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Güstrower Anzeiger

23. Oktober 2017 | 15:42 Uhr

Debatte : Parkbank bleibt und wird neu

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Debatte endlich beendet / Weiterführende Beschlüsse: Suche nach Hilfe für betroffene Menschen, Gesamtsituation überdenken

von
erstellt am 13.Feb.2015 | 04:00 Uhr

Die Eingangssituation zum Pferdemarkt wird, vom Güstrower Bahnhof kommend, nicht verändert – oder vielleicht ja doch. Was die Stadtvertreter am Donnerstagabend beschlossen, konnte aber kein salomonisches Urteil sein: Die Bank kommt weg, oder sie bleibt, lautete die unausweichliche Frage, die Steffen Camenz schon vor Monaten auf die Tagesordnung setzte.

Der CDU-Mann hatte da sicher nicht geahnt, was er an Diskussionen auslösen würde mit seinem simplen Antrag, die Parkbank an einen anderen, weniger exponierten Standort zu versetzen. Regelmäßig von teilweise stark alkoholisierten Menschen belagert, die auf Passanten abschreckend wirken und teilweise Vorübergehende anpöbeln, sich schlichtweg nicht benehmen können – solch ein Ort dürfe kein Anlaufpunkt für solche Menschen sein, so die Intention des Antrags.

Die Diskussion gestern Abend drohte zunächst wieder zu zerfasern, ein Änderungsantrag jagte den nächsten. Und natürlich spielte der soziale Aspekt bei dieser Thematik – so oder so – wieder eine gewichtige Rolle. Wie etwa für Hartmut Reimann (SPD): „Wir sollten die Menschen nicht einfach an den Rand der Stadt wegschieben.“

Stadtpräsident Torsten Renz behielt die Übersicht, sortierte und ließ Punkt für Punkt abstimmen. Zunächst wurde ein Rundumschlag von Gerhard Jacob (Freie Wähler) in die Fachausschüsse verwiesen. Zu weit ging dessen Intention, gleich die gesamte Situation an der Mini-Kreuzung Pferdemarkt/Neue Wallstraße zu verschönern: „monströser Poller“ weg, Verbots- und Hinweisschilderwald lichten, Beton-Blumentonnen wegräumen, um die „Verbarrikadierung unserer Prachtstraße“ aufzulösen, um freien Blick und Zugang zum Pferdemarkt zu erreichen. Alles Dinge, die gründlicher durchdacht werden müssten und nun auch sollen, einschließlich zu klärender Finanzierungsfragen.

Den Ursprungsantrag lehnte die linke Phalanx (SDP, Die Linke, Grüne) dann ab. Kleines Bonmot: Sascha Zimmermann (Grüne/FDP) glaubte, für seine ganze Fraktion sprechen – und wurde von Thora Nacke eines Besseren belehrt. Ja, hätten die Grünen Partner mit ihrem FDP-Mann gestimmt, wäre die Bank wahrscheinlich heute schon weg.

Haben sie aber nicht, also griff ein weiterer Antrag, vorgetragen von Karen Larisch (Die Linke): Die Bank wird renoviert – und bleibt wo sie ist. Deutlich war nämlich in der Diskussion geworden, dass allein schon der Zustand der Bank selbst bedauernswert und ohnehin nicht einladend wäre. Doch Larischs Antrag beinhaltet einen zweiten Aspekt, einen, der die Menschen im Auge hat, die die Auslöser der Kontroverse sind. Der Sozialausschuss solle mit der Drogenberatung der Diakonie ins Gespräch kommen. Gemeinsam solle man einen besser geeigneten Platz finden, an dem die betreffenden Menschen verweilen können. Larisch verwies darauf, dass in den vergangenen Jahren die Hilfsangebote für solche Menschen Stück um Stück heruntergefahren wurden, „weil kein Geld dafür da ist“.

Es sei aber der erste Diskussionsansatz gewesen, wie jenen Menschen, die sich vielfach gar nicht helfen lassen wollen, dennoch geholfen werden könnte, lobte denn auch CDU-Fraktionschef Andreas Ohm und wollte noch einmal beteuern: Es gehe nicht um ein Abdrängen von Menschen aus der Gesellschaft, sondern um die Veränderung eines haltlosen, gesellschaftlich nicht akzeptierten Zustandes.

Die Zustimmung zu dieser Verfahrensweise schließlich war breit, wenn auch weniger als die Hälfte, und lief querbeet durch alle Fraktionen.

 

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