Güstrow : Nur ein kurzer Blick aufs Handy…

Heidrun Nowack (l.) und Elfie Jährig (r.) im Gespräch mit den Präventionsberatern der Polizeiinspektion.  Fotos: Lennart Stahlberg
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Heidrun Nowack (l.) und Elfie Jährig (r.) im Gespräch mit den Präventionsberatern der Polizeiinspektion.

Handynutzung am Steuer und Überholen werden im November verstärkt kontrolliert. Auftaktveranstaltung in Schwaan.

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03. November 2017, 12:00 Uhr

Laut Bundesverkehrsministerium geht jeder zehnte Verkehrstote auf Ablenkung am Steuer zurück. Im Landkreis Rostock wurden im Jahr 2017 mehr als 1200 Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit Handynutzung am Steuer festgestellt. Dabei kann dies verheerende Folgen für Autofahrer und Unbeteiligte haben. Jeder vierte Unfall passiert, weil sich der Fahrer nicht auf die Straße, sondern auf sein Handy konzentriert. Wenn ein Autofahrer eine Nachricht verfasst erhöht sich die Gefahr eines Unfalls um 23 Prozent. „Schon ein kurzer Blick auf das Display reicht für den sogenannten Blindflug aus. Selbst bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h legt man eine Strecke von 83 Metern zurück, wenn man sieben Sekunden aufs Handy schaut. Bei 130 km/h sind es mehr als 250 Meter“, sagt Carola Johannsen, Präventionsberaterin bei der Polizeiinspektion Güstrow.

Auto fürs Smartphone der falscheste Ort

Deswegen führt die Polizei im gesamten Land im November verstärkt Verkehrskontrollen mit den Schwerpunkten „Handynutzung“ und „Überholen“ durch. Die Beamten werden sowohl stationäre als auch mobile Kontrollstellen einrichten.

Die Auftaktveranstaltung an der Warnow-Brücke Donnerstag in Schwaan sollte aber neben den Kontrollen auch informieren und aufklären. „Es geht uns darum, mit den Verkehrsteilnehmern ins Gespräch zu kommen. Wir wollen sie für die Gefahren sensibilisieren“, erklärt Karsten Hamann, ebenfalls Präventionsberater. „Handys sind zu einem festen Bestandteil in unserem Leben geworden. Viele vergessen heutzutage eher ihre Brotdose, nicht aber ihr Smartphone. Wir wollen immer und jederzeit verbunden bleiben. Das Auto ist dafür allerdings der falscheste Ort“, sagt Carola Johannsen. Um während der Fahrt nicht in Versuchung zu geraten, eine Nachricht aufs Handy zu tippen oder zu lesen, wäre es besser, das Mobiltelefon auf stumm zu schalten oder es sogar in den Kofferraum zu verbannen, meint sie. Besonders an Eltern mit Kindern im Fahrzeug appellieren sie, den Blick nicht von der Fahrbahn abzuwenden. „Oft vergisst man, dass man nicht nur sich selbst gefährdet, sondern auch die Insassen seines Autos und andere Verkehrsteilnehmer.“

Überholen: Junge Leute überschätzen sich oft

Darüber hinaus zählt Überholen seit Jahren zu den Hauptunfallursachen auf unseren Straßen. Zudem sind die Personenschäden dabei besonders schwer. Zwar gebe es Leichtsinn in jeder Altersklasse, doch leider würden sich vor allem junge Leute oft überschätzen. „Eine gestrichelte Linie bedeutet nicht unbedingt, dass man überholen kann. Man sollte mindestens 20 km/h schneller als der Vordermann sein und auf Gegenverkehr sowie Kurven achten“, so die Präventionsberater.

In den nächsten Tagen werden werden ganz flexibel Kontrollen zu diesen Unfallfaktoren durchgeführt. „Die Statistiken machen es leider notwendig. Zusätzlich zu allgemeinen Verkehrskontrollen sind alle Reviere im Land angehalten, nach diesen Schwerpunkten zu kontrollieren“, sagt Gert Frahm, Sprecher der Polizeiinspektion Güstrow. Tatsächlich wurden 2016 im gesamten Landkreis Rostock 740 Verkehrsdelikte aufgrund von ordnungswidrigem Überholen und 1700 aufgrund von Handynutzung am Steuer geahndet. Tendenz: steigend.

Weiterhin zählen Alkohol und überhöhte Geschwindigkeit zu den häufigsten Unfallursachen. Letzterem geht die Polizei auch mit einem als Zivilfahrzeug getarnten Videowagen nach. Außerdem können so Abstand- und Überhohlverstöße auf Landstraßen und Autobahnen nachgewiesen werden. Im November müssen sich Autofahrer auf die verstärkten Kontrollen einstellen.

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