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SVZ-Serie „Unsere Azubis“ : Notfallsanitäter: Starke Sehnen, starke Nerven

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Tobias Verhoef macht beim DRK Güstrow eine Ausbildung zum Notfallsanitäter.

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Wenn der Auszubildende Tobias Verhoef (23) zur Arbeit kommt, weiß er nicht, was ihn erwartet. Er ist im zweiten Lehrjahr zum Notfallsanitäter in der Güstrower Rettungswache des DRK tätig. „Es kann sein, dass wir eine Stunde in der Rettungswache sind, oder dass ein Notruf eingeht und wir sofort los müssen“, erklärt er. Notfallsanitäter ist ein relativ neuer Beruf. Mit einer dreijährigen Ausbildung und einer geregelten Vergütung ersetzt er seit 2014 die zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten.

„Mit der Umstrukturierung in der Rettungsdienstausbildung liegt MV im bundesweiten Vergleich weiterhin vorn“, sagt Andreas Bojarra, Geschäftsführer der DRK Rettungsdienst Güstrow gGmbH , deshalb kämen stets auch viele Bewerbungen aus anderen Bundesländern kommen.

„Wir haben drei Lehrrettungswachen in Güstrow, Bützow und Teterow. Dort finden mehr Einsätze statt als zum Beispiel in Krakow am See“, berichtet Bojarra. Fünf neue Auszubildende nehmen die drei Wachen jedes Jahr unter ihre Fittiche. „Unser Altersdurchschnitt liegt bei 45 Jahren. Wir bilden also auch für uns selbst aus“, so der DRK-Geschäftsführer.

Schulisch werden die Auszubildenden durch das DRK-Bildungszentrum in Teterow begleitet. Dieses legt auch fest, wie viele Wochen die Auszubildenden jeweils in der Rettungswache, im Krankenhaus und in der Leitstelle verbringen. In der Leitstelle gehen alle 112-Notrufe ein. Sie werden nach Schwere bewertet und mit entsprechenden Anweisungen, wie das Rettungsteam ausgestattet sein muss, weitergeleitet. Auf diese Weise sehen die angehenden Notfallsanitäter, was vor ihren Einsätzen passiert. Was danach passiert, lernen sie gleich zu Beginn: den Rettungstransportwagen wieder einsatzfähig machen.

Ruhig und ausgeglichen wirkt Tobias Verhoef. „Wenn wir ankommen und den Menschen helfen können, fühlen wir uns natürlich gut“, sagt er nach längerem Überlegen. Vielleicht liegt es an der Routine. Seit 13 Jahren engagiert er sich in der Freiwilligen Feuerwehr Krakow am See. Mit Rettungssituationen ist er also schon lange vertraut. Dennoch zog es ihn zunächst ins städtische Amt. Eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten schloss er dort ab. „Ich wollte in meinem Heimatort bleiben, aber die Arbeit erfüllte mich nicht“, stellt er fest.

Kraft, Fitness und Stressresistenz


Durch seine kräftige Statur bringt Tobias Verhoef eine wichtige physische Eigenschaft für den Beruf Notfallsanitäter mit. „Die meisten Einsätze finden im vierten Obergeschoss eines Wohnhauses statt“, erklärt der 23-Jährige. Andreas Bojarra rechnet vor: „Eine Trage wiegt rund 50 Kilogramm. Menschen mit einem Gewicht von 100 Kilogramm sind keine Seltenheit mehr. Das bedeutet, dass jeder Träger 75 Kilogramm stemmen muss.“

Dazu kommt die nervliche Belastung. Nicht jedem ist es in die Wiege gelegt, von Feuerwerkskörpern zersprengte Hände zu versorgen. Auch wenn es sich dabei um Ausnahmen handelt, denn am häufigsten werden die Notfallsanitäter bei Kreislaufproblemen gerufen. „Für den Fall, dass eine stark belastende Situation auftritt, steht für alle im Rettungsdienst eine psychologische Betreuung bereit“, versichert Andreas Bojarra. Darüber hinaus werden die notwendigen Abläufe untereinander immer wieder trainiert. Teams werden langfristig gebildet und jeder weiß, dass er sich voll und ganz auf den anderen verlassen kann.

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