Güstrow : Pastor wird neuer Ehrenbürger Güstrows

Hat unermüdlich die Schicksale der Güstrower Juden recherchiert: Folker Hachtmann.
Hat unermüdlich die Schicksale der Güstrower Juden recherchiert: Folker Hachtmann.

Stadt würdigt 84-jährigen Folker Hachtmann für die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte der Barlachstadt.

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08. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Die Stadt Güstrow will erneut die Ehrenbürgerwürde verleihen. Der 84-jährige Pastor a.D. Folker Hachtmann soll der bislang 18. Ehrenbürger der Barlachstadt werden. Das haben Donnerstagabend die Stadtvertreter mit großer Mehrheit beschlossen. Bürgermeister Arne Schuldt hatte Hachtmann im Vorfeld gefragt und sein Einverständnis für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde eingeholt. „Ich nehme die Ehrung an“, erklärte Folker Hachtmann auch gestern gegenüber unserer Zeitung.

Vorgeschlagen wurde Hachtmann, der von 1986 bis 1998 Pastor der Güstrower Domgemeinde war, von den Güstrowern Peggy Tetzlaff, Lehrerin an der Freien Schule, sowie Christoff Röhm. Sie heben in ihrem Antrag zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde besonders Hachtmanns ehrenamtliches Engagement bei der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte Güstrows hervor. „Er stellte sich der Aufgabe, die Erinnerung an die jüdischen Bürger, die bis zum Jahre 1942 in Güstrow lebten, wachzuhalten“, heißt es. Hachtmann sei „ein großer Förderer und Freund des Ideals eines friedlichen Miteinanders von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen, Ansichten und Herkunft“.

Der heute 84-Jährige gründete in Güstrow den „Freundeskreis ehemaliges jüdisches Gemeindehaus“, der es schaffte das baufällige Haus im Krönchenhagen zu retten. Hachtmann hauchte dem Haus mit zahlreichen Veranstaltungen wieder neues Leben ein. Der Verein organisierte Gesprächsrunden mit Überlebenden des Holocaust und führte Exkursionen zum Thema durch. Auch die seit 30 Jahren gefeierte Andacht auf dem jüdischen Friedhof in der Neukruger Straße zum Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November geht auf Hachtmann zurück. Vor allem aber stellte er den Kontakt zu dem bundesweit tätigen Künstler Günter Demnig her, der in Güstrow „Stolpersteine“ vor den ehemaligen Wohnhäusern der deportierten jüdischen Mitbürger verlegte. „Die Stolpersteine zeigen den Güstrowern konkret und direkt, dass der nationalsozialistische Terror auch in unserer Region stattgefunden hat“, sagt Peggy Tetzlaff, die mit Schülern der Freien Schule Güstrow die Stolpersteine regelmäßig reinigt.

Die Jüdische Gemeinde Rostock würdigt Hachtmann zudem „als Botschafter und Mittler für den christlich-jüdischen Dialog“. „Er hat sich vor allem auch darum verdient gemacht, diesen Gedanken an die junge Generation weiterzugeben“, sagt Juri Rosov, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Rostock, die die Ehrenbürgerwürde für Folker Hachtmann unterstützt.

Der in Berlin geborene Hachtmann lebt seit 1983 mit seiner Frau Eva in Güstrow. Als damaliger Pastor der Domgemeinde war er maßgeblich an der Gründung des evangelischen Kindergartens „Regenbogen“ im Pfahlweg beteiligt. Folker Hachtmann hat fünf Kinder, 16 Enkelkinder und bereits elf Urenkel.

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