Güstrow : Nur 12 von 2993 kamen zur Einwohnerversammlung

Anwohnerin Heidi Wellnitz und Geschäftsmann Frank Reding haben das gleiche Problem: Sie finden in ihrer Nähe keine Parkplätze.
Anwohnerin Heidi Wellnitz und Geschäftsmann Frank Reding haben das gleiche Problem: Sie finden in ihrer Nähe keine Parkplätze.

Güstrows Zentrum soll schöner werden. Anwohner können mitgestalten. Das Interesse ist jedoch gering.

svz.de von
07. September 2017, 20:30 Uhr

In der Einladung zur Einwohnerversammlung für die Altstadt hieß es, dass Bürgermeister und Amtsleiter „Fragen der Einwohnerinnen und Einwohner beantworten und Hinweise und Anregungen entgegen nehmen“ wollen. Viele Fragen und Hinweise schienen die Bewohner von Güstrows Zentrum nicht zu haben, denn lediglich ein Dutzend Interessenten, darunter drei Stadtvertreter, verloren sich im kleinen Saal des Rathauses. Dabei hätte es durchaus Gesprächsbedarf geben können. Die letzte Einwohnerversammlung für die Altstadt lag genau zehn Jahre zurück. Damals sei es, zitierte Arne Schuldt aus dem Protokoll, um einen Bußgeldkatalog, um den Hundestrand am Inselsee, um die Erreichbarkeit der Verwaltung und um eine Hundehalterverordnung gegangen.

In seinem fast einstündigen Einführungsmonolog bescheinigte der Bürgermeister dem Stadtteil eine positive Entwicklung, die er an den Einwohnerzahlen festmachte. So hatten zur Jahrtausendwende 2171 Menschen im Zentrum gewohnt und war 2003 mit 2137 der Tiefpunkt in der Einwohnerzahl erreicht worden. Danach stiegen die Zahlen, so Ende 2016 auf 2930 Menschen. Und aktuell zitierte der Bürgermeister die Statistik per 31. August 2017, da waren es schon 2993 Einwohner. „Wenn die Sanierung der Altstadt auf dem jetzt erreichten Niveau weiter verläuft, halte ich Einwohnerzahlen von 3500, ja sogar von 4000 Menschen für möglich“, blickte Schuldt voraus. Der im gleichen Zug damit verbundene Probleme ansprach. So seien wegen der Sanierung von Häusern zurzeit viele Gehwege gesperrt oder nur eingeschränkt nutzbar. Das andere Problem von steigenden Einwohnerzahlen seien die wenigen Parkplätze.

Damit hatte der Bürgermeister denn doch ein Stichwort für eine Diskussion gegeben. „Ich komme von außerhalb und wenn ich morgens in mein Optikergeschäft in der Engen Straße will, sind alle unbefristeten Parkplätze in der Nähe schon belegt“, meldete sich Frank Reding zu Wort. Heidi Wellnitz, Anwohnerin der Mühlenstraße, hatte das gleiche Problem. Sie müsse mitunter „stundenlang mit dem Auto kreiseln“, bevor sie eine Stellfläche findet, klagte sie. Detlef Moll, Leiter des Ordnungsamtes, räumte ein, dass die Stadt zwar 550 Anwohner-Parkausweise ausgestellt habe, dass aber nicht für jeden Inhaber ein Stellplatz garantiert werden könne. Arne Schuldt dachte in seiner Antwort laut darüber nach, das Parkplatzbewirtschaftungskonzept der Barlachstadt „noch einmal zu öffnen“. Es gäbe zwei Varianten, stellte er in Aussicht. „Entweder wir lassen alles so wie es ist und ergänzen den Istzustand durch ein Parkleitsystem. Oder wir bewirtschaften, wie in Greifswald und Stralsund praktiziert, alle Parkplätze und schaffen mit den Einnahmen neue Stellflächen“, sagte der Bürgermeister.

Wem noch eine Anregung oder ein Hinweis einfalle, stellte Schuldt fest, der brauche nicht bis zur nächsten Einwohnerversammlung zu warten. Unter dem Stichwort „Bürgerecho“ finde der Bürger auf www.guestrow.de/ Bürgerservice ein Formular, mit dem er per E-Mail das Problem beschreiben und sogar ein Foto dazustellen könne. Oder, schlug er vor, der Bürger kommt selbst ins Rathaus. Die Bewohner der Altstadt haben es da ja nicht so weit.

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