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Umweltverschmutzung zwischen Laage und Rostock : Öl-Alarm auf der Warnow

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gefahr für Trinkwassereinzugsgebiet / Konsequenzen bisher noch nicht absehbar / Am Abend erste Entwarnung

Nach der großflächigen Ölverschmutzung der Warnow nördlich von Schwaan haben die Behörden gestern Abend  erste Entwarnung gegeben. Seit Montagabend schob sich  ein 800 Meter langer und zehn Meter breiter Ölfilm den Fluss  Richtung Rostock  hinunter –  mit bislang unvorhersehbaren Folgen für Mensch und Natur.  Sicher ist nur:  „Öl gehört nicht ins Wasser und stellt eine große Gefahr für das Grundwasser und damit für die gesamte Umwelt dar“, kommentiert Umweltminister Till Backhaus (SPD).

Gestern waren Mitarbeiter vom Staatlichen Umwelt-Amt, der Wasserschutzpolizei und dem Warnow-Wasser- und -Abwasserverband vor Ort, um sich ein Bild von dem Ausmaß der Verschmutzung zu machen. Die Experten gehen davon aus, dass es sich bei der Substanz um Diesel handelt. Die Ergebnisse der entnommenen Wasserproben standen gestern noch nicht fest. „Wenn es ,nur’ Diesel ist, kommen wir noch einmal mit dem blauen Auge davon. Diesel verflüchtigt sich  ziemlich schnell. Wenn es sich aber um eine andere ölige Verbindung handelt, kann das schwerwiegende Folgen haben“, erklärt Ministeriumssprecher Constantin Marquardt.

Vor allem die Tier- und Pflanzenwelt ist von der Verunreinigung betroffen. „Der Uferstreifen wird  kontaminiert. Dass hat vor allem Einfluss auf das Wachstum neuer Pflanzen“, sagt der Biologe Prof. Gerhard Graf von der Universität Rostock.  „Wenn Wasservögel mit dem Öl in Kontakt kommen, verklebt  das Gefieder“, ergänzt er. Sind  größere Teile des Gefieders verschmutzt, kühlt der Vogel aus und stirbt. „Bei der Aufnahme durch die Haut hat das Öl eine toxische Wirkung“, so Graf. „Unabhängig davon wird das Grundwasser gefährdet.“

Für den Menschen habe das Öl keine Konsequenzen. „Zumindest, solange  man es nicht trinkt“, betont der Biologe. Aber: Sowohl die Hansestadt  Rostock als auch 17 Umlandgemeinden werden mit dem Wasser aus der Warnow versorgt. Das sind insgesamt 235 000 Menschen.

Weil sich die Temperaturen derzeit um den Gefrierpunkt bewegen, würde sich die Substanz nur sehr langsam  abbauen,  „Im Sommer geht die Verdunstung schneller.“ Graf  schlägt vor, das Öl vom Technischen Hilfswerk absaugen zu lassen – auch, weil der Ölfilm in Richtung Rostock unterwegs ist.

Unter der Autobahnbrücke in Papendorf wurde  eine Ölsperre errichtet. Damit soll eine Ausbreitung der Substanz in das Trinkwasserschutzgebiet Rostocks verhindert werden. An der und jenseits der Barriere seien  bisher noch keine Verschmutzungen festgestellt worden. Zurückzuführen sei dies   auf die  geringe Fließgeschwindigkeit der Warnow. Von weiteren Abwehrmaßnahmen wird vorerst abgesehen. Die Ausbreitung des Öles habe sich  erheblich verringert.

Für die Aufbereitung des Trinkwassers ist das Unternehmen Eurawasser Nord zuständig. „Wir sind in oberster Alarmbereitschaft und stehen in engem Kontakt mit dem Umwelt- und Gesundheitsamt“, sagt Unternehmenssprecherin Gabi Kniffka. Bisher bestehe aber keine Gefahr für die Trinkwasserversorgung. Dennoch seien die Mitarbeiter derzeit angewiesen, an der   Entnahmestelle des Wasserwerks Rostock verstärkt Qualitätsproben zu entnehmen. Die Entnahmestelle liegt 8,5  Kilometer  von der  Ölsperre  entfernt.

Sollte sich  die ölhaltige Substanz dennoch ausbreiten, hat das Unternehmen vorgesorgt: In Biestow gäbe  es für Notfälle einen Wasserbehälter, der 10 000 Kubikmeter Trinkwasser enthält. „Aber so weit wird es nicht kommen, wir sind alle sensibilisiert“, betont Gabi Kniffka. 

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