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Güstrower Anzeiger

22. November 2017 | 16:08 Uhr

Güstrow : Nun darf jeder jeden heiraten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gesetzesänderung erlaubt seit 1. Oktober gleichgeschlechtliche Ehen – Bislang kaum Nachfragen bei den Standesämtern der Region.

von
erstellt am 02.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Ehe für alle – seit gestern ist das erst jüngst im Bundestag verabscheidete Gesetz in Kraft. Lange haben homosexuelle darauf gewartet: In Deutschland dürfen sich nun alle Menschen in gleichem Maße das Ja-Wort geben, Mann mit Frau, Mann mit Mann, Frau mit Frau. „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“, heißt es nun im Bürgerlichen Gesetzbuch. Hat die Gesetzesänderung Auswirkungen auf die Standesämter in unserer Region?

Auf dem platten Land wohl kaum, denkt Heidrun Fügert. Sie ist Standesbeamtin in Krakow am See. Bisher habe es keine Anfragen gegeben. Krakow am See zähle zu den kleineren Standesämtern, wo ohnehin kaum gleichgeschlechtliche Paare getraut wurden, so Heidrun Fügert. Sie erinnert sich an sechs in den letzten Jahren. Und diese Paare – mehr Frauen als Männer – seien zudem aus anderen Regionen. „In Großstädten ist das Thema populärer“, erklärt die Standesbeamtin. Dennoch schließt sie nicht aus, dass vielleicht noch Paare auf sie zukommen werden. Ihre Vermutung ist, dass es in etwas größeren Städten wie Güstrow schon anders aussehen könnte. Ist dem so?

Nein. Auch in der Barlachstadt wird nicht mit dem großen Ansturm gerechnet. „Die Gesetzesänderung hat keine Auswirkungen für das Standesamt Güstrow“, erklärt Stadtsprecherin Karin Bartock auf SVZ-Nachfrage. Für die Umwandlung der Lebensgemeinschaft in eine Ehe würden noch keine Anmeldungen vorliegen. Im Oktober stehen allerdings zwei gleichgeschlechtliche Ehen an, informiert sie weiter. Auch der Informationsbedarf von schwulen und lesbischen Paaren zur Gesetzesänderung hielt sich in der Barlachstadt in Grenzen. Lediglich zwei Paare haben laut Bartock das Standesamt aufgesucht, „alle anderen haben sich per Internet sachkundig gemacht“.

„Als das Thema im Sommer groß in den Medien war, erkundigte sich ein Paar, das als Lebensgemeinschaft eingetragen ist“, erklärt Cathleen Schaack, Standesbeamtin in Schwaan. Seither habe sich jedoch kein Paar mehr gemeldet. „Das wird aber noch kommen“, vermutet Cathleen Schaack. Allzu viele Umschreibungen werden wohl aber nicht vorgenommen, denn im Schwaaner Amtsbereich gebe es nur wenige gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

Ähnlich sieht es in Bützow aus. Auch hier gibt es kaum gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften. „In diesem Jahr eine“, erklärt Stadtsprecher Frank Endjer auf Nachfrage. Auf Anfrage würden diese Partnerschaften, wie sie bislang hießen, in gleichgeschlechtliche Ehen umgewandelt werden, so Endjer weiter. „Bisher gibt es dazu jedoch noch keine Anfragen.“ Auch neue Eheschließungen von Männern und Männer oder Frauen und Frauen seien bislang nicht angemeldet.

Auch wenn die Gesetzesänderung in der Region derzeit keine spürbaren Auswirkungen zu haben scheint, so ist der Schritt zur gleichgeschlechtlichen Ehe dennoch ein weitreichender. „Ich freue mich sehr darüber, dass mit der ,Ehe für alle’ eine vor allem rechtliche Diskriminierung beendet wird“, teilt Gleichstellungsministerin Stefanie Drese (SPD) mit. „Gleichgeschlechtliche Paare haben nun das volle Adoptionsrecht. Auch steuerrechtlich sind sie nun gleichgestellt“, betont Drese und stellt klar: „Endlich ist der Schritt gemacht, dass alle Menschen, die füreinander Verantwortung übernehmen, staatlichen Schutz erhalten.“

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