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Güstrower Anzeiger

19. August 2017 | 02:00 Uhr

Ehrensache : Orgelkosmetiker aus Passion

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Ehrensache“: Wolfgang Leppin (73), Kirchenmusikdirektor i.R., organisiert seit 20 Jahren auch Musikreisen in der Region

Er ist seit Jahrzehnten aus Güstrow nicht wegzudenken, und auch in seinem Ruhestand ist der Kirchenmusikdirektor (KMD) i.R. Wolfgang Leppin (73) viel unterwegs – häufig im Ehrenamt. Unter anderem sorgt er für den guten Klang der Orgel in der Güstrower Pfarrkirche, aber auch seit 20 Jahren für Musikreisen der besonderen Art.

Jetzt sei gerade ein wenig Ruhe, aber vom Frühjahr bis Dezember kümmert sich Wolfgang Leppin um die „Orgelkosmetik“ in der Pfarrkirche. „Die Temperaturunterschiede in der Kirche machen dies erforderlich“, sagt er. So sorgt der KMD i.R. für den richtigen Klang jeder Pfeife. Ein bis zwei Tage vor Konzerten steigt er dafür noch einige Stufen höher bis in die Orgel hinein. „Noch kann ich es“, so Wolfgang Leppin, der seit mehr als 40 Jahren in Güstrow zu Hause ist. Musik war und ist sein Leben. So ist er auch heute noch unterwegs, um einigen Orgeln im Landkreis zum guten Klang zu verhelfen – er spielt darauf. Am Heiligabend z.B. begleitete er die Christvesper in Groß Wokern, und am Silvestertag spielte auf einer Beerdigung. So sind seine Tage gut gefüllt.

Ein besonderes Musikerlebnis wird ebenfalls von Wolfgang Leppin organisiert: Musikreisen in schöne Kirchen Norddeutschlands. In diesem Jahr gibt es die 20. Ausgabe. Angefangen habe es mit der Idee, vor allem schöne Dorfkirchen ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu rücken. „Das war, als 1000 Jahre Mecklenburgs begangen wurde“, erinnert sich der Ruheständler. Gemeinsam mit Kollegen organisierte er diese Musikreisen, die zuerst von vier, inzwischen von fünf Orten starten. Güstrow ist eine r der Ausgangspunkte.

Von der ersten Reise an seien sie ein „Renner“ gewesen. Eine „250-prozentige Auslastung“ sei erreicht worden. „Dadurch fühlten wir uns in die Pflicht genommen“, erklärt Wolfgang Leppin. Jahr für Jahr wurden drei Dorfkirchen ausgewählt, zu denen die Reise ging. Zwei Mahlzeiten wurden dazwischen organisiert. Inzwischen werden auch Stadtkirchen angefahren, in denen Musik erklingt. In diesem Jahr führt die Reise von Güstrow aus nach Mestlin, Schwerin und Vietlübbe. Anmeldungen? Fehlanzeige! Die beiden Busse sind bereits vollkommen ausgebucht, eine Warteliste gibt es schon. Die in Güstrow startenden Busse werden sich in Schwerin mit Reisenden aus Ahrensburg/Bad Oldesloe treffen und Kammermusik in der Schweriner Schlosskirche gemeinsam erleben können. Durch diese Symbiose könne man einen zahlbaren Preis seit Jahren kontinuierlich beibehalten.

Organisation liegt Wolfgang Leppin wohl im Blut. So hatte er vor acht Jahren eine große Tagung der Gesellschaft der Orgelfreunde in Güstrow organisiert, durch die Mecklenburg bundesweit in vieler Ohren kam.

Der gebürtige Demminer begann mit Flügelhorn und machte erste Gehversuche an der Orgel. Erst während seiner Ausbildung zum Diakon wurde er zum Studium motiviert. Später war er nicht nur Kantor, sondern auch Kirchenkreis-Musikwart, dann Orgelsachberater und Kirchenmusikdirektor.

Heute möchte Wolfgang Leppin auch gern noch etwas tun und komponierte sogar einen kleinen Kanon zur diesjährigen Jahreslosung. So gibt es nur weniges, das er nicht mehr kann. „Orgelkonzerte würde ich nicht mehr machen“, sagt er. Hierfür sei sein Augenleiden zu sehr fortgeschritten. Gerade darum ist er seiner Frau Inge besonders dankbar. „Ohne sie würde vieles nicht gehen“, ist Wolfgang Leppin überzeugt. Sie übernimmt etwa sämtliche Schreibarbeiten.

Einen Wunsch hat der aktive Ruheständler: „Ich möchte es gern erleben, dass die Klangsubstanz an den historischen Orgeln in Reinshagen und Recknitz nicht verloren gehen.“



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