Güstrow : Pflegedienste gehen auf die Straße

<strong>Teilnehmer am Runden Tisch</strong> Pflege bereiten die Demonstration in Güstrow vor. Sie soll am 30. Juli um 14 Uhr auf dem Marktplatz beginnen.<foto>christian menzel</foto>
Teilnehmer am Runden Tisch Pflege bereiten die Demonstration in Güstrow vor. Sie soll am 30. Juli um 14 Uhr auf dem Marktplatz beginnen.christian menzel

Die Wut der Pflegedienste über ein neues Vergütungssystem, das am 1. August in Kraft treten soll, hat Güstrow erreicht. Montag wollen die Mitarbeiter von Pflegediensten aus Güstrow und Umgebung auf die Straße gehen.

svz.de von
25. Juli 2012, 07:09 Uhr

Güstrow | Die Wut der Pflegedienste über ein neues Vergütungssystem, das am 1. August in Kraft treten soll, hat Güstrow erreicht. Montag wollen die Mitarbeiter von Pflegediensten aus Güstrow und Umgebung auf die Straße gehen. Es wäre die 15. Demo dieser Berufsgruppe in Mecklenburg-Vorpommern. Geplant ist, den Marktplatz mit Fahrzeugen zuzustellen. "Wir erwarten so zwischen 80 bis 100 Pkw", sagt Günter Pringal vom Pflegedienst Elke Pringal. Gegen 14 Uhr gehe die Demo los. Ab ca. 15 Uhr laufe ein Autokorso durch die Stadt. Der Abschluss, so Pringal, sei gegen 16 Uhr vor der AOK in der Speicherstraße geplant.

Die Fahrzeuge sind ein Punkt, um den es bei der Auseinandersetzung auch geht. So sind bei den ambulanten Pflegediensten die Kraftstoffkosten um 20 bis 25 Prozent gestiegen, bei Diensten, die in den ländlichen Bereich fahren, sogar bis zu 45 Prozent. "Seit drei Jahren haben wir keine höhere Vergütungsvereinbarung bekommen, die Verhandlungen dazu sind gescheitert", resümiert Heike Müller vom Pflegedienst gleichen Namens. "Stattdessen haben uns AOK, BKK und IKK Verträge angeboten, bei denen die Vergütungen für unsere Leistungen bis zu 15 Prozent gesenkt werden. Das können wir nicht akzeptieren", sagt Heike Müller.

Zudem seien die Pflegedienste bestrebt, ihr Fachpersonal in Mecklenburg-Vorpommern zu halten und Sondervergütungen weiterzugeben. Dass das ohnehin schwer ist, zeigen die Abwanderungsquoten. In manchen Bundesländern lägen die Verdienste in der Branche um 35 bis über 50 Prozent höher, weil die Kassen dort zu einer höheren Vergütung bei häuslichen Pflegeleistungen stünden. Deshalb erbost die Pflegedienste hier besonders die Aufforderung im Schiedsspruch, in stärkerem Maße Pflegehilfskräfte einzusetzen. "Die Politik verweist gern auf das Gesundheitsland M-V. Dazu passt nicht, dass Abstriche in der Qualität der Pflege gemacht werden sollen", so Heike Müller, die bei der Auseinandersetzung mit den Kassen auch auf politischen Beistand zählt. Und es sei auch so, dass gerade der Medizinische Dienst der Krankenkassen fordere, dass bestimmte Leistungen nur durch Pflegefachkräfte zu erbringen seien.

Die Vertreter der Pflegedienste aus Güstrow und Umgebung wollen ihr Vorgehen koordinieren. "Das ist ein Ergebnis unseres gemeinsamen Handelns. Wir, das sind die Vertreter der Wohlfahrtsverbände und der privaten Pflegedienste, haben vor sechs Wochen einen Runden Tisch gegründet und sitzen nun seit Jahren wieder zusammen, um uns gegen das Diktat der Kassen zu wehren", gewinnt Müller der Situation Positives ab. In Güstrow gibt es zwölf Pflegedienste, davon sieben private, mit um die 250 Mitarbeiter.

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