SVZ-Sommertour : Parum schafft klare Tatsachen

Die SVZ-Leser am  Herzstück der Kläranlage, den vier Rundbecken mit biologischer Belebungs- und Nachklärungsstufe. Täglich werden sechs bis acht Millionen Liter Abwasser gesäubert. Die Kläranlage Parum wurde vor 16 Jahren für rund sieben Millionen Euro saniert.  Fotos: hans-jürgen kowalzik (2)
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Die SVZ-Leser am Herzstück der Kläranlage, den vier Rundbecken mit biologischer Belebungs- und Nachklärungsstufe. Täglich werden sechs bis acht Millionen Liter Abwasser gesäubert. Die Kläranlage Parum wurde vor 16 Jahren für rund sieben Millionen Euro saniert. Fotos: hans-jürgen kowalzik (2)

SVZ-Leser besuchten gestern Kläranlage. Sie säubert täglich zwischen sechs und acht Millionen Liter Abwasser.

Mit einer Entsorgungskapazität von 60 000 Einwohnergleichwerten – Einwohner und Industrie inbegriffen – befindet sich in Parum die zweitgrößte Kläranlage der Region Rostock/Güstrow. Sie war gestern die dritte Station während der SVZ-Sommertour. Geführt wurde sie von Eurawasser-Gebietsleiter Andreas Russ und von Olaf Behn, Meister im Bereich Kläranlagen. Betriebsführer der Anlage, die es seit 1968 gibt und die 2000 erneuert wurde, ist seit 2000 Eurawasser. Eigentümer ist die Abwasser Parum GmbH. Die hat zwei Gesellschafter: die Stadt Güstrow sowie den Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZ) Güstrow-Bützow-Sternberg. 90 Prozent der Abwässer kommen aus Güstrow, zehn aus 15 Gemeinden der WAZ-Region.


Methanol kurioseste Verschmutzung


Der Güstrower Hellmut Schilf erfuhr auf ein Frage, dass für Güstrow das Pumpwerk im Industriegelände und für das WAZ-Gebiet Pumpwerke in Boldebuck und Gülzow über Druckrohrleitungen das Abwasser nach Parum pumpen. Seit 1988 gibt es eine biologische Reinigungsstufe. Bis dahin erfolgte eine mechanische Vorreinigung. Nach der Wende wurden die wasserrechtlichen Anforderungen erhöht. Das hatte zur Folge, dass z.B. Phosphat gefiltert und der Schlamm entwässert werden mussten. „Wir passen den Stand der Technik immer den gesetzlichen Vorgaben an“, betonte Russ. Augenblicklich liege die Schadstoff-Abbauleistung der Anlage zwischen 95 und 98 Prozent, informierte Olaf Behn. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis“, kommentierte Andreas Russ. Für die restlichen Prozente gebe es noch keine Möglichkeiten, sie zu klären, so Russ. Die größten Sorgen bereiten medikamentöse Rückstände und Mikroplastik. Russ erwartet in 20 Jahren Lösungen.

Olaf Behn erklärte den SVZ-Lesern alle Stationen, die das Abwasser durchläuft, ehe es nach 2,5 Tagen geklärt in die Vorflut, die Nebel, eingeleitet wird. „Da haben wir eine besondere Verantwortung, weil die Nebel in die Warnow mündet und beide Flüsse Rostock mit Trinkwasser versorgen“, hob er hervor. Die Stationen sind das Rechen-Gebäude, der Sand- und Fettfang, die Rundbecken mit vier autarken Kläranlagen , die Probenentnahme und die Schlammentwässerung. Der erste Halt war am Pufferbecken. Das kommt zum Einsatz, wenn viel Abwasser anfällt. Es fasst 8000 Kubikmeter.

Im Rechen-Gebäude werden aus dem Abwasser die Fragmente entfernt, die die Grob-Rechen in den Pumpwerken durchlassen. Bohn: „Da war schon mal ein Gebiss dabei oder ein Hammer.“ Warum so was in die Toilette oder den Abwasserkanal geworfen wird, bleibt ihm zwar ein Rätsel, aber so sei die Realität, nimmt es der Meister von 41 Kläranlagen im Bereich Güstrow-Bützow zur Kenntnis. Die kurioseste Verschmutzung gab es vor zehn Jahren im Klärwerk Bützow. Dort roch es stark nach Schnaps. Verursacher war eine Spirituosenfabrik, die Methanol entsorgt hatte. Bohn: „Da feierten die Bakterien eine Sangria-Party.“ Ob das der Betrieb habe bezahlen müssen, wollten Willi Holst, Barbara Gröschel und Karsten Vick wissen. „Das war eine teure Angelegenheit, denn die Anlage musste gestoppt und wieder angefahren werden“, bestätigte Olaf Behn.

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