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Güstrower Anzeiger

20. November 2017 | 07:06 Uhr

Platt-Fan träumt vom eigenen Buch

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

20 Fragen an Wolfgang Hohmann / Der gebürtige Güstrower lädt seit 2011 zur „Zepeliner Plattdütsch-Runn“ nach Oettelin ein

Ein Leben ohne die niederdeutsche Sprache kann sich Wolfgang Hohmann nicht vorstellen. „Ich bin damit großgeworden“, erzählt der 64-Jährige. Dem gebürtigen Güstrower liegt besonders am Herzen, „etwas dafür zu tun, dass Plattdeutsch nicht nur auf ,Schenkelklopfen’ und Kneipenbelustigung reduziert wird, wozu diese Sprache, zugegebener Weise auch sehr gut geeignet ist.“ Der zweifache Familienvater und Opa einer Enkeltochter möchte, dass die Sprache erhalten und weitergegeben wird. So beteiligte er sich bereits an der „Sprakschaul“ mit Heinz Hornburg, führt diese nach Hornburgs Erkrankung dann seit 2011 als „Zepeliner Plattdütsch-Runn“ weiter. Der Oetteliner, legte an der „John Brinckman“-Oberschule Güstrow seine Abitur ab, absolvierte verschiedene Ingenieur-Studiengänge u.a. der Luftfahrttechnik und Elektromechanik und schulte nach der Wende zum Betriebswirt um. Bis 2012 war er u.a. als technischer Fachberater, Bauleiter und im Vertrieb Landtechnik tätig. Heute ist er Rentner.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Zuhause auf unserer Terrasse.

Was würden Sie als Bürgermeister in ihrem Wohnort sofort verändern?
Ich würde den einen oder anderen Einwohner bitten, die letzten noch vorhandenen unschönen Ecken zu beseitigen und vor allem den Kontakt zur Kirchgemeinde suchen, damit der zentral gelegene Friedhof mit seiner historischen Kapelle ganzjährig gepflegt wird.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Oft beim Werkeln auf dem Grundstück und im Garten, sonst am Schreibtisch bei der Vorbereitung und alle 14 Tage ab 18.30 Uhr in unserem Gemeindezentrum mit der Zepeliner Plattdütsch Runn.
Womit haben Sie ihr erstes Geld verdient?
Zuerst habe ich Altstoffe gesammelt und abgeliefert, später als Aushilfe in einem Landwirtschaftsbetrieb und dann als Kraftfahrer gearbeitet.
Wofür haben Sie es ausgegeben?
Für ein neues Fahrrad und für Urlaubsfahrten.
Was würden Sie gerne können?
Ich habe es leider versäumt, in jungen Jahren ein Instrument spielen zu lernen.
Was stört Sie an anderen?
Intoleranz, ewig gestrige Neonazi-Phrasen und Fundamentalismus aller Schattierungen.

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Über den Rhabarber-Barbara- Clip auf Youtube.

Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Zuviel gegessen und mich zu wenig bewegt.

Wer ist Ihr persönlicher Held?
Meine persönlichen Helden sind Menschen, die ohne viel Aufsehen für andere da sind und sich selber nicht so furchtbar wichtig nehmen. Ansonsten habe ich grundsätzlich ein gespaltenes Verhältnis zu jeder Art Heldenverehrung, weil der Grat zwischen Heldentum und menschenfeindlichem Fanatismus oft sehr schmal ist.

Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich lese momentan in den fünf Bänden des plattdeutschen Nachlasses von Rudolf Hartmann.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Das Nordmagazin und Dokumentationen über Natur, Land und Leute.

Wo trifft man sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?
Weder noch. Für Karneval bin ich zu sehr Mecklenburger und Fußball war noch nie mein Sport.
Wen würden Sie gern mal treffen?
Ich würde gerne einmal mit Yared Dibaba platt schnacken, am liebsten gemeinsam mit den Freunden der Zepeliner Plattdütsch Runn. Der Schauspieler hat eine Weltreise gemacht zu den Orten, wo Auswanderer leben und noch Platt sprechen. Von seinen Erlebnissen würden wir gerne mehr erfahren.

Wenn Sie selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Im Wesentlichen deutsche Gericht, aber ich lasse mich gern durch internationale Einflüsse zu Experimenten anregen.

Mit welchem Lied verbinden Sie ihre schönste Erinnerung?
Simon & Garfunkel „El Condor Pasa” und Kurt Nolze mit dem plattdeutschen „Dat du min Leevsten büst“.

An welches Geschenk erinnern Sie sich noch besonders gerne und von wem haben Sie es bekommen?
1964 habe ich zu meinem Geburtstag von einem sehr guten Freund meiner Eltern eine antiquarische siebenbändige Ausgabe der Werke Fritz Reuters geschenkt bekommen.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Ich möchte gern irgendwann einige meiner plattdeutschen Arbeiten als Buch veröffentlichen.

Wie gestalten Sie ihre Freizeit als Rentner?
Da Rentner niemals Zeit haben ist Planung alles. Gemeinsam mit meiner Frau, den Kindern und guten Freunden werden Ideen gesammelt, die Umsetzung gut geplant und gründlich vorbereitet. Dabei ist es ganz wichtig, gemeinsam Schwerpunkte zu setzen und sich nicht zu verzetteln.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Jochen und Bärbel Niemann aus Oettelin, die mit ihren Söhnen altes dörfliches Handwerk mit den Mitteln und Möglichkeiten unserer Zeit im traditionsreichen Familienbetrieb „Schmiede und Bauschlosserei Niemann“ weiterführen und sich aktiv im Dorf einbringen.


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