Güstrow : Niemand hat die Absicht…

Schmal bleibt der Gang am früheren Kita-Flachbau (links). Im Hintergrund rechst das neue Wohngebiet. Vielleicht wird das Bauwerk ja noch schön, wenn die jungen Pflanzen sich erst mal hochranken. Hauptsache, es hilft auch.
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Schmal bleibt der Gang am früheren Kita-Flachbau (links). Im Hintergrund rechst das neue Wohngebiet. Vielleicht wird das Bauwerk ja noch schön, wenn die jungen Pflanzen sich erst mal hochranken. Hauptsache, es hilft auch.

… einen Lärmschutz zu errichten / Doch jetzt steht sie trutzig da: die Lärmschutzwand am Schwarzen Weg

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16. Dezember 2014, 06:00 Uhr

„Mit den Bauvorhaben Lärmschutzwand Wallensteinstraße wurde begonnen. Die vorbereitenden Maßnahmen sind bereits erfolgt, so dass die Aufstellung der Wandkonstruktion in dieser und in der kommenden Woche erfolgen wird.“ Was Bürgermeister Arne Schuldt den Stadtvertretern jüngst so lapidar berichtete, hat eine Geschichte, die an den Bau des Berliner Flughafens erinnert. Und ein bisschen auch an den Bau der Berliner Mauer. Kann in Berlin die ganze Welt lachen, so spielt sich die Geschichte der Güstrower Mauer eher im Stillen ab. Wobei „im Stillen“ der Sache nicht gerecht wird. Doch „im Verborgenen“, das trifft es jetzt auch nicht mehr. Düster-graubraun lugt sie zwischen den kahlen Baumzweigen durch. Mönströs wirkt der rund 40 Meter lange Bau, auch wenn er heute, im winterlichen Nebeldunst, sich kaum vor seinem Hintergrund abhebt.

Vor sechs Jahren nahmen die ersten Anwohner der „neuen Wallensteinstraße“ ihre Häusle in Besitz. Zu dem Zeitpunkt hätte es längst einen Lärmschutz in Richtung des Studentenklubs (Stuk) geben sollen. Der Stuk, dies war von vornherein klar, gilt als nahem Wohnen unverträgliche Emissionsquelle von Lärm, insbesondere freitags bis sonntags und in der wärmeren Jahreszeit. Dem sollte der Bauträger, die Landesgrunderwerb GmbH (LGE), mit einer geeigneten Baumaßnahme entgegnen, auch dies war von vornherein klar.

Doch nichts passierte, die LGE sah sich außerstande, ihrer Pflicht nachzukommen. Jahrelang. Vertragspartner für die LGE ist aber nicht die Stadt, sondern sind die einzelnen Grundstückseigentümer des Neubauviertels auf der früheren Apfelplantage. Also hätten die neuen Eigentümer den Lärmschutz einfordern müssen. Schlechte Erfahrungen hat Güstrow da, man denke an die ewige Geschichte um die abschließende Erschließung „Zum Apfelgarten“ am Kuhlenweg… Solches und mögliche langwierige und nervenaufreibende gerichtliche Auseinandersetzungen wollte die Stadt den Neulingen an der Wallensteinstraße ersparen.

Selbst die Extremvariante, nämlich eine Schließung des Stuks an seinem traditionellem Standort am Schwarzen Weg und Verlegung in ein anderes Stadtgebiet, stand zwischenzeitlich als ernsthafte Alternative. Dem hatten die Stadtvertreter nach ausführlicher Diskussion schließlich 2009 generell und 2012 für einen Umzug eine Absage erteilt.

Stattdessen folgte ein Sammelsurium von Ideen möglicher Schallschlucker: eine große Mauer, dicke Fenster und Vorhänge im Stuk, ein Wall, und letztlich wieder eine Mauer, jetzt Wand genannt. Und schon hatte die Stadt, da sich jede neue Variante aus irgendwelchen Gründen zerschlug, sogar eine so genannte Ersatzvornahme in den Bereich des möglichen Notwendigen gerückt, auch Baustopp angedroht. Selbst noch im Mai 2014, als der nun umgesetzte Plan abgesegnet wurde, mischten sich Zweifel in das Vorhaben.

Jetzt aber steht das Objekt. Sieben Meter hoch, in Jute geschütteter Splitt, das Ganze in Form gehalten von eisernen Klammern. Nur ein schmaler Gang bleibt zwischen Wand und früherer Kindertagesstätte, die später Kunsthaus und seither Leerstand beherbergt. Noch ist an den Böschungen der neuen Mauer ein kleiner Bagger beim Wirken. Der Bürgermeister ist aber optimistisch. „Mit dem Abschluss der Bauarbeiten ist noch im Dezember zu rechnen.“ Dabei hatte doch, so schien es, gar niemand die Absicht, eine Mauer zu errichten…

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