Krakow am See : Pflege-Skandal erhitzt die Gemüter

Der Landkreis will die Pflege-Einrichtung im Krakower Möwenweg wegen schwerer Mängel schließen.
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Der Landkreis will die Pflege-Einrichtung im Krakower Möwenweg wegen schwerer Mängel schließen.

Harsche Kritik an „Elisa“-Betreiberin und Landkreis – mehrheitlich wird schnelle Schließung gefordert / Landkreis will Angehörigen Chance zum Reagieren geben

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21. Juni 2016, 08:00 Uhr

Trotz wiederholter Aufforderungen seitens des Landkreises Rostock, hat die Betreiberin des „Elisa“-Pflegedienstes ihre Pflege-Einrichtung im Möwenweg in Krakow am See immer noch nicht geschlossen – die endgültige Frist zur Schließung endet am 1. Juli (SVZ berichtete). Es ist die inzwischen dritte Frist.

Die scheinbare Hinhaltetaktik der Betreiberin stößt bei den SVZ-Lesern auf harsche Kritik, aber auch der Landkreis kommt dabei nicht gut weg. So fragt der Güstrower Harald Keller in einem Leserbrief an unsere Redaktion: „Was sind das für Verhältnisse im Landkreis Rostock? Kann, will oder darf die Kreisverwaltung hier nicht handeln?“ Zudem bezweifle der SVZ-Leser, dass das verhängte Zwangsgeld in Höhe von inzwischen 35 500 Euro bezahlt werde, wenn in der Einrichtung keine Einnahmen mehr zu erwarten sind. „Waren die anderen Fristen also nur Spaß“, fragt sich Keller zudem.

Auch im sozialen Netzwerk Facebook wird das Vorgehen heiß diskutiert. So übt Marco Drenckhan Kritik am Landkreis Rostock. „Hier zeigt der Landkreis sein wahres Gesicht. Es geht dem Landkreis nur um Bußgelder und nicht um die Bewohner. Oder ist es doch nicht so schlimm“, fragt er.

Für Jessi Ca erscheint das Zwangsgeld in Höhe von 35 500 Euro indes zu gering. Sie fordert: „Das müssten 350 500 Euro sein, das die Betreiberin es mal merkt. Jetzt hat sie wieder zwei Wochen Zeit und ruht sich darauf aus.“ Außerdem fügt die Facebook-Nutzerin hinzu: „Warum reagiert man dort nicht mit einer Zwangsräumung bzw. Schließung? Ich frage mich immer wieder worauf man wartet.“ Eine Schließung der Pflegeeinrichtung hält auch Dana Nürnberg für die einzige Lösung. „Unglaublich warum geht so was. Sofort schließen. Das gibt’s doch nicht so was.“

Monique Kewitsch fragt sich indes, warum nach wie vor pflegebedürftige Menschen in der Einrichtung in Krakow am See untergebracht sind und appelliert an die Angehörigen: „Ich frage mich: was sind das für Angehörige, die ihre pflegebedürftigen Verwandten dort nach all den Enthüllungen immer noch betreuen lasse? Das wäre das aller erste, was ich getan hätte!“

Auch Susi Jerke, die offensichtlich im Pflegebereich tätig ist, zeigt sich über die Zustände entrüstet. „Das darf doch wohl nicht wahr sein. Die, die zu uns kamen, hatten weder Wäsche noch einen Personalausweis“, berichtet sie.

Mit dem 1. Juli setzte die Heimaufsicht des Landkreises nun eine letzte Frist zur Schließung. „Es sind jetzt noch elf Tage Zeit, so dass die Angehörigen der letzten Bewohner eine neue Betreuungseinrichtung finden können“, begründet Landkreissprecher Michael Fengler die Entscheidung.

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