Wollhalle Güstrow : Nichts Belangloses an Wänden

Viel Anerkennung und Lob erfuhr Manfried Scheithauer (l.) bei der Ausstellungseröffnung in der Güstrower Wollhalle für seine Kunst, hier von Christian Dobslaw.
Viel Anerkennung und Lob erfuhr Manfried Scheithauer (l.) bei der Ausstellungseröffnung in der Güstrower Wollhalle für seine Kunst, hier von Christian Dobslaw.

Barlachstadt Güstrow ehrt Künstler Manfried Scheithauer zum 80. Geburtstag mit Personalausstellung in Städtischer Galerie Wollhalle.

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12. Juni 2016, 21:00 Uhr

Voll war die Städtische Galerie Wollhalle in Güstrow am Freitagabend. Jahrelange Wegbegleiter und Freunde von Manfried Scheithauer erwiesen dem Güstrower Künstler die Ehre anlässlich seiner neuen Ausstellung „Zwischen 70 und 80: Zeichnungen und Druck-Sachen“. Die Wertschätzung für Scheithauer ist groß. Zu seinem 80. Geburtstag, den er Ende März feierte, will ihn die Barlachstadt mit dieser Ausstellung besonders würdigen. „Das Engagement von Manfried Scheithauer in fünf Jahrzehnten in den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung hat stets das Miteinander gefördert und wesentlich zum Wohl des Gemeinwesens der Barlachstadt Güstrow beigetragen“, lobte der 1. Stadtrat, Andreas Brunotte, bei der Ausstellungseröffnung.

Bereits seit seinem 40. Geburtstag hat Scheithauer Personalausstellungen im Schloss, Stadtmuseum und der Wollhalle gehabt – immer alle zehn Jahre, die letzte bei seinem 70. Geburtstag. Die aktuelle Schau zeigt eine Auswahl seines Schaffens der vergangenen zehn Jahre. „Diese Auswahl ist das Schwierigste bei einer Ausstellung“, stellt er immer wieder fest. Denn Scheithauer ist ein sehr produktiver Künstler, arbeitet nahezu täglich in seinem Atelier in der Hagemeister Straße. Ausgewählt hat er schließlich rund 100 Zeichnungen und Druckgrafiken, die bis zum 11. September in der Wollhalle zu sehen sind. „Das ist ein wunderbarer Ausstellungsort der Stadt Güstrow. Ich hoffe, dem hohen Anspruch der Wollhalle gerecht zu werden. Da möchte schon etwas an den Wänden hängen, das nicht belanglos ist“, sagt der ehemalige Diplomlehrer für Kunsterziehung.

Belanglos ist seine Kunst keineswegs. So z.B. seine druckgrafischen Arbeiten „Gegen Gewalt“ oder „Europa 2014“. Letztere zeigt Europa von Terroristen bedrängt. Aktuelle politische Bezüge sind Scheithauer wichtig. Andererseits aber auch der Themenkreis „Familie, Freunde, Leute“ sowie Illustrationen zu Aphorismen, Sprichwörtern und satirischen Texten, wie er selbst sagt. Und schließlich haben es ihm die Steine, das Geröll und die Steilwände von Rügen angetan. Immer einmal im Jahr arbeitet er auf Deutschlands größter Insel. Seine Farbkreidezeichnungen der urwüchsigen Landschaften erinnern an Caspar David Friedrich, dessen Haltung zur Natur Scheithauer schätzt.

Auch mit Ernst Barlach setzt sich Manfried Scheithauer schon seit Jahrzehnten auseinander. Beweis dafür ist seine ebenfalls ausgestellte Folge von 15 Farbholzrissen zu Barlachs Drama „Der blaue Boll“. „Ob das Kunst ist, das bleibt die Frage“, sagt Scheithauer bescheiden. „Schön wäre, wenn das ein oder andere die Zeit überdauern würde.“

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