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Krakow am See : Pharmazierat sucht alte Schlagmühle

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Pharmazierat Paul Dahms entwickelte zu DDR-Zeiten eine Schlagmühle, mit der Substanzen für die Apotheke sehr fein gemahlen werden konnten. Zwei Prototypen wurden gebaut, einer ist verschwunden und wird nun gesucht.

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erstellt am 19.Jan.2012 | 07:05 Uhr

Krakow am See | Pharmazierat Paul Dahms aus Krakow am See entwickelte zu DDR-Zeiten eine Schlagmühle, mit der Substanzen, die der Apotheker braucht, sehr fein gemahlen werden konnten. Es entstanden zwei Prototypen, die kleine "Apogette 1" und die größere "Apogette 2". Erstere befindet sich im Krakower Stadtarchiv. Von der größeren Mühle fehlt dagegen jede Spur. "Sie war an das Pharmazeutische Zentrum Güstrow verliehen", erinnert sich Paul Dahms. Doch Anfang der 1990er-Jahre verliert sich die Spur. Gern würde der Krakower die Mühle zu ihrer "kleinen Schwester" ins Stadtarchiv geben und sucht nun danach.

Bisher kann nur die "Apogette 1" im Stadtarchiv Auskunft über ein Stück Pharmaziegeschichte, die im Luftkurort Paul Dahms geschrieben wurde, geben. Der heute 80-Jährige erzählt: Zwei Wochen nach dem Erhalt seiner Approbation für Apotheker übernahm Paul Dahms Mitte September 1959 die Leitung der Staatlichen Rats-Apotheke am Markt 4. "Man sagte mir damals, ich sei der 21. Interessent. Nur wenige wollten in eine Apotheke im ländlichen Bereich", erinnert sich Paul Dahms. 1961 zog die Apotheke in die Lange Straße 14 um. Bis 1991 leitete Paul Dahms die Rats-Apotheke und führte sie bis 1997 als Eigentümer fort.

Schwingmühle genügte den Ansprüchen nicht

Die Sache mit der "Apogette" stammt aus der Zeit, als Dahms 17 Jahre lang als ehrenamtlicher Revisor im damaligen Bezirk Schwerin unterwegs war. "Ich musste unter anderem Proben von Arzneizubereitungen nehmen und in einem Labor überprüfen lassen. Dabei fiel mir ein Problem auf, das die Apotheken republikweit beschäftigte: Die Teilchen in den Arzneien waren oft zu groß", berichtete er. Damals wurden sehr viele Arzneien an Ort und Stelle in den Apotheken zubereitet. Die Bestandteile mussten sehr fein gemahlen werden, um beispielsweise bei Augensalben oder -tropfen keine Reibungen zu verursachen. Paul Dahms, der das Problem in einer wissenschaftlichen Arbeit benannt hatte, erhielt vom Institut für Apothekenwesen der DDR den Auftrag, die so genannten Labor-Schwingmühlen auf ihre Verwendung in der Praxis zu untersuchen. Nach zwei Jahren intensiver Prüfung in seiner Apotheke stand für Paul Dahms fest: Die Mühlen erfüllen die Anforderungen nur unzureichend. Die Apotheken waren nicht in der Lage, die hohen Anforderungen an die Substanzen mit den zur Verfügung stehenden technischen Geräten zu erfüllen. So griff Paul Dahms seine Idee, eine solche Mühle selbst zu konstruieren, wieder auf.

An das Gerät stellte er folgende Anforderungen: minimaler Bedienaufwand, zuverlässiger Dauerbetrieb, höchste technische Sicherheit, Vermeidung von Feinstaub-Belästigung bei Betrieb und Reinigung, minimale Verluste am eingesetzten Material. Dahms konstruierte eine kleinere Mühle für Einwaagen bis zu 50 Gramm und eine größere für bis zu 250 Gramm. In Anlehnung an damalige Haushaltsgeräte mit dem Wortteil "gette" nannte er seine Geräte mit einem Hinweis auf ihren Einsatzort "Apogette" 1 und 2.

Krakower Maschinenbauer half

Für den Bau der Mühlen konnte Paul Dahms den Krakower Maschinenbauer und Kfz-Meister Erwin Frase gewinnen. "Aber die Beschaffung des Materials war in der DDR nicht so einfach und ungemein zeitaufwendig. Für die Apogette 1’ setzten wir schließlich einen Staubsauger-, für die Apogette 2’ einen Wasserpumpenmotor ein", erinnert sich Dahms. Nach monatelanger intensiver Arbeit stellte sich der Erfolg ein. Die "Apogette 1" wurde in der Fritz-Reuter-Apotheke Rostock, die "Apogette 2" im Pharmazeutischen Zentrum Leipzig erfolgreich getestet und die Serienproduktion empfohlen. Sogar ein Einsatz in anderen sozialistischen Ländern wurde erwogen.

Anmeldung als Patent zurückgezogen

Paul Dahms meldete beide Geräte beim Deutschen Patentamt Berlin an. Die technischen Zeichnungen für die Patentanmeldung und für die Serienproduktion fertigte der Krakower Ingenieur für Landtechnik, Günther Utecht, an. Doch trotz aller Bemühungen fand sich kein Hersteller. "Weil keine Aussicht auf eine Serienproduktion bestand und auch aus Kostengründen nahm ich schließlich mein Patent zurück", sagt Paul Dahms.

Der Prototyp der "Apogette 1" leistete ihm noch viele Jahre Dienste in der Krakower Rats-Apotheke, die "Apogette 2" wurde an das Pharmazeutische Zentrum Güstrow verliehen und kam in der Wende offenbar abhanden. "Vielleicht entdeckt jemand das Gerät auf einem Boden oder in einem Abstellraum und meldet sich", hofft Paul Dahms.

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