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Wildparkprojekt Güstrow : Neues Heim für Huhn, Pute & Co.

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Wildpark plant neues Vorhaben: einen Schau-Bauernhof - die Finanzierung des 2,7-Millionen-Projektes ist noch offen.

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Mit immer neuen Projekten steigerte der Natur- und Umweltpark Güstrow (Nup), der sich seit einem Jahr Wildpark-MV.de nennt, in den vergangenen Jahren seine Attraktivität, mehr und mehr. Die Besucherzahl überschreitet inzwischen 150  000 pro Jahr, keine andere Güstrower Einrichtung kann das nachweisen. Nächstes Vorhaben ist eine Erlebnis-Büdnerei, das die Wildpark-Leitung bis etwa 2020 verwirklichen will.

Drei Bestandteile gehören zu dem Vorhaben, erläutert Prokuristin Marianne Tuscher. Touristischer Höhepunkt wäre ein Schau-Bauernhof, anzulegen etwas abseits der Wiesenwelten, wo sich jetzt ein Lagerplatz befindet. Der Komplex soll Bauernhaus, Scheune und Backhaus umfassen. Dabei soll das Bauernhaus, ohne dass es auch bewohnbar wäre, das traditionelle Wohnen von Mensch und Vieh unter einem Dach inklusive Lagerhaltung nachzeichnen. Alte Geflügelrassen, Hühner, Puten, alte Hausschweine, Kuh könnte man dort in begrenzter Zahl halten, denkt Marianne Tuscher. Damit könnte man den aktuellen, in die Jahre gekommenen Wirtschaftshof deutlich entlasten. Die Scheune hätte Platz für Heu und Silage, was jetzt im Freien lagert. Im Freien ein Garten für Kräuter und alte Gemüsesorten, zugleich wäre an dieser Stelle die schon gesammelte Ausstellung alter landwirtschaftlicher Geräte sinnvoll zugeordnet. Eine Arbeitskraft in der Tierpflege wäre für die Unterhaltung dieses Bereiches zusätzlich nötig, sagt Tuscher.

Zweiter Bestandteil des Vorhabens soll ein neuer Parkplatz sein, der auf der anderen Straßenseite vis-a-vis dem bestehenden anzulegen wäre. Die Stadt hält in ihrem Bebauungsplan an dieser Stelle bereits Raum für rund 500 Stellflächen vor. „Im Sommer und zu unseren Veranstaltungen brauchen wir die“, sagt die Prokuristin.

Und schließlich soll mit dem Projekt Erlebnis-Büdnerei eine abkürzende Fußverbindung vom Bahnhof Primerburg hergestellt werden, was besonders für den Besuch von Schulklassen wichtig wäre.

Bei einer europaweiten Ausschreibung für Leader-Projekte belegte der Güstrower Wildpark mit dieser Idee den 1. Platz, berichtet Tuscher. 90 Prozent Förderung stünden deshalb in Aussicht für das auf 2,7 Millionen Euro veranschlagte Projekt. Mit dem wäre, denkt Marianne Tuscher, die expansive Entwicklung des Wildparks abgerundet.

Kritische Stimmen und Befürwortung

Noch liegt die Finanzierung des Vorhabens auf Eis. Die restlichen 10 Prozent nämlich müsste die Nup Güstrow GmbH, so die offizielle Unternehmensbezeichnung, selbst aufbringen. Ohnehin mit einem Betriebskostenzuschuss von jährlich 300  000 Euro durch die Barlachstadt gefördert, hieße das, Güstrow müsste wohl auch für die einmalig zu leistenden 270  000 Euro Eigenbeitrag der Erlebnis-Büdnerei geradestehen. Im Entwurf für den Doppelhaushalt 2016/17, der nächsten Donnerstag verabschiedet werden soll, ist das jedoch nicht vorgesehen. Auch der bereits verabschiedete Wirtschaftsplan 2016 für den Wildpark, anders als der städtische Etat für jedes Jahr einzeln aufgestellt, enthält die Büdnerei noch nicht. Was für dieses Jahr noch kein Problem darstelle – 2016 hofft Geschäftsführer Klaus Tuscher nur auf den Planungsstart – sähe mit dem ersten Spatenstich ( Tuscher: „Wenn alles gut läuft und auch die nationale Kofinanzierung steht.“) im nächsten Jahr schon anders aus. Für den Moment sieht Bürgermeister Arne Schuldt jedoch keinen Handlungsbedarf: Planung, Baurecht, Finanzierung, nicht einmal die Örtlichkeit ist aus Schuldts Sicht geklärt. Nicht zuletzt mahnt der Bürgermeister, die Folgekosten eines solchen Projektes im Auge zu halten (SVZ berichtete).

Die Realisierung und Finanzierung des Vorhabens soll in drei Jahresschritten erfolgen. Erhaltungskosten sollten aus Marianne Tuschers Sicht nicht zum Problem werden. „Es wird teilweise ja auch nur umgeschichtet, zum Beispiel vom jetzigen Wirtschaftshof zum Bauernhof. Für den Wildpark wäre das Projekt optimal, wir könnten mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Aus eigener Kraft können wir das jedoch nicht schaffen“, betont die Prokuristin.

Unterdessen mischt sich in der Stadtvertretung unter mahnende Stimmen Befürwortung. So signalisierte Sascha Zimmermann, seine Fraktion (Grüne/FDP) wolle den Plänen zustimmen und dies durch den entsprechenden Eigenanteil der Stadt untermauern. Die dringend nötige Erweiterung des Parkplatzes etwa „würde sonst nie kommen“. Gerhard Jacob (Freie Wähler/Einzelbewerber) pflichtet bei, auch weil das Projekt gleichzeitig einen Teilersatz für die veralteten Wirtschaftsgebäude im Blick habe. Und Jens-Hagen Schwadt (Die Linke) möchte schon mal klarstellen: „Die Stadt steht zum Nup.“

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