Gutshaus in Rothspalk : Neues Leben für Ramée-Bau

<strong>Ein Flügel </strong>des Gutshauses  ist eingerüstet. Ronny Brühl trägt Unterputz als Grundlage für den folgenden Feinputz auf.<foto>Regina Mai</foto>
Ein Flügel des Gutshauses ist eingerüstet. Ronny Brühl trägt Unterputz als Grundlage für den folgenden Feinputz auf.Regina Mai

Eigentlich war das Gutshaus in Rothspalk nur zweite Wahl. "In akzeptablem Zustand, aber ein bisschen zu groß", erklärt Renée Uhlenbrock, die zusammen mit ihrem Mann Rüdiger das Anwesen im vergangenen Jahr kaufte.

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02. Juli 2012, 05:54 Uhr

Rothspalk | Eigentlich war das Gutshaus in Rothspalk nur zweite Wahl. "In akzeptablem Zustand, aber ein bisschen zu groß", erklärt Renée Uhlenbrock, die zusammen mit ihrem Mann Rüdiger das stattliche Anwesen im vergangenen Jahr kaufte. Doch seit die beiden wissen, dass es nach Plänen des berühmten französischen Architekten Joseph Ramée (1764 bis 1842) gebaut wurde, sind sie Feuer und Flamme. "Es ist nicht nur das Haus, es ist die Einheit von Haus und Park, das es so besonders mache", betont Rüdiger Uhlen brock. Ein Anwesen wie aus einem Guss, das soll es wieder werden. Nachdem das Haus einige Jahren leer stand, haben die neuen Eigentümer postwendend mit der Sanierung begonnen. Nach Sicher ungsarbeiten im vergangenen Jahr ist nun die Außenhülle an der Reihe.

Rund 40 Tonnen Schutt aus Gebäude geholt

Ganz rational waren die Uhlenbrocks an die Suche nach einem Guthaus in Mecklenburg gegangen. Der Bauzustand und eine ruhige Lage waren entscheidend. "Wir haben zwar erst einmal rund 40 Tonnen Schutt aus dem Gebäude geholt, aber Schwamm oder verfaulte Balkenköpfe sind hier anders als bei vielen alten Häusern nicht das Problem", berichtet Renée Uhlenbrock. Zunächst habe man das Dach gesichert und saniert. Im Winter wurde der Park von allzu viel Wildwuchs befreit. In diesem Jahr sind die Fassaden an der Reihe. Aktuell sind Putzer und Fensterbauer am Werk. "Hier werden wir wieder bodentiefe Fenster einbauen lassen", sagt Renée Uhlenbrock im ehemaligen Gartensaal stehend. Im Innern soll die ursprüngliche Raumaufteilung, die insbesondere für die Nutzung als Schule verändert worden war, wieder hergestellt werden. Die repräsentativen Räume prägen den Mittelteil des Gebäudes. Zu beiden Seiten befanden sich Wohn- und Schlafräume. Im Keller entdeckte man gar ein Badezimmer, bei Ramée - ein weitgereister Mann, der nach der französischen Revolution seine Heimat verlassen musste - sei das nicht verwunderlich, meint Rüdiger Uhlenbrock, der zusammen mit seiner Frau bei den Bauarbeiten mit anpackt. Die Unternehmer aus der Modellbahn-Branche wollen das Haus privat nutzen. Im nächsten Jahr, so kündigen sie an, werden sie noch einmal zum Tag des offenen Denkmals die Türen öffnen.

Noch Jahre werde es in Anspruch nehmen, den Landschaftspark wieder herzustellen. Vorliegende Aufzeichnungen, Pläne und Fotos machen das möglich. Rund 30 alte Bäume stehen im Park. Vorhanden sind auch Reste einer Brücke, eines Eiskellers und eines Aussichtsplatzes mit Steintisch.

Die Geschichte

• Das heutige Gutshaus in Rotspalk wurde 1811-14 im klassizistischen Stil errichtet.
• Ursprünglich war die Familie von Maltzan in Rotspalk ansässig. 1648 aber war das Gutshaus an die Gebrüder Haltermann in Güstrow verpfändet worden. 1693 erwarb Clemens Heinrich von Tomstorf das Gut. Die Familie verkaufte es 1811 an Johann Freiherr von Moeller-Lilienstern, der aus einer schwedischen Familien stammte.
• Moeller-Lilienstern ließ ein neues Gutshaus errichten und beauftragte den damals gefragten Architekten und Landschaftsgestalter Joseph Ramée, der durch Bauwerke in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Belgien und den USA bekannt geworden war.
• Das in Konkurs geratene Rittergut kaufte 1928 Siegfried Schulz. Nach seinem Tod 1944 übernahm es seine Frau Elsbeth Schulz.
• Nach der Enteignung war das Gutshaus Schule und wurde später von einer Madgeburger Firma für Lagerzwecke genutzt.
• Rüdiger und Renée Uhlenbrock kauften das Herrenhaus 2011 und haben mit der Sanierung begonnen.

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