Güstrow : Pacht steigt ums Zweieinhalbfache

Horst Arndt, Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde, und Siegfried Jahn, Vorsitzender der Gartenanlage „Seeblick IV“ diskutierten gestern über die von der Stadt angekündigte Erhöhung des Pachtzinses.
Horst Arndt, Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde, und Siegfried Jahn, Vorsitzender der Gartenanlage „Seeblick IV“ diskutierten gestern über die von der Stadt angekündigte Erhöhung des Pachtzinses.

Kleingärtner auf städtischen Flächen sollen 2016 statt 4,8 Cent 12,8 Cent pro Quadratmeter zahlen.

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03. November 2015, 08:00 Uhr

Helle Aufregung bei den Kleingärtnern: Die Stadt hat angekündigt, die Pacht im nächsten Jahr drastisch zu steigern. Statt bisher 4,8 Cent sollen die Gartenfreunde dann im Jahr 12,8 Cent pro Quadratmeter hinlegen. „Das ist eine Erhöhung um das Zweieinhalbfache. Das können wir überhaupt nicht verstehen“, schimpft Doris Bockentin. Die Situation rund um die Kleingärten sei ohnehin schon nicht einfach. Viele Parzellen wären verwaist. „In so einer Situation kann man doch nicht auch noch die Pacht erhöhen“, meint die Kleingärtnerin. Alles rechtens und im Rahmen, meint dagegen Güstrows stellvertretender Bürgermeister Andreas Brunotte.

Von einem Schock spricht Volker Knop, Geschäftsführer des Kreisverbandes der Gartenfreunde Güstrow. Sicher sei der Pachtzins lange Zeit konstant geblieben. Angesichts steigender Ackerpreise habe man irgendwann damit rechnen müssen. Allerdings nicht mit einer so drastischen Erhöhung, meint Knop. Orientierungsgrundlage sei der Pachtzins im gewerblichen Obst- und Gemüsenanbau. Über das Landwirtschaftsministerium seien die neuesten Zahlen für die Landkreise herausgegeben worden. „Grundeigentümer können maximal das Vierfache vom Pächter verlangen, aber natürlich auch darunter bleiben“, informiert der Geschäftsführer.

Darauf beruft sich auf SVZ-Nachfrage auch Brunotte. „Grund und Boden hat seinen Wert. Der drückt sich durch den Pachtzins aus“, betont der stellvertretende Bürgermeister. „Bei allem Respekt“ halte er die Forderung der Stadt für „verhältnismäßig und angemessen“. Man habe sich sowohl beim Landwirtschaftsministerium rückversichert als auch Vergleiche aus der Nachbarschaft herangezogen. Aus der Sicht von Brunotte ist die Erhöhung des Pachtzinses angemessen. Er rechnet vor, dass für 300 Quadratmeter Gartenland danach künftig eine Jahrespacht von 38,40 Euro fällig wäre. Das seien 3,20 Euro im Monat.

Gesprächstermin diese Woche im Rathaus

Wenn Kleingärtner den neuen Pachtzins für überzogen halten, mögen sie gewichtige Gründe gegen dieser Erhöhung vorbringen, so Brunotte. In dieser Woche will der Kreisverband der Gartenfreunde im Güstrower Rathaus vorstellig werden. Eine so drastische Pachterhöhung könne natürlich die Abwärtsspirale beschleunigen, befürchtet Knop. Durchschnittlich würden Jahr für Jahr ein Prozent der Kleingärten aufgeben. Im Frühjahr wurden unter der Obhut des Kreisverbandes noch 3556 Kleingärten bewirtschaftet, in Güstrow waren es 2470. Den Kleingärtnern werde nicht nur die Pacht abverlangt, hinzu kämen der Vereinsbeitrag, Abfallgebühr, Beiträge für den Wasser- und Bodenverband, gegebenenfalls Straßenreinigungsgebühr und letztendlich auch Strom- und Wasserverbrauch. Das summiere sich, betont Knop und fügt hinzu: „Unser Klientel sind nicht die Reichen und Schönen, eher die Wenigverdiener.“ Der Verbandsgeschäftsführer hofft auf das Gespräch heute im Rathaus. Man werde versuchen, den angekündigten Pachtzins herunterzuhandeln. „Wir brauchen eine Verschiebung ins Jahr 2017 und dann eine stufenweise Erhöhung des Pachtzinses“, steckt Horst Arndt, Vorsitzender des Kreisverbandes das Ziel ab. 

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