Güstrow : (Problem-)Schule am Inselsee

Wehren sich gegen den schlechten Ruf der Schule am Inselsee: die neue Schulleiterin Caren Mahn (r.) und ihre neue Stellvertreterin Ulrike Laube.
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Wehren sich gegen den schlechten Ruf der Schule am Inselsee: die neue Schulleiterin Caren Mahn (r.) und ihre neue Stellvertreterin Ulrike Laube. Fotos: Jens Griesbach

Die neue Schulleiterin wehrt sich gegen die Abwertung als „Assi-Schule“. Der hohe Ausländeranteil schreckt offensichtlich viele Eltern ab.

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10. Mai 2017, 05:00 Uhr

Die Schule am Inselsee in der Güstrower Südstadt kämpft gegen ihren schlechten Ruf. „Unsere Schüler werden als Assis beschimpft“, beklagt die neue Schulleiterin Caren Mahn. „Und wir alle als Assi-Schule.“ Sie wisse nicht, wo dieser schlechte Ruf herkomme. „Wir haben tolle Lehrer, tolle Projekte und tolle Räumlichkeiten.“ Mahn hatte offiziell im März, gemeinsam mit ihrer ebenfalls neuen Stellvertreterin Ulrike Laube, die Leitung der Inselseeschule übernommen, nachdem die alte Schulleitung – offiziell aus Gesundheitsgründen – die Verantwortung abgegeben hatte. Bei der Diskussion mit den Mitgliedern des Kulturausschusses Montagabend wurde erstmals offen angesprochen, warum der Schule so ein „schlechter Ruf“ nachgesagt wird: Offensichtlich wollen immer mehr Eltern ihre Kinder wegen des hohen Ausländeranteils nicht auf die Regionalschule mit Grundschule am Inselsee schicken.

Knapp 110 Schüler mit Migrationshintergrund

„Ich kenne einen jungen Vater, der nicht am Pfahlweg bauen wollte, weil er Angst hatte, dass sein Sohn in der Inselseeschule eingeschult wird“, merkte der Kulturausschussvorsitzende Hans-Georg Kleinschmidt an und verdeutlichte damit die allgemeine Problemlage. Für Schulleiterin Mahn unfassbar. Fakt ist: Von den zurzeit 600 Schülern haben knapp 110 einen Migrationshintergrund. Innerhalb Güstrows werden Flüchtlingskinder vorrangig der Inselseeschule zugewiesen, weil hier zwei Integrationsklassen sowie im Gegensatz zu anderen Schulen auch noch freie Kapazitäten vorhanden sind. Aktuell ist die Schule für 719 Schüler ausgelegt. Caren Mahn fordert jedoch einen neuen Verteilungsschlüssel, um  Schüler, die die Integrationsklasse durchlaufen haben, gleichmäßiger auf die Güstrower Schulen zu verteilen. In einigen Klassen seien bereits bis zu sechs Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch sei. Das stelle ein Problem dar.

Schulleiterin Mahn verschweigt auch nicht, dass es Schwierigkeiten aufgrund des relativ hohen Ausländeranteils an der Schule gebe. Die Sprachbarriere sei eine teilweise unüberwindbare Hürde. Dolmetscher würden fehlen, wenn es dringenden Klärungsbedarf mit den Eltern gebe. „Damals mit den russischen Zuzüglern ging es noch, aber bei arabisch haben wir keine Chance“, muss Mahn zugeben. „Zudem ist das Regel- und Normenverständnis unseres Schulsystems vielen ausländischen Schülern unbekannt. Einige haben zuvor in ihren Herkunftsländern keine Schule besucht.“ Ärger habe es in jüngster Vergangenheit konkret mit drei ausländischen Schülern gegeben, einer hätte der Schule verwiesen werden müssen.

„Unsere Schule ist besser als ihr Ruf“

„Aber das sind nur drei von 100“, sagt die Schulleiterin. Es gebe auch positive Beispiele. So spreche eine persische Schülern bereits nach einem Jahr in Deutschland sehr gut deutsch und habe gute Chancen in Klasse 10 versetzt zu werden. „Zudem haben wir nicht nur ausländische Schüler die schwierig sind“, sagt Mahn. Für sie steht fest: „Unsere Schule ist besser als ihr Ruf.“ Und auch Kulturausschussmitglied Sabine Moritz pflichtet ihr da bei: „Die Schule macht eine tolle Arbeit.“

Unterdessen investiert die Stadt Güstrow in die weitere Aufwertung des Schulstandortes in der Südstadt. Ende Mai soll die aufwendige und 800 000 Euro teure Erneuerung des Schulhofes beendet sein, informiert Jane Weber vom Stadtentwicklungsamt. „Wir haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich in die Schule investiert“, sagt sie.  

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