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SVZ-Serie : Oxford gegen Cambridge auf dem Güstrower Inselsee

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Historische Sportstätten in Güstrow“ / Heute: Rudersport auf dem Inselsee an den früheren Gymnasien in Güstrow

Lange ist es her, dass man auf dem Güstrower Inselsee schnittige „Vierer“ oder „Zweier“ über die Wasserfläche gleiten sehen konnte. Dabei böte gerade der Inselsee gute Voraussetzungen für diese Wassersportart.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts begann an der damaligen Domschule die Förderung des Rudersports zur Leibesertüchtigung, wie es damals hieß. Der Schülerruderverein erhielt den Namen „Friesen“ (nach Friedrich Ludwig Jahn). Ein eigenes Bootshaus wurde am Inselsee gebaut und nach und nach mehrere Boote angeschafft. Als in Güstrow neben der Domschule (Humanistisches Gymnasium) ein Realgymnasium zur Förderung des naturwissenschaftlichen Unterrichts entstand (1882), gründete sich dort der Schülerruderverein „Vandalia“. Auch dort wurde ein eigenes Bootshaus gebaut und Boote angeschafft.

1902 wurde der Grundstein für ein neues Realgymnasiumgebäude gelegt, die spätere „John Brinckman Schule“. Fortan gab es in Güstrow zwei Gymnasien. Beide Schülerrudervereine bestritten nunmehr jährlich auf dem Inselsee Ruderregatten als Leistungs- und Prestigevergleiche ähnlich den Universitätsvergleichen in England zwischen Oxford und Cambridge. Daneben gab es Teilnahmen an auswärtigen Ruderregatten, wie zum Beispiel in Rostock.

Einschneidende Veränderungen für den allgemeinen Schulsport und speziell für den Rudersport gab es mit der Übernahme der Staatsgewalt durch die Nationalsozialisten. Die Gleichschaltung aller Vereine führte letztlich trotz Widerständen, besonders unter der Altschülerschaft, die auch viele Mitglieder in den Rudervereinen hatte, zur Auflösung der Schülerrudervereine an den Gymnasien und Überführung in die Staatsjugend, die Hitlerjugend. Auch das Eigentum der Rudervereine, inklusive Boote und Bootshäuser, wurde mit übernommen.

1938 gab das Reichserziehungsministerium an die Schulen einen Erlass heraus zur Durchführung eines regelmäßigen Ruderunterrichts, bei entsprechender Möglichkeit sogar Ruderunterricht zur Pflicht zu machen. An der John-Brinckman-Schule war diese Maßgabe schon 1935 realisiert worden und brachte natürlich einen sportlichen Schub, da die Trainingsbedingungen sich durch die Installation einer Trockenruderanlage für das Wintertraining deutlich im Leistungsrudern bemerkbar machten.

Zum Erliegen kam der Rudersport an den Gymnasien mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939. Ruderer waren nicht mehr gefragt. Sehr bald kamen von der Kriegsfront die ersten Todesnachrichten hoffnungsvoller Sportler. Nach dem Kriege wurde der Rudersport am Brinkmangymnasium als fakultativer Freizeitsport kurzzeitig neu belebt.





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