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EU-Wasserrahmenrichtlinie : Neues Flussbett für die Recknitz

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Renaturierung des Abschnittes zwischen Liessow und Laage bis zum Sommer abschließen / Zurück zur Natur

von
erstellt am 29.Jan.2015 | 06:00 Uhr

Jahrelang war die Renaturierung der Recknitz immer wieder im Gespräch. Jetzt haben die Bauarbeiten begonnen. Bis zum Sommer muss alles fertig und abgerechnet sein, denn gebaut wird hier mit EU-Geldern, die noch aus der vergangenen Förderperiode bis 2014 stammen. Um eine ökologische Durchgängigkeit nach den Forderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen, wird die Recknitz zwischen Liessow und Laage auf eine Strecke von 4,7 Kilometer zu einem großen Teil neu profiliert. Gebaut wird ein neues Flussbett, dass sich neben der jetzigen Recknitz befindet.


Chance für Fische und Krabbelgetier


Zu DDR-Zeiten sollten die Wiesen zu beiden Seiten der Recknitz intensiver genutzt werden. Dafür wurde das Flüsschen begradigt und tiefer gelegt, damit der Grundwasserspiegel sinkt und die Flächen nicht zu oft unter Wasser stehen. „Dem Niedermoor wurde das Wasser entzogen“, berichtet Planerin Kathrin Weidmann vom Institut für ökologische Forschung und Planung „biota“. Auch künftig werden die Wiesen bewirtschaftet. Gleichzeitig aber soll die Recknitz von Fischen und kleinen Krabbeltieren durchwandert werden können. Sie soll wieder fließen. Heute sei es auf besagtem Abschnitt ein eher totes Gewässer, das kaum in Bewegung ist. Eine dicke Schlammschicht liegt auf der Sohle, berichtet Kathrin Weidmann. Die Flusssohle wird wieder angehoben. Die Böschungen werden nicht mehr so steil sein. Das Flüsschen soll sich künftig durch die Wiesen schlängeln, an einer Stelle breiter, an anderer Stelle schmaler sein. „Es wird eine Niedrigwasserrinne geben, damit der Fluss auch bei wenig Wasser noch fließen kann“, erklärt Kathrin Weidmann. Andererseits werden auch für den Hochwasserfall Flächen bereitstehen, damit der Fluss sich ausdehnen kann.


35 Hektar Raum für Entwicklung


Es werde jetzt kein fest stehender Zustand hergestellt. Dem Fluss, so erklärt die Planerin weiter, werde vielmehr ein Korridor für weitere Entwicklungen gegeben. 35 Hektar nutzungsfreier Raum zu beiden Seiten stehen dafür zur Verfügung. Um die dafür notwendigen Flächen sichern zu können, war eigens eine Bodenordnungsverfahren eingeleitet worden. Nach zähen Verhandlungen mit den Grundeigentümern und Nutzern stehen die Flächen nun zur Verfügung.

Eine Bepflanzung ist jetzt nicht vorgesehen. Diese, so die Planerin, könne zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, aber auch der Natur überlassen werden. Beispielsweise hätten die Samen von Erlen im jetzt aufgewühlten Boden gute Chancen zu keimen.

Zum Projekt gehört auch die Anbindung aller zulaufenden Gräben und des Pludderbachs. Dieser, so informiert Planerin Kathrin Weidmann, werde ebenfalls auf seinen letzten Abschnitt bis zur Mündung in die Recknitz neu trassiert.

Vorstellungen der Stadt Laage im Zuge einer Renaturierung der Recknitz auch touristische Belange zu berücksichtigen, werden damit nicht wahr. Schon in den 1990er-Jahren träumte man vom Wasserwandern auf der Recknitz. Daraus wird zum Bedauern der Stadtvertreter nichts (SVZ berichtete). Lediglich einen Wirtschaftsweg wird es entlang der Recknitz geben. Wie einladend er auf Spaziergänger wirkt, wird abzuwarten sein. Die Wasserrahmenrichtlinie der EU zielt allein auf den ökologischen Zustand von Gewässern ab.

Für die Recknitz-Renaturierung sind 1,8 Millionen Euro veranschlagt, informiert Laages Bürgermeisterin Ilka Lochner-Borst. Die Stadt leistet einen Eigenanteil von 187 000 Euro. Das Geld liege seit Jahren in einem Umweltkonto beim Landkreis dafür bereit.
 

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