Volkssolidarität Güstrow : Notruf aus Notrufzentrale

Foto: Archiv
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Notruf aus der Notrufzentrale Güstrow der Volkssolidarität: Sie soll nach Schwerin verlegt werden. Die Mitarbeiter kämpfen jetzt um den Standort. Sie bangen um ihren Job, die Fahrtkosten zu teuer wären.

svz.de von
13. Juli 2012, 11:31 Uhr

Güstrow | Notruf aus der Notrufzentrale Güstrow der Volkssolidarität (VS): Sie soll nach Schwerin verlegt werden. Die Mitarbeiter kämpfen jetzt um den Güstrower Standort. Sie bangen um ihren Job, weil sich viele die Fahrtkosten nicht werden leisten können. 80 Prozent der 20 Mitarbeiter kommt aus Güstrow und der Region. In einem offenen Schreiben wird dem VS-Landesverband, der die Entscheidung zu verantworten hat, vorgeworfen, einen "großen Umzug mit sehr hohen Kosten zu planen, aber Anlieger (gemeint ist der VS-Immobilienskandal) bekommen ihr Geld nicht zurück". Wörtlich: "Der Vorstand segnet einen Umzug ab, ohne vorher eine Kostenaufstellung gesehen oder gemacht zu haben. Aber allen Mitarbeitern wird gesagt, dass es kostengünstiger sein soll." Mitarbeiter verweisen ebenfalls auf die technische Ausstattung in Güstrow: nagelneue Software, Werbung von Flyern bis zu Beschriftungen auf den Fahrzeugen. Auch meinen Mitarbeiter, dass der Kundenstamm auf der Strecke bleibt. Außerdem kritisieren sie, dass sie nicht gefragt wurden. "Da denkt man immer, dass die Volkssolidarität das lebt, was ihr Leitbild ist: ,Miteinander Füreinander’, solidarisch und sozial mit Mitgliedern und Mitarbeitern. Das ist aber nicht so", wird die Volkssolidarität gescholten.

Kerstin Liebich, Geschäftsführerin des VS-Landesverbandes, bestätigt, dass der Landesvorstand dazu am Mittwoch ein Grundsatzpapier verabschiedet hat. Demnach könnte zum Jahresanfang die Notrufzentrale in Schwerin sein. Entschieden sei aber noch nichts, so Liebich.

Hintergrund ist eine neue Struktur der VS in der Landeshauptstadt. Kerstin Liebich: "Wir wollen die Landesgeschäftsstelle und die Notrufzentrale an einem neuen Ort unterbringen." Gründe seien die Doppelstruktur in der Verwaltung aufzulösen und eine effizientere Arbeit zu erreichen, wenn beide Bereiche an einem Standort sind. Ein weiterer Grund sei die Landeshauptstadt als neuer zentraler Ort, weil die Notrufzentrale in Richtung Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen ausgebaut werden soll, erklärt Liebich.

Liebich bestätigt, dass gegenwärtig ein Gebäude gesucht wird. Auch an einer Kostenaufstellung wird gearbeitet. "Wenn das Kosten-Leistungs-Verhältnis nicht funktionieren sollte, ziehen wir nicht um", sagte sie gestern im SVZ-Gespräch. Die Geschäftsführerin geht allerdings davon aus, dass die Entscheidung sinnvoll ist, trotz einer Grundinvestition in Schwerin.

Die Geschäftsführerin betont, dass die Arbeitsplätze in Güstrow nicht in Gefahr sind. Höchstens werde sich im Einzelfall das Aufgabengebiet verändern. Sie sagt aber auch, dass der Vorstand die Sorgen der Mitarbeiter versteht, was die Fahrtkosten betrifft. Man sei daher auf der Suche nach preiswerten Fahrmöglichkeiten. Den Vorwurf, nicht informiert zu haben, weist sie von sich.

Den Hausnotruf in der Gertrudenstraße gibt es seit 1997 für Kunden in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg. Betreut werden laut Internetauftritt - der Leiter war gestern nicht zu erreichen - 4700 Kunden, die Hilfe benötigen.

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