Diekhof : Pachterhöhung – Bauern in Rage

Hans-Jürgen Schlack und Marianne Hoffmann leiten die PG „Am Schmooksberg“.
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Hans-Jürgen Schlack und Marianne Hoffmann leiten die PG „Am Schmooksberg“.

Verzweiflung bei Landwirten der PG in Diekhof: BVVG-Forderung passt nicht in die Zeit schlechter Ernte und niedriger Preise

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14. August 2016, 20:00 Uhr

Der letzte Raps wurde am Wochenende gedroschen. Die Getreideernte ist abgeschlossen. Freude aber will in Diekhof dieses Jahr so gar nicht aufkommen. „Wenn wir von erheblichen Einbußen sprechen, ist das milde ausgedrückt“, sagt Hans-Jürgen Schlack, Vorstandsvorsitzender der Produktivgenossenschaft (PG) „Am Schmooksberg“. „Es ist die schlechteste Ernte seit 15 Jahren. Bei Raps 35 Prozent weniger – schlechter als zu DDR-Zeiten“, fügt Marianne Hoffmann, 2. Vorstandsvorsitzende, hinzu. Und damit nicht genug: Die Getreidepreise sind – wenn auch zuletzt minimal angestiegen – im Keller. Der Milchpreis ist seit Monaten ruinös für Milchbetriebe wie die PG „Am Schmooksberg“. Jetzt flattert auch noch ein Schreiben der BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, Dienstherr Finanzministerium) mit drastischen Pachterhöhungen – bei Ackerflächen um 20 Prozent, bei Grünland noch weit darüber – ins Haus. Die Diekhofer Bauern sind wütend.

„Wir empfinden es als dreist und unverschämt, in der Situation, in der sich die Landwirtschaft derzeit befindet, die Pachtpreise derart zu erhöhen“, betont Schlack und kann sich nicht recht erklären, wie die Diskussion um Hilfen für die gebeutelten Milchbauern (EU, Landwirtschaftsministerium) auf der einen Seite und Pachterhöhungen aus dem Finanzministerium zusammenpassen sollen. „Weiß hier wirklich einer vom anderen?“, fragt sich Schlack. Rund 20 Prozent der von der PG bewirtschafteten Felder und Wiesen sind BVVG-Flächen. Statt bisher 450 Euro sollen künftig 537 Euro je Hektar Ackerland fällig werden. „Und das bei 38er Böden“, fügt der PG-Vorstandsvorsitzende hinzu und schüttelt mit dem Kopf. Wirklich fruchtbar ist ein Acker in Mecklenburg ab 40/45 Bodenpunkten. Schlack sieht solche Politik als „Eingriff in die landwirtschaftlichen Strukturen, wie sie sich nach 1990 entwickelt haben“. Das treffe die Einzelbauern ebenso wie die Genossenschaften.

„Wir wollen die Milchviehwirtschaft erhalten – wollen und müssen“, betont Schlack. Die Milch aufgeben würde den Betrieb unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht retten. Die Diekhofer haben in die Stallanlage in Plaaz investiert. Schlack: „Nur das Notwendigste.“ In der Produktion koste ein Liter Milch 33 Cent. Das sei real und im Vergleich zu anderen Milchproduzenten akzeptabel, bei einem Milchpreis von 21 Cent und im vergangenen Monat 22 Cent aber eher eine Katastrophe. „Wir hängen an dieser Scholle, haben den Betrieb 2001 unter unsere Obhut genommen, um das Unternehmen nach vorn zu bringen. Bis 2015 ist das gut gelungen. Aber seit Januar 2015 fällt der Milchpreis“, sagt Schlack und bezieht Hoffmann mit ein.

Der Diekhofer Landwirt fordert politische Entscheidungen. Den Banken hätte man kräftig unter die Arme gegriffen. Seiner Meinung nach gehe es nicht an, dass „Lebensmittel verramscht werden“. Der Landwirt bekomme zu wenig für seine Produkte. Man habe in diesem Jahr sehr wenig, dafür aber Qualitätsweizen produziert. Die Qualität spiegele sich im Preis allerdings nicht wieder, klagt Schlack. Auch wenn sich der Weizenpreis „leicht seitwärts bewegt“, sich auf niedrigem Niveau befindet, aber nicht fällt, würden 30 Euro pro Tonne fehlen, so Schlack, der als weiteres Problemfeld das Russland-Embargo nennt: „Es sind irrsinnige Beschlüsse, die wir hier ausbaden müssen.“

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