zur Navigation springen

Ausbildung in der Forst : Platz für Frauen in Männerwelt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Im Forstamt Güstrow absolvieren drei Mädchen eine Ausbildung zum Forstwirt

von
erstellt am 24.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Sechs Auszubildende in drei Lehrjahren und einen Jahres-Praktikanten hat Bernd Hagemann unter seinen Fittichen. In dieser Woche, in der auch Berufsschulen Ferien haben, reparieren sie Hochstände oder bauen diese neu. Der Lehrmeister des Forstamtes Güstrow hat es dabei nicht nur mit jungen Männern zu tun. Ihre Ausbildung absolvieren auch drei Frauen im Güstrower Forstamt: Sabrina Spieckermann (3. Lehrjahr) und Annemarie Benedix (2. Lehrjahr) sowie Shirley Hanauer (1. Lehrjahr).

„Das kommt so oft nicht vor“, sagt Bernd Hagemann. Die Regel seien ein oder zwei weibliche Auszubildende im Forstamt. Er beobachte aber insgesamt in Mecklenburg-Vorpommern ein wachsendes Interesse der Mädchen an der Forstwirtschaft. „Ich zähle zurzeit neun Mädchen, die in der Landesforst lernen“, berichtet er. Dennoch bleibt der Forstarbeiter für den Lehrmeister ein Männerberuf. „Die tägliche Arbeit im Wald ist eher nichts für Frauen. Irgendwann wird es zu schwer“, denkt Bernd Hagemann. Als Förster aber kann er sich Frauen sehr wohl vorstellen. „Dann ist es auch das beste, vor dem Studium den Beruf zu erlernen. Das jedenfalls würde ich jedem empfehlen“, betont er.


Ziel: Studium der Forstwirtschaft


Diesen Gedanken haben sich Sabrina Spieckermann und Annemarie Benedix zu eigen gemacht. Sabrina Spieckermann (22) aus Pinnow bei Schwerin sieht sich halbwegs von Hause aus vorbelastet. Die Familie habe Haus, Hof und ein kleines Waldstück. „Da wurde immer selbst Holz gemacht“, erzählt sie. Sie habe nach dem Abitur ein freiwilliges ökologisches Jahr in einem Forstamt absolviert und sich dann für die Ausbildung entschieden. Im nächsten Jahr will sie ein Studium anschließen.

Annemarie Benedix (17) aus der Nähe von Waren/Müritz erzählt von ihrem Vater, der Jäger sei, und einem Bekannten der Familie, der in der Forst tätig ist. „Dort habe ich ein Praktikum gemacht und wusste: Das ist es“, berichtet sie. Mit Realschulabschluss müsse sie vor dem Studium allerdings noch ein Fachabitur machen. Dazu sei sie fest entschlossen.

Beide Frauen erzählen, dass sie ihre Entscheidung bisher keinen Tag bereut hätten. „Mir hat auch noch keiner gesagt, dass irgendetwas nun ein Kerl besser gemacht hätte als ich“, sagt Sabrina Spieckermann und sieht sich damit einigermaßen akzeptiert. „Bei der praktischen Arbeit im Wald wird man auch mal richtig gefordert und das ist gut so“, fügt Annemarie Benedix hinzu. Die Arbeit an frischer Luft macht beiden Spaß. „Ich bin seither viel seltener krank“, stellt Sabrina Spieckermann fest. In entsprechender Arbeitskleidung könne man auch im Wald jedem Wetter trotzen. „Ich fand Wald schon als Kind schön“, gesteht die 22-Jährige. Wald, das sei für sie ein Gefühl von Heimat und Ruhe. Im Herbst bei Nebel käme auch ein bisschen Mystik hinzu.Zum Träumen aber ist gerade wenig Zeit.


Mäuse zählen und Schmuckreisig ernten


Im Forstrevier Kirch Rosin bauen die Auszubildenden einen neuen Hochstand. Auch im Forstschutz, so berichtet Lehrmeister Bernd Hagemann, werden sie in diesen Wochen eingesetzt. So seien beispielsweise junge Baumspitzen so zu behandeln, dass sie dem Wild nicht mehr schmecken. Auch auf Mäusejagd gehe man im Herbst. Auf Aufforstungsflächen mit viel Gras würden sich die kleinen Plagegeister sehr wohl fühlen. „Wir stellen Fallen auf“, erklärt Bernd Hagemann. Dann werde hochgerechnet, wie viele Mäuse sich auf einer bestimmten Fläche tummeln. „Sind es zu viele, müssen wir reagieren“, erklärt der Lehrmeister. Eingesetzt werden die Auszubildenden auch beim Schneiden von Schmuckreisig und als Helfer bei den Jagden.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen