Güstrow : Neues Haus mit alten Balken

Während des Abbruchs zeigte sich dieses Bild einer Fachwerkfassade, wie es sie auch künftig geben soll.
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Während des Abbruchs zeigte sich dieses Bild einer Fachwerkfassade, wie es sie auch künftig geben soll.

Die Mühlenstraße 46 in Güstrow wird wieder aufgebaut. Das Besondere wird sein, dass der Bauherr die Fachwerkfassade wieder entstehen lässt. Dafür nimmt er das haus Stück für Stück auseinander, um Balken und anderes wieder zu verwenden.

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29. Juli 2014, 23:00 Uhr

Lange schon hatte sich der mit einer hässlichen Putzfassade versehene Fachwerkbau aus der Zeit der Renaissance in der Mühlenstraße 46 fast unsichtbar gemacht. Niemand wohnte mehr dort. Regenwasser drang ein, Decken brachen herunter. Nun wird das Haus abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein neues Wohnhaus.

Allerdings schwingt nicht die Abrissbirne, das Haus wird fast akribisch Stück für Stück auseinander genommen. So viel Mühe ist notwendig, um Balken und anderes, was noch wieder verwendbar ist, bergen zu können. „Das neue Gebäude wird wieder eine Fachwerkfassade bekommen und damit wie der Vorgängerbau aussehen“, erklärt Stefan Thoß, der das Vorhaben betreut. Die jetzt geborgenen Hölzer kommen in eine Tischlerwerkstatt und werden dort ausgeflickt und ergänzt, berichtet der Architekt. Die Fassade wird aber nicht etwa wieder verputzt. Das Fachwerk bleibt sichtbar. Auch die so genannte Utlucht – ein hervorspringender Gebäudeteil – wird es wieder geben. Erhalten bleibe der Keller des Gebäudes. Die Kellerdecke habe sich als sehr stabil erwiesen. Lediglich tonnenweise Unrat habe heraus geräumt werden müssen.

„Es entsteht ein Wohnhaus in den Abmaßen des alten Hauses“, informiert Thoß. Auf Anbauten, die es auf der Hofseite gab, verzichte man zu Gunsten eines Gartens. Ein Zeitplan sehe die Fertigstellung des Rohbaus im Frühjahr 2015 vor. Der Ausbau könne dann gegebenenfalls im Herbst abgeschlossen werden.

Ende der 1990er-Jahre hatte die Mühlenstraße 46 einmal den Besitzer gewechselt, Anfang des Jahres war versteigert worden. Schon da habe festgestanden, dass das Haus nicht erhalten werden kann.

Der inzwischen gestorbene Jürgen Höhnke hatte immer wieder auf den Wert des Hauses in der Mühlenstraße 46 hingewiesen. Der Giebel mit dem zweimal vorkragenden Fachwerk stehe für einen Bautyp, der in der Residenzzeit vorherrschend in Güstrow gewesen sein dürfte. Höhnke betrachtete den Wert des Hauses außerdem im Zusammenhang mit dem Derz’schen Haus (Nr. 48) und Martens Hof (Nr. 49) und hielt es für erstaunlich, dass in der Mühlenstraße – weitab vom Schloss – in der Zeit der Renaissance eine Insel attraktiver Häuser entstanden war. Mit dem Wiedererstehen der alten/neuen Fassade bleibt zumindest der historische Eindruck erhalten.

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