Feriencamp : Prächtige Stimmung in Feriencamp

Emila Honsic, Gabriela Keller, Alileca Kahawari und Amjad Bayazid (v.l.) beim Grillen, das bei einem Feriencamp nicht fehlen darf.
Foto:
Emila Honsic, Gabriela Keller, Alileca Kahawari und Amjad Bayazid (v.l.) beim Grillen, das bei einem Feriencamp nicht fehlen darf.

Partnerstadtverein und Awo bereiten Jugendlichen aus Güstrows Partnerstädten in Jugendherberge Schabernack schöne Ferientage.

svz.de von
23. August 2016, 21:00 Uhr

Montagabend in der Jugendherberge Schabernack: Alles ist im Feriencamp mit Jugendlichen aus den Güstrower Partnerstädten Gryfice/Polen (Greifenberg) und Kronshagen sowie aus der Gastgeberstadt fürs Grillen hergerichtet. Es herrscht prächtige Stimmung. Am Grill stehen nebeneinander mit Schaschlyk-Spießen in der Hand der Syrer Amjad Bayazid (15), der Afghane Alileca Kahwari (17), beide aus Kronshagen, die Deutsche Emila Honsic (13) aus Güstrow und die Polin Gabriela Keller (14) aus Gryfice. Alle haben Hunger und sehr gute Laune.

Seit Sonnabend sind die Zwölf- bis 17-Jährigen in Güstrow. „Die Anreise klappte problemlos. In Gryfice ließ es sich Bürgermeister Andrzej Szczygieł nicht nehmen, die Jugendlichen in die Ferientage nach Güstrow zu verabschieden“, freute sich Peter Schmidt, Vorsitzender des Partnerstadtvereins, über einen gelungenen Auftakt. Der Verein ist mit der Awo und mit Unterstützung der Ehrenamtsstiftung und der Ostseesparkasse Rostock der Ideengeber und Organisator des Camps. „Wir dürfen und wollen die Jugendlichen nicht vergessen, besonders unter den gegenwärtigen problematischen Bedingungen, wenn es um gelebte Städtepartnerschaft geht. Außerdem sollen diese Jugendlichen die nächsten sein, die in einem starken Europa agieren“, unterstreicht Schmidt die Wichtigkeit solcher Treffen.

Dass die Organisatoren den Nerv der Jugendlichen getroffen haben, zeigten schon die ersten Tage. Der Sonnabend klang nach dem Einchecken in der Herberge mit ersten „Schnupperstunden“ am Inselseestrand aus. Peter Schmidt: „Mit Dolmetscher, in Deutsch und vor allem in Englisch gab es von der ersten Minute an überhaupt keine Berührungsängste.“ Am Sonntag ging es nach Warnemünde. Bei einer Hafenrundfahrt und einem Stadtbummel verging die Zeit viel zu schnell. Zum Tagesausklang lud die Awo-Küche zum Abendbrot ein.

Am Montag ging es in den Wildpark. Amjad Bayazid war vor allem von Fred und Frode, dem Güstrower Bären-Paar, begeistert. Der 15-Jährige lebt seit einem Jahr mit Eltern und Geschwistern in Kronshagen. Er besucht die 8. Klasse. In Deutschland fühle er sich sehr wohl, betont er, verfolge aber mit großer Sorge den Fortgang des Krieges in seinem Heimatland. Umso mehr freue er sich, dass er sich in dem Güstrower Camp erholen darf. Das erzählt er in sehr gutem Deutsch. Aber auch in Englisch kann er sich gut verständigen.

Das gilt auch für Alileca Kahwari. Der 17-Jährige kam vor acht Monaten aus Kabul nach Kronshagen. Er muss dort allein zurechtkommen, ist aber von einer deutschen Familie aufgenommen worden. „Ich habe meine Mutter und meine Schwester in der Türkei oder in Griechenland verloren. Das ging alles so schnell. Ich kann es nicht weiter erklären“, erzählt er ohne Stocken in Deutsch. Damit hat ihn das Schicksal ein zweites Mal getroffen, denn als er sechs Jahre alt war, wurde sein Vater erschossen. Die Familie zog daraufhin in den Iran und lebte dort zehn Jahre. Alileca geht in Kronshagen in die 9. Klasse und hat den Status der Duldung.


Bürgermeister empfing Jugendliche im Rathaus


Das und viel mehr möchte Emila Honsic von ihren Alterskameraden erfahren. „Ich möchte während des Camps mit allen viel Spaß haben und ich möchte wissen, wie sie leben und was sie bewegt“, sagt die Schülerin, die in die 8 e des Brinckmangymnasiums geht. Gabriela Keller sieht das genauso. Sie durfte nach Güstrow fahren, weil sie in Deutsch die Klassenbeste ist. „Für mich ist das eine Auszeichnung und ich revanchiere mich, indem ich meine Deutschkenntnisse in Güstrow verbessern werde“, bekräftigt die junge Polin.

Dazu wird sie bis Sonnabend noch viel Zeit haben. Gestern fuhren die Jugendlichen nach Schwerin, besuchten den Landtag und das Schloss. Der heutige Tag soll am Inselsee verlebt werden, es ist ja Sommerwetter vorausgesagt. Morgen wird ein Wunsch der Jugendlichen erfüllt. Peter Schmidt: „Einen Tag hatten wir im Wochenprogramm freigehalten. Über den sollten die Jugendlichen entscheiden. Das Ergebnis war für mich klar: Alle wollen nach Berlin. Die meisten waren auch noch nicht dort. Den Wunsch erfüllen wir ihnen natürlich.“ Es geht zum Brandenburger Tor, in den Dom und zum Shoppen. Das Regierungsviertel sollen sie vom Schiff aus bei einer Spree-Fahrt sehen. Am Freitag geht es in die „Oase“ und zum Bummeln in die Stadt.

Dort waren sie auch schon am Montagnachmittag. Peter Schmidt: „Ich habe mich gefreut, dass Bürgermeister Arne Schuldt die Jugendlichen im Rathaus zu einer Kaffee-Runde und zu einem zwanglosen Frage-Antwort-Gespräch eingeladen hat. Das unterstreicht für mich die Bedeutung, die die Stadtverwaltung der Städtepartnerschaft beimisst.“

Am Sonnabend fahren alle wieder nach Hause. Der Partnerstadtverein kann sich vorstellen, solch ein Feriencamp für Jugendliche aus den Güstrower Partnerstädten, dann vielleicht auch mit Jugendlichen aus Neuwied und Ribe (Dänemark), die in dieser Woche keine Ferien mehr hatten, zu wiederholen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen