zur Navigation springen

Juweliergeschäft Grabbe : Noch kein bisschen tüddelig

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Auch mit 70 Jahren sitzt die Güstrower Goldschmiedemeisterin Hannelore Grabbe noch täglich an ihrer Werkbank

von
erstellt am 06.Jan.2015 | 05:00 Uhr

Noch vor sechs Jahren verriet Hannelore Grabbe unserer Zeitung, dass sie mit 65 Jahren endgültig in den Ruhestand gehen wolle. Doch jetzt mit 70 Jahren sitzt die bekannte Güstrower Goldschmiedemeisterin noch immer täglich an ihrer alten Werkbank am Güstrower Markt. „Das mit dem Ruhestand habe ich nicht geschafft. Der Beruf macht mir einfach noch zu viel Spaß“, sagt Hannelore Grabbe. „Allerdings arbeite ich nur noch halbtags – sonst schimpft mein Mann“, schiebt sie mit einem Lächeln hinterher.


Tägliche Arbeit im Hinterstübchen


Im Hinterstübchen des Juweliergeschäftes am Markt hat die 70-Jährige ihren Arbeitsplatz. Hier arbeitet die bescheidene Hannelore Grabbe auch lieber als an der Ladentheke. Seit mittlerweile 55 Jahren sitzt sie an der alten Goldschmiede-Werkbank, die ihr Vater Anfang der 1950er-Jahre angeschafft hat. Vater Fritz Meyer übernahm 1954 das Juweliergeschäft von dem alteingesessenen Güstrower Goldschmiedemeister Fritz Cammentz. Mit 14 Jahren ging Hannelore bei ihrem Vater in die Lehre, machte 1969 ihren Meister und übernahm den Laden 1978. Seit der Wende leitet Sohn Thomas Grabbe das Geschäft sowie zwei weitere Juweliergeschäfte.

Ob Reparaturen von Schmuckstücken oder individuelle Anfertigungen nach Kundenwünschen – Hannelore Grabbe ist Goldschmiedemeisterin mit Leib und Seele. Zur Hilfe kommt ihr dabei auch Kathi Lau. „Sie hat immer sehr kreative Ideen“, lobt die 70-Jährige ihre 33-jährige Mitarbeiterin. Kathi Lau hat im Familienbetrieb Grabbe gelernt und teilt sich vormittags mit Hannelore Grabbe die Werkbank. „Die Arbeit mit den Kollegen macht großen Spaß. Wir ergänzen uns gut“, unterstreicht die Güstrowerin. Der Job ist Hannelore Grabbe bereits in Fleisch und Blut übergangenen. Sie empfinde ihre Tätigkeit gar nicht mehr als Arbeit, eher als Hobby, unterstreicht sie.

Und auch die kommenden Jahre will Hannelore Grabbe noch gerne weitermachen. Ein Ende sei nicht abzusehen, sagt sie. Eine Einschränkung gibt es: „Wenn ich tüddelig werde, höre ich auf.“ Doch auch Kathi Lau bestätigt, dass die 70-Jährige noch weit davon entfernt sei, „tüddelig“ zu sein. Hannelore Grabbe ist fit, auch wenn sie für die filigranen Goldschmiedearbeiten mittlerweile eine etwas größere Lupe braucht. Und diese Fitness braucht sie auch. Ihr Mann Christian Grabbe hat ihr zum 70. Geburtstag eine Fahrradtour von Passau nach Wien geschenkt. Dafür muss sie sich definitiv von ihrer geliebten Werkbank trennen. Aber Christian Grabbe hat sich längst mit der Arbeit seiner Frau abgefunden. Schließlich ist er 48 Jahre mit ihr verheiratet. „Nichts ist schlimmer, als wenn man nichts zu tun hat“, sagt er. „Meine Frau wäre einfach unzufrieden, wenn sie nicht mehr arbeiten könnte. Sie geht so lange in die Werkstatt, wie sie kann.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen