint Englert, schließlich werde man dort auch gefragt, was man in der Zwischenzeit gegen sein Alkoholproblem getan habe.

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