SVZ-Serie : Nie kleine Brötchen gebacken

Ulrich Niemann aus Güstrow wirkt in der Chronikgruppe des Hoppenrader Heimatvereins mit. Oft recherchiert er dazu im Stadtarchiv.
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Ulrich Niemann aus Güstrow wirkt in der Chronikgruppe des Hoppenrader Heimatvereins mit. Oft recherchiert er dazu im Stadtarchiv.

SVZ-Serie „Vereine in der Region“: Noch vor der Deutschen Einheit gründete sich der Heimatverein Hoppenrade im Mai 1990

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24. August 2015, 06:04 Uhr

Beim Hoppenrader Dorffest vor zwei Wochen waren Mitglieder des Heimatvereins an allen Ecken und Enden zu finden. Im Vorfeld hatten sie viele Ideen beigesteuert und am Tag des Festes engagierten sie sich nach Kräften. „Der Heimatverein ist nach wie vor eine wichtige Kraft in der Gemeinde, der kulturelle und gesellige Zusammenkünfte für die Einwohner organisiert und das Leben im Dorf sehr bereichert“, würdigt Wolfgang Schulz, der gemeinsam mit Peter Röper den Verein leitet. Das Duo löste vor fünf Jahren Uwe Kaiser ab, der den Verein damals mit aus der Taufe gehoben hatte.


Ziel war Einzug in die Gemeindevertretung


„Das war am 3. Mai 1990. Wir waren der dritte Verein, der sich nach der Wende in das Vereinsregister eintragen ließ“, erinnert sich Kaiser. Mindestens zehn Veranstaltungen habe man pro Jahr organisiert, meist mehr. Ziel war damals, in die im Herbst zu wählende erste Gemeindevertretung des Ortes einzuziehen. Das gelang auch, Uwe Kaiser wurde sogar Stellvertreter des Bürgermeisters. Kleine Brötchen gebacken hat der Verein in den 25 Jahren seines Bestehens nie. Kaiser erinnert sich an die Organisation des Widerstands gegen den Beitritt zum Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZ) oder an die legendäre „Tour de Chance“ im Jahr 2000, einem Lieblingsprojekt von Kaiser. „386 Teilnehmer haben wir damals auf die Beine gestellt. Es ging um die Forderung, die 11,3 Kilometer große Lücke auf dem straßenbegleitenden Radweg Krakow am See – Güstrow zwischen Groß Grabow und Klueß zu schließen. Eine Woche lang waren damals Radfahrer auf der Strecke unterwegs. Tag und Nacht legten sie insgesamt über 18 600 Kilometer zurück“, begeistert sich Kaiser noch 15 Jahre später. Und immerhin wurde ein Teilerfolg gefeiert. „Fünf Kilometer Radweg fehlen noch“, schmunzelt Kaiser. Der ehemalige Chef ist vor eineinhalb Jahren nach Krakow am See gezogen, ist aber mit seiner Frau Sabine noch immer aktives Mitglied im Heimatverein Hoppenrade.


Bildkalender mit Dorfgeschichten


Aktuell hat sich im Verein eine Gruppe gebildet, die sich mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzt. „Der Tipp, doch eine Chronik von Hoppenrade zu erarbeiten, kam von unserer Bürgermeisterin Birgit Kaspar“, sagt Schulz, selbst Mitglied der Gruppe. Die Chronisten haben sich ein ehrgeiziges Ziel gestellt. „Für das nächste Jahr wollen wir einen Bildkalender herausgeben, in dem wir in jedem Monat eine spezielle Dorfgeschichte erzählen“, sagt Schulz und nennt ein Beispiel: „Als Albrecht von Wallenstein seine Zelte in Mecklenburg abbrach und seine Truppen auflöste, zogen einige marodierende Soldaten, die keinen Sold erhalten hatten, durchs Land. Unter anderem stahlen sie dem Pastor von Lüdershagen alle Schafe und verkauften sie an einen Schlachter in Parchim. Die Sache wurde ruchbar und daraus entwickelte sich ein Gerichtsprozess.“ Wolfgang Schulz stellt fest, dass diesem Projekt viel Aufmerksamkeit in der Gemeinde entgegen gebracht wird. „Wir haben schon eine lange Liste mit Vorbestellungen“, bestätigt er.

Darüber hinaus führt der Verein die regelmäßig mit der Kreismusikschule Güstrow organisierten Sommer- und Weihnachtskonzerte durch, bietet Exkursionen an und engagiert sich auf vielfältige Weise in der Gemeinde. „Was uns beunruhigt, ist das Durchschnittsalter unserer Mitglieder von 65 Jahren. Wir müssen junge Leute für die Mitarbeit gewinnen“, formuliert der Vorsitzende eine nächste Aufgabe.
 

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